--- DE-TeX-FAQ Beginn Teil 9 ---



   Fragen und Antworten (FAQ) ber das Textsatzsystem TeX und DANTE,
             Deutschsprachige Anwendervereinigung TeX e.V.


            Bernd Raichle, Rolf Niepraschk und Thomas Hafner


                     Version 72 vom September 2003

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9 METAFONT und Schriften


9.1 METAFONT und METAFONT-Hilfsprogramme


9.1.1 Was ist ein Meta-Font?

Um die einzelnen Zeichen einer Schrift, eines Font, auf Papier zu
bringen, mu man wissen, an welchen Stellen das Papier mit Druckerfarbe
geschwrzt werden soll und an welchen nicht. Diese Information kann auf
verschiedene Arten reprsentiert werden: Die einfachste Form ist die
`Bitmap' bzw. `Pixelmap', d.h. jedes Zeichen wird gerastert und fr
jeden einzelnen Punkt im Raster (= Pixel) wird abgespeichert, ob diese
Stelle geschwrzt werden soll. Eine Bitmap-Reprsentation hat jedoch den
Nachteil, da man diese nicht ohne weiteres vergrern, verkleinern oder
die Rasterung an eine andere Auflsung eines Ausgabegerts anpassen
kann, da man in den meisten Fllen unerwnschte Seiteneffekte bekommt
(Stufen, Moir-Effekte, dnnere Linien verschwinden bei Verkleinerung,
als regelmige oder unregelmige Muster sichtbare Rasterung u..).
Man verwendet zur Beschreibung der Ausmae und der Form eines Zeichens
daher besser eine rasterungs-, also auflsungsunabhngige
Reprsentation. Dazu gibt es nun mehrere Verfahren:
In METAFONT legt man Linienzge durch Punkte und durch diese Punkte
festgelegte Spline-Kurven fest und zieht diese mit einem vorher
definierten `Pinsel' nach. Durch die Form und die Lage des verwendeten
Pinsels knnen mit denselben Kurven sehr unterschiedliche Zeichenformen
erzeugt werden. Nachdem das Zeichen aus einzelnen Kurvenzgen definiert
und mit unterschiedlichen Pinseln gezeichnet wurde, rastert METAFONT die
dadurch eingefrbten Flchenteile und erzeugt daraus einen Font in Form
einer Bitmap. Da METAFONT zur Programmierung einer solchen
Font-Beschreibung eine Programmiersprache definiert, kann ein
Font-Designer einer Font-Beschreibung beliebig viele Parameter mitgeben,
die die Form und Ausmae der einzelnen Zeichen der erzeugten Schrift in
unterschiedlichen Richtungen verndern. Wegen dieser Mglichkeit, aus
einer einzigen Beschreibung durch Wahl verschiedener Parameter viele
verschiedene Schriften erzeugen zu knnen, nennt man diese
Font-Beschreibungen auch `Meta-Font'. Man kann also durch Wahl der in
einem Meta-Font definierten Parameter unterschiedliche Fonts in
verschiedenen Gren erzeugen. Durch Angabe der gewnschten Auflsung
und weiterer Parameter des Ausgabegerts kann wiederum fr einen solchen
Font eine optimal an das jeweilige Ausgabegert angepate
Bitmap-Wiedergabe dieses Fonts erzeugt werden.
Neben dieser von METAFONT verwendeten Beschreibung eines Fonts in Form
von mit Pinseln gezeichneten Spline-Kurven kann man die Form eines
Zeichens auch durch die Angabe des Umrisses der zu schwrzenden Flche
beschreiben. Auch hier werden wiederum Spline-Kurven zur Beschreibung
der Umrisse eines Zeichens verwendet. Diese Beschreibung in Form eines
sogenannten `Outline' wird beispielsweise in PostScript-Schriften
verwendet.

9.1.2 Was sind tfm-, pl-, gf-, pk-, pxl-Dateien?

Neben dem Aussehen der einzelnen Zeichen in einem Font werden noch
weitere Informationen ber jedes einzelne Zeichen und ber
schrift-globale Parameter bentigt: Von jedem Zeichen mu TeX die
Ausmae in Form von Breite, Hhe und Tiefe in Bezug zur Grundlinie
wissen. Zu bildende Ligaturen (z.B. f+f => ff), das Kerning zwischen
zwei Zeichen (z.B. Unterschneidung bei `Ta') und beispielsweise der zu
verwendende Wortabstand sind weitere Informationen, die ber einen Font
abgelegt sein mssen, da sie von TeX bentigt werden.
Diese Informationen liest TeX aus der `TeX Font Metric' oder kurz
tfm-Datei. Die Programme `pltotf' und `tftopl' wandeln die Informationen
in einer tfm-Datei in eine lesbare Form, die `Property List' oder kurz
pl-Datei um.
In den gf- (Generic Font), pxl- (Pixel) und pk- (Packed Pixel) Dateien
sind die Bitmap-Reprsentationen jedes Zeichens einer Schrift abgelegt.
Da pk- und pxl-Dateien genau dieselben Informationen enthalten, die
pxl-Dateien jedoch mehr Platz bentigen, werden diese heutzutage nicht
mehr verwendet und untersttzt. Mit den Programmen `gftopk' und `pktogf'
knnen die Bitmap-Reprsentationen ineinander umgewandelt werden. Da
gf-Dateien in der Lage sind, in einer Bitmap neben den einzelnen Pixeln
noch weitere Informationen zu enthalten (z.B. `special'-Anweisungen),
knnen bei dieser Umwandlung Informationen verloren gehen. Da jedoch nur
sehr wenige Programme und Gertetreiber diese zustzlichen Informationen
verwenden und die pk-Darstellung viel kompakter ist, sind gf-Dateien
normalerweise nur fr METAFONT wichtig.
METAFONT erzeugt aus einer mf-Source eine tfm-Datei mit der
auflsungs_un_abhngigen `TeX Font Metric' und eine auflsungsabhngige
gf-Datei. Aus der gf-Datei wird blicherweise mit `gftopk' eine pk-Datei
erzeugt.
TeX verwendet nur die Informationen in der tfm-Datei, die Bitmap in der
gf- bzw. der pk-Datei wird von TeX _nicht_ gelesen. Ein Gertetreiber,
der eine dvi-Datei druckt oder darstellt, verwendet die pk-Dateien und
in einigen Fllen auch die tfm-Datei.

9.1.3 Was sind virtuelle Fonts, was vpl-, vf-Dateien?

Ein virtueller Font ist, wie der Name schon sagt, eine Schrift, die
keine real (in Form einer Bitmap) existierenden Zeichen enthlt.
Stattdessen wird in einem virtuellen Font auf andere Schriften und die
dort enthaltene Zeichen verwiesen. Durch diesen `Trick' kann man
beispielsweise die Kodierung der Zeichen in einer Schrift umdefinieren
oder eine Schrift aus Zeichen mehrerer Schriften zusammensetzen, um so
z.B. einzelne Zeichen durch andere zu ersetzen. Darber hinaus kann man
in virtuellen Fonts auch einzelne Zeichen aus mehreren Zeichen
zusammensetzen, indem man beispielsweise fertig akzentuierte Zeichen aus
dem entsprechenden Akzent- und Basiszeichen bildet. Eine weitere
Anwendung fr virtuelle Fonts ist die Verwendung einer Ersatzschrift fr
eine nicht verfgbare Schrift, die dieser mglichst nahekommt und
dieselben TeX-Font-Metric-Informationen besitzt.
Eine vf-Datei enthlt die Definition eines solchen virtuellen Fonts in
binrer, sehr kompakter Form. Dieser vf-Datei mu eine tfm-Datei
zugeordnet sein, in der TeX die `TeX Font Metric' fr diese Schrift
finden kann. Eine vpl-Datei ist eine fr den Menschen lesbare
Darstellung der vf- und tfm-Datei in Form von `Property Lists'. Mit dem
Programm `vptovf' kann aus einer vpl-Datei eine vf- und die zugehrige
tfm-Datei erzeugt werden, mit `vftovp' bekommt man aus diesen beiden
Dateien wieder die vpl-Datei.
TeX `wei' nichts von virtuellen Fonts. TeX liest keine vf-Dateien,
sondern bentigt nur die zugehrige tfm-Datei, aus der nicht ersichtlich
ist, ob dies ein `realer' oder ein virtueller Font ist. vf-Dateien
werden nur von den Gertetreibern verwendet. Fr Treiber, die (noch)
keine virtuellen Fonts untersttzen, kann das Programm `dvicopy'
verwendet werden, um eine dvi-Datei in eine dvi-Datei umzuwandeln, in
der alle virtuellen Fonts `aufgelst' worden sind, also nur noch `reale'
Fonts verwendet werden. Achtung: Die meisten verfgbaren virtuellen
Fonts sind unabhngig vom Ausgabegert, sie knnen jedoch auch abhngig
vom Ausgabegert sein!

9.1.4 Was ist METAPOST?

METAPOST ist ein aus METAFONT abgeleitetes Programm zum Erstellen von
PostScript-Zeichnungen, das von John Hobby, einem ehemaligen Mitarbeiter
von Donald E. Knuth, entwickelt wurde. Die METAPOST-Sprache ist sehr eng
verwandt mit METAFONT, untersttzt aber einige zustzliche Features, wie
beispielsweise das Beschriften von Abbildungen in TeX ber einen
Prprozessor (dies setzt den dvi-Treiber `dvips' voraus).
Um eine Zeichnung zu erstellen, muss man ein METAPOST-Programm schreiben
und compilieren. Diese Arbeitsweise hnelt METAFONT, ist somit eben ganz
anders als die sonst gewohnten Grafik-/Malprogramme. METAPOST ist dafr
aber gut fr berechnete Zeichnungen geeignet oder zum Plotten von
Funktionen oder Datenwerten. Knuth benutzt es selbst fr Zeichnungen in
seinen Bchern. Das Programm ist erst seit Anfang 1995 frei erhltlich,
vorher nur nach Abschlu eines `non-disclosure agreement'.
Implementierungen von METAPOST existieren mittlerweile fr sehr viele
Plattformen:

* Web2c: CTAN: systems/web2c/
  Web2c enthlt ab Version 7.0 METAPOST-Sources, wobei Web2c
  mittlerweile neben Unix auch Amiga, OS/2 und Windows 95/98/NT und BeOS
  untersttzt.
* teTeX: CTAN: systems/unix/teTeX/
  Ab teTeX Version 0.4 ist METAPOST enthalten.
* Amiga: CTAN: systems/amiga/amiweb2c/ (Andreas Scherer)
  Siehe auch Web2c.
* OS2: Siehe Web2c.
* Windows 95/NT: Siehe Web2c.
* DOS: CTAN: systems/msdos/metapost/ (Piet van Oostrum)
  pat zu emTeX
  CTAN: systems/msdos/dostp22/ (Peter Breitenlohner)
  integriert in PubliC-(e-)TeX/MF/MP, TDS-kompatibel
* MacOS: CTAN: nonfree/systems/mac/cmactex/ (Tom Kiffe)

Seit Mrz 2000 ist fr METAPOST auch der graphische Editor `Metagraf'
ffentlich verfgbar, der gerade entwickelt wird. Er ist in Java
geschrieben und somit auf vielen Betriebssystem lauffhig.

METAPOST:        http://cm.bell-labs.com/who/hobby/MetaPost.html
                 CTAN: graphics/metapost/
Peter Wilson:
Some             CTAN: info/metafp.pdf
Experiences...: 
                 CTAN: info/metafp.ps
Hans Hagen:      http://www.pragma-ade.com/pragma-ade/general/manuals/beta/metafun-p.pdf
metafun: 
Denis Roegel:
The metaobj
tutorial and     http://www.loria.fr/~roegel/TeX/momanual.pdf
reference
manual: 
METAOBJ:         CTAN: graphics/metapost/contrib/macros/metaobj/
Metagraf:        http://w3.mecanica.upm.es/metapost/metagraf.html
 


9.1.5 Was ist MFT?

`mft' ist ein Programm, das aus METAFONT-Quellcode eine TeX-Datei
erzeugt, mit der dieser Quellcode schn formatiert erscheint. Damit es
wirklich schn aussieht, sind zustzliche Kommentare im Quellcode
notwendig. Nur sehr wenige Autoren von METAFONT verwenden `mft'.

9.1.6 Beim bersetzen einer mf-Datei erhalte ich immer eine gf-Datei mit
Endung `.2602gf' (bzw. `.260' bei Filesystemen, die nur drei Zeichen als
Datei-Extension zulassen). Wieso?

Zur Erzeugung einer Schrift fr ein bestimmtes Ausgabegert bentigt
METAFONT eine Beschreibung in Form einer `Mode Definition' (kurz:
`mode_def'), in der u.a. die Auflsung des Ausgabegerts festgelegt
wird. METAFONT wird meist mit

  mf \mode:=<Mode-Name>; mag:=<Magnification>; input <Font-Filename>

aufgerufen (unter Unix Quote-Zeichen ' um die Argumente im
METAFONT-Aufruf nicht vergessen!), wobei mit <Mode-Name> der Namen einer
solchen `mode_def' anzugeben ist. Wird kein `mode' angegeben oder ist
<Mode-Name> unbekannt, verwendet METAFONT den Proof-Mode, der einen
Korrekturabzug der Schrift erstellt. Damit die Zeichen in diesem
Korrekturabzug gro genug sind, verwendet METAFONT dazu die Auflsung
2602dpi (= `dots per inch'). Falls dies nicht erwnscht war, sollte man
berprfen, ob der `mode' korrekt gesetzt wurde, ob <Mode-Name>
beispielsweise korrekt angegeben wurde (Schreibfehler!) und ob
<Mode-Name> bei der Erstellung der base-Datei (`Dumpen' der Datei
``plain.mf'') mit `mode_def' definiert wurde.

9.1.7 Wozu bentige ich fr jeden Druckertyp eine andere Anpassung in
Form einer `mode_def'? Wo finde ich fr den Drucker XYZ eine solche
Anpassung?

Jedes Ausgabegert hat unterschiedliche Charakteristiken. Zum einen
unterscheiden sie sich in der Auflsung, zum anderen beispielsweise auch
in der Gre eines gezeichneten Pixels. So wird bei einem
Tintenstrahldrucker im Vergleich zu einem Laserdrucker in den meisten
Fllen ein einzelner Punkt etwas grer ausfallen. Sehr groe
Unterschiede treten prinzipbedingt beim Vergleich von sogenannten
`schwarz'- und `wei'-schreibenden Laserdruckern auf. Auch wird beim
Schnitt zweier Kurven (z.B. in der Mitte des Zeichens `X') die
geschwrzte Flche etwas grer ausfallen, da die Druckerfarbe abhngig
vom Druckprinzip und vom Druckwerk mehr oder weniger ineinander
verlaufen kann. Damit METAFONT all diese und weitere Eigenschaften eines
Ausgabegerts bei der Erzeugung der Bitmap-Rasterung eines Zeichens in
Betracht ziehen kann, werden die einzelnen Parameterwerte fr ein
Ausgabegert in einer `Mode Definition' mit der Anweisung `mode_def'
abgelegt.
Da die Erstellung einer neuen `Mode Definition' fr ein Ausgabegert
einiges an Arbeit (Testdruck, berprfen, anpassen, Testdruck usw.)
bedeutet, wurden von Karl Berry alle bisher fr verschiedene
Ausgabegerte gefundenen `Mode Definitions' in der Datei ``modes.mf''
gesammelt. Da ``modes.mf'' neben den `Mode Definitions' noch dafr
sorgt, da man verschiedene Informationen (z.B. `coding scheme') ber
einen Font setzen kann und diese korrekt abgelegt werden, ist diese
Datei jedem empfohlen.

modes.mf:  CTAN: fonts/modes/modes-3.5.mf
(Hinweis: Seit Februar 2002 gibt es die Version 3.5 mit
Voreinstellungen fr neuere Drucker)
 


9.1.8 Kann ich aus einer vorhandenen tfm-Datei die mf-Source erzeugen?
Gibt es dafr ein Programm?

Nein. tfm-Dateien enthalten keine Bitmap- oder hnliche Information ber
das Aussehen der Zeichen in einer Schrift. Daher kann aus einem tfm-File
weder eine pk-Datei noch die mf-Source restauriert werden.
Es ist jedoch mglich, aus einer pk- und der tfm-Datei einer Schrift
eine mf-Source zu erstellen. Dabei ist das entstehende Resultat jedoch
kein _Meta_-Font mehr, sondern `nur' noch ein mf-Programm fr genau
diese Schrift. Das Ergebnis ist je nach Aufwand mehr oder weniger gut
und verlangt in den meisten Fllen noch einiges an Handarbeit, so da
sich der Aufwand nur in seltenen Fllen lohnt.

9.1.9 Wie kann ich nur die tfm-Dateien einer Schrift erzeugen?

In der Datei ``modes.mf'' ist dafr die Mode-Definition `nullmode'
gedacht, in der neben der tfm- zwar auch eine gf-Datei erzeugt wird,
jedoch in einer Auflsung von 101dpi, so da dies schneller als mit
300dpi oder 600dpi geschieht.

9.2 Schriften - allgemein (*)


9.2.1 Gibt es eine Schrift XYZ? Wo finde ich diese?

Als erste Informationsquelle sollte man die Liste ``metafont-list'' der
verfgbaren METAFONT-Schriften nach der gesuchten Schrift durchsehen.
Diese Liste enthlt eine kurze Beschreibung und Klassifikation der
meisten Schriften, die man auf CTAN im Verzeichnis ``CTAN: fonts/''
finden kann.
Beschrnkt man sich nicht nur auf in METAFONT-Quellen vorhandene
Schriften, kann man auch Schriften in PostScript-Type-1- oder
Type-3-Form, PCL-Schriften u.a. auf verschiedenen ftp-Servern finden.
Existieren fr diese Schriften Font-Metriken, die man in eine tfm-Datei
umwandeln kann, sind sie sehr einfach unter (La)TeX verwendbar (evtl.
nach Umkodierung mittels virtueller Fonts). Verschiedene Programme dafr
findet man auf CTAN im Verzeichnis ``CTAN: fonts/utilities/'', fertige
Anpassungen findet man fr weitverbreitete Schriften ebenso unter
``CTAN: fonts/''.

metafont-list:    CTAN: info/metafont-list
Liste de fontes
au format MF sur  http://www.math.jussieu.fr/~zoonek/LaTeX/MF/liste.html
les archives
CTAN: 
Zeichenstze und  http://www.loria.fr/services/tex/german/fontes.html
Symbole: 
dpunkt-Verlag:    http://www.dpunkt.de/produkte/latex/fonts/
Adobe Type        http://www.adobe.com/type/
Library: 
symbols:          CTAN: info/symbols/
comprehensive:    CTAN: info/symbols/comprehensive/
Luc Devroye: Font http://cgm.cs.mcgill.ca/~luc/fonts.html
Pages: 
 


9.2.2 Wie installiere ich mit `dvips' eine neue PostScript-Schrift, so
da ich diese unter (La)TeX verwenden kann?

Schritt 0 - Dokumentation lesen:
Zuerst sollte man sich die Dokumentation zum `dvips' durchlesen. Diese
beschreibt die wichtigsten Schritte, auch wenn die dort beschriebenen
Dateinamen und die Kodierungen fr die PS-Schriften veraltet sind (gilt
zumindest fr die Dokumentation bis `dvips' Version 5.58). Auerdem
sollte man `Filenames for TeX fonts' von Karl Berry in der Version 2.0
(oder neuer) durchlesen, in dem ein fr alle TeX-Systeme verwendbares,
einheitliches Namensschema beschrieben wird.
Schritt 1 - TeX-Anpassungen besorgen oder selbst generieren:
Gibt es auf CTAN im `psfonts'-Verzeichnis bereits fertige Anpassungen?
Wenn ja, sollte man diese verwenden. Wenn nein, sollte man sich das Tool
`fontinst' besorgen, mit dem man relativ einfach aus der mit dem
PostScript-Font mitgelieferten afm-Datei die notwendigen virtuellen
Fonts (vf-Dateien) mit den entsprechenden Fontkodierungen und
Font-Definitions-(fd)-Dateien fr LaTeX erzeugen lassen kann. Fr
Textschriften sollten zumindest vf-Dateien fr OT1-Kodierung, besser
auch noch fr T1-Kodierung erzeugt werden.
Schritt 2 - PS- und TeX-Font-Dateien installieren:
Nach Schritt 1 sollten beispielsweise fr die Schrift `URW Antiqua
Regular Roman Condensed' bzw. nach Berrys Namenschema `uaqr...c...'
folgende Dateien vorhanden sein:

* PS-Schrift und zugehrige Font-Metrik: uaqr8ac.{pfb,afm}
* virtueller Font, zugehrige TeX-Font-Metriken und PS-Reencoding:
  uaqr8rc.{vpl,vf,tfm} TeX Base-1 Encoding (unkodiert,
  Adobe-Std.-Encoding)
  uaqr7tc.{vpl,vf,tfm} TeX-Text-/OT1-/CM-Encoding (`7-bit')
  uaqr8tc.{vpl,vf,tfm} Cork-TeX-Text-/T1-/EC-Encoding (`8-bit')
  8r.enc PS-Reencoding, in `fontname' enthalten
* LaTeX-Font-Definition-Files:
  ot1uaq.fd (vormals: OT1uaq.fd)
  t1uaq.fd (vormals: T1uaq.fd)
  ts1uaq.fd
  antiqua.sty

und noch einige weitere Dateien fr die `slanted'- und `small
caps'-Varianten, die man mit `fontinst' erzeugen kann.
Diese Dateien werden nun in folgende Verzeichnisse gelegt:
                    *.fd, *.sty => TEXINPUTS (TeX)
           *.tfm => TEXFONTS bzw. `T'-Eintrag (TeX + dvips)
               *.vf => `V'-Eintrag oder VFFONTS (dvips)
           *.pfb/pfa => `H'-Eintrag oder DVIPSHEADERS (dvips)
Schritt 3 - Map-Datei des PS-Fonts fr `dvips' erzeugen:
Map-Datei fr `dvips' erzeugen, in der die Zuordnung des Font-Namens in
TeX zu dem in PS verwendeten festgelegt wird und evtl. die zu ladenden
pfb-/pfa- und PS-Reencoding-Dateien angegeben werden. In unserem
Beispiel enthlt die Map-Datei `uaq.map' die Zeile

  uaqr8rc URWAntiquaT-RegularCondensed "TeXBase1Encoding ReEncodeFont"
          <8r.enc <uaqr8ac.pfb

(dies mu eine einzige Zeile sein, sie wurde hier nur umbrochen, um eine
zu lange Zeile zu vermeiden!) und evtl. noch Zeilen fr weitere
Schriften und Varianten.
Diese Map-Datei in ein Verzeichnis legen, in dem `dvips' nach
PS-Header-Dateien sucht (Umgebungsvariable DVIPSHEADERS bzw. `H'-Eintrag
in ``config.ps'').
Schritt 4 - `dvips'-Konfigurationsdatei anpassen:
Konfigurationsdatei ``config.ps'' des `dvips' ndern: Die in Schritt 3
erstellte Map-Datei durch die in ``config.ps'' neu einzutragende Zeile

  p +uaq.map

zustzlich zur Standard-Map-Datei ``psfonts.map'' laden. (ltere
`dvips'-Versionen verstehen das `+' nicht; bei diesen mu man den Inhalt
der Map-Datei ``uaq.map'' an die Datei ``psfonts.map'' anhngen und die
obige Zeile in ``config.ps'' ist wegzulassen.) Auerdem sollte man noch
berprfen, ob das Verzeichnis, in dem die Map-Datei und die
pfb-/pfa-Dateien zu finden sind, im Suchpfad nach PS-Header-Dateien
enthalten ist (DVIPSHEADERS bzw. `H'-Eintrag in ``config.ps'').
Schritt 5 - Anpassungen testen und verwenden:
Mit LaTeX kann man unsere Beispielschrift einfach mittels des Pakets
`antiqua' verwenden, da diese Schrift damit als `\rmdefault'-Schrift
verwendet wird. Ohne dieses Package kann man auch durch die Anweisung
`\usefont'{OT1}{uaq}{m}{n} diese Schrift kurz austesten. LaTeX mte
dazu die fd- und tfm-Dateien finden und einlesen knnen. `dvips' benutzt
dann die angepate Konfigurationsdatei, die virtuellen Schriften
``uaqr*.vf'', die Map-Datei ``uaq.map'', die eigentliche PS-Schrift
``uaqr8ac.pfb'' und schlielich noch ``8r.enc''.
Fr die PostScript-Schriften, die standardmig mit den meisten
PostScript-fhigen Druckern mitgeliefert werden, als auch fr einige
freie Schriften und die Lucida-Schriftfamilie existiert in Form von
`psnfss' eine Menge von LaTeX-Paketen.
Unter Plain-TeX kann man diese Schrift relativ einfach z.B. durch die
Anweisung \font\rmantiqua=uaqr7tc laden und anschlieend verwenden. Zur
Verwendung der T1-kodierten Variante ``uaqr8tc'' sind, wie bei der
Verwendung der EC-Schriften unter Plain-TeX, noch einige Anpassungen
notwendig.
Unter LaTeX 2.09 gilt dasselbe wie fr Plain-TeX, nur sollte man hier
besser \newfont{\rmantiqua}{uaqr7tc} verwenden. Will man diese Schrift
und deren Varianten statt den CM-Schriften in einem Dokument verwenden,
so sind grere nderungen notwendig, die den Rahmen dieser FAQ sprengen
wrden. Am einfachsten ist ein Umstieg auf eine aktuelle LaTeX-Version!

dvips.tex:       CTAN: dviware/dvips/
fontname:        CTAN: info/fontname/
8r.enc:          CTAN: info/fontname/8r.enc
psfonts:         CTAN: fonts/psfonts/
                 CTAN: fonts/psfonts/urw/antiqua/
                 (unsere Beispielschrift)
fontinst:        CTAN: fonts/utilities/fontinst/
                 http://www.tug.org/applications/fontinst/
psnfss:          CTAN: macros/latex/required/psnfss
                 CTAN: info/installing_psnfss_on_emtex.pdf
PostScript Type
1 fonts (Nelson  http://www.math.utah.edu/~beebe/fonts/postscript-type-1-fonts.html
Beebe): 
Walter Schmidt:
Schriften fr    http://home.vr-web.de/was/fonts.html
TeX: 
Tobias
Regenbrecht:
Integration von  http://www.regenbrecht.net/psfonts/psfonts_tetex.html
PostScript-Fonts
in LaTeX2e: 
 


9.2.3 Warum sind die Buchstaben in meiner pdf-Datei von schlechter
Qualitt? (*)

Schriften in pdf-Dateien werden mit schlechter Qualitt dargestellt (und
evtl. auch gedruckt), wenn sie in der pdf-Datei als Bitmaps enthalten
sind, also nicht in Form von Vektorfonts. Um das zu verhindern, ist auf
folgende Punkte zu achten:

* Es drfen im Dokument nur solche Schriften verwendet werden, die im
  Format Type-1 (PostScript) oder TrueType vorhanden sind. Welche das
  sind, sollte aus der Dokumentation des TeX-Systems hervorgehen.
  Schriften, die ausschlielich im Metafont-Format existieren, knnen
  hingegen in pdf-Dateien nur in Form von Bitmaps benutzt werden, sind
  also nach Mglichkeit zu vermeiden.
* Wenn Schriften sowohl im Metafont-Format als auch als Type-1 oder
  TrueType vorliegen, dann mssen die beteiligten Programme so
  konfiguriert sein, dass sie nicht die Metafont-Version verwenden. In
  aktuellen TeX-Distributionen ist das zumindest fr pdfTeX
  normalerweise der Fall.

Die hufigsten Fehlerquellen sind:

* Es werden die EC- und TC-Fonts benutzt, ohne dass diese im
  Type-1-Format vorliegen. Abhilfe: EC/TC-Fonts im Type-1-Format
  beschaffen und installieren (siehe Frage 10.1.7) oder stattdessen die
  AE-Fonts verwenden (siehe ebenfalls Frage 10.1.8)
* Wenn die pdf-Datei auf dem Weg ber `dvips' und nachfolgende
  Umwandlung ins pdf-Format erzeugt wurde, dann hat `dvips' die
  CM-Schriften im Metafont-Format und damit in einer Bitmap-Version
  verwendet, obwohl diese auch als Type-1 existieren. Dies ist hufig
  das voreingestellte Verhalten von `dvips'. Abhilfe: `dvips' mit einer
  passenden Option aufrufen, so dass alle vorhandenen Type-1-Fonts auch
  tatschlich verwendet werden. Wie diese Option lautet, hngt von
  jeweiligen TeX-System ab; beachten Sie dessen Dokumentation! Mit
  vielen Systemen funktioniert:


    dvips -Ppdf -G0

  Beachten Sie dabei, dass CM-Schriften oft fr bestimmte mathematische
  Symbole bentigt werden, auch wenn die Grundschrift eines Dokuments
  nicht Computer-Modern ist, z.B. mit Paketen wie `mathptmx'.
* Die pdf-Datei wurde aus PostScript durch Umwandlung mit dem Programm
  `Ghostscript' erzeugt, wobei eine ltere Version (< 6.51) zum Einsatz
  kam. Diese Programmversionen wandeln aber (fast) alle Fonts (auch
  Vektorfonts!) in Bitmaps um. Sie sind als veraltet anzusehen und
  sollten durch eine neuere Version (6.51 oder besser) ersetzt werden,
  die mit Vektorfonts umgehen kann.


Ghostscript:                                                CTAN: nonfree/support/ghostscript/
Fonts in LaTeX: Item,
www.mamster.net/tex/latex-fontfaq-amster-burton.pdf:
WWW-Link Fonts in LaTeX: Item,                              http://www.mamster.net/tex/latex-fontfaq-amster-burton.pdf
http://www.mamster.net/tex/latex-fontfaq-amster-burton.pdf:
link) Matthew Amster-Burton: The Sooper-Simple Guide to
Type 1 Fonts in LaTeX: 
 


9.2.4 In einer mit `dvips' erzeugten PostScript-Datei fehlen die
Ligaturen und andere Zeichen.

Dieses Problem kann auftreten, wenn die .ps-Datei unter Verwendung der
dvips-Option -Ppdf erzeugt wurde. Abhilfe: Ergnzen Sie beim Aufruf von
dvips die Option -G0:

    dvips -Ppdf -G0 ...

Hintergrund: Die Option -Ppdf manipuliert u.a. den Zeichensatz der
verwendeten Schriften, um einen potentiellen Fehler des `Acrobat Reader'
4.0 zu umgehen. Das ist jedoch nur dann berhaupt relevant, wenn die
.ps-Datei spter in PDF umgewandelt wird, und es funktioniert auerdem
nur bei Fonts mit 128 Zeichen (z.B. CM); mit anderen Fonts fhrt es
dazu, dass Zeichen verloren gehen. Mit der zustzlichen Option -G0 wird
dieses Verhalten abgestellt. Version 4.0 des Acrobat Reader ist
mittlerweile veraltet und drfte wegen zahlreicher Mngel sowieso kaum
noch verwendet werden, so dass es wenig Sinn macht, sie weiterhin zu
bercksichtigen.
Vorsicht: Es sind auch Implementierungen von `dvips' im Umlauf, mit
denen das beschriebene Verhalten schon ohne die Option -Ppdf auftritt.
Die zustzliche Option -G0 behebt das Problem dann ebenfalls.

9.2.5 Warum werden mit der Suchfunktion des Programms `Acrobat Reader'
keine Worte gefunden, die Umlaute enthalten?

Ein Voraussetzung dafr ist die Verwendung von T1-kodierten Schriften.
Die oftmals gnstige Lsung mit dem Paket `ae'

  \usepackage{ae}

um auf die `CM'-Schriften in T1-Kodierung zugreifen zu knnen, versagt
leider hinsichtlich der Umlaute und anderer akzentuierter Buchstaben, da
diese auch bei Verwendung dieses Paketes intern aus mehreren Lettern
zusammengesetzt werden. Um das Problem zu umgehen, sollte man Schriften
in T1-Kodierung verwenden, in denen die Umlaute tatschlich enthalten
sind, wie etwa die EC-Fonts (Type1-Versionen; Frage 10.1.7) oder die
PostScript-Basisfonts (siehe Frage 10.2.1).

9.3 TrueType-Schriften


9.3.1 Wie kann ich TrueType-Schriften in LaTeX verwenden?

TeX bzw. LaTeX bentigt von jeder Schrift, egal in welchem Format sie
vorliegt, nur die tfm-Dateien einer Schrift. Erst der Treiber fr das
Ausgabegert bentigt die Schrift selbst und hier ist es vom Treiber
abhngig, in welchem Format die Schrift vorliegen darf. Historisch kommt
fast jeder Treiber mit PK-Dateien bzw. METAFONT-Dateien, aus denen
PK-Dateien erzeugt werden knnen, zurecht. Ebenso ist die Untersttzung
von PS-Schriftformaten weit verbreitet.
Erzeugt man mit pdfTeX PDF-Dateien, so kann pdfTeX TrueType-Schriften
direkt verwenden und einbetten.
Sonst gibt es, wie oben erwhnt, prinzipiell drei Mglichkeiten:

* `ttf2pk':
  Dieses Programm konvertiert beliebige TrueType-Schriften (auch
  asiatische!) in PK-Dateien. `ttf2pk' bernimmt dabei analog zu
  `gsftopk' bei PS-Schriften das _Rendering_ fr Anwendungen, die
  TrueType-Schriften nicht untersttzen. Quellcode, Dokumentation etc.
  findet man im FreeType-Paket: http://www.freetype.org/projects.html
  MikTeX und fpTeX enthalten bereits Binaries; die neuesten
  teTeX-Distributionen ab Version 1.0 haben Untersttzung fr `ttf2pk'
  in den Skripten (man mu also nur `ttf2pk' kompilieren).
* TTF => PS-Fonts:
  Auch hier gibt es mehrere Anstze.

  o `ttf2pfb':
    Konvertiert TrueType-Fonts (auch asiatische!) in Type-1
    PostScript-Schriften. Nachteile: Untersttzung von Komposit-TTFs
    derzeit nur beschrnkt mglich; auerdem geht das Hinting (d.h. die
    Anpassung an kleine Schriftgren) verloren.
    http://www.freetype.org/projects.html
  o `ttf2pt1':
    `ttf2pt1' kann asiatische Fonts bzw. Fonts mit mehr als 256 Glyphen
    behandeln, wobei die allgemeine Beschrnkung, da ein
    Encoding-Vektor nur 256 Elemente haben kann, jedoch davon unabhngig
    besteht; kann auch Metriken im .afm-Format erzeugen, so da
    Kerning-Informationen nicht verlorengehen.
    http://www.netspace.net.au/~mheath/ttf2pt1/
  o TTF => PS-Fonts im Type-42-Format:
    Erzeugt eine `Wrapper-Datei' um den TrueType-Font. `Ghostscript' und
    neuere PS-Interpreter haben ein eingebautes TrueType-Modul, welches
    das Type-42-Format verstehen kann - allerdings ist der
    TrueType-Rasterer von lteren Ghostscript-Versionen eher schlecht.
    (Das Programm kann vermutlich keine asiatische Fonts bzw. Fonts mit
    mehr als 256 Glyphen behandeln.)

  Prinzipiell geht bei der Konvertierung von TrueType-Schriften nach
  Type-1 das _Hinting_ verloren. Nhere Informationen hierzu findet man
  in den Texten http://www.truetype.demon.co.uk/ttandt1.htm und
  http://www.truetype.demon.co.uk/tthints.htm.
* `ttf2mf':
  [nie verwendet; kann vermutlich asiatische Fonts bzw. Fonts mit mehr
  als 256 Glyphen nicht behandeln.]
  CTAN: nonfree/support/ttf2mf/

Weitere Informationen findet man unter den folgenden URLs:

FreeType:                      http://www.freetype.org
Otfried Cheong: Using TrueType http://www.cs.uu.nl/~otfried/Pdftex/
fonts in PdfLaTeX: 
 

Zur Verwendung oder Integration von `ttf2pk' findet man weiteres unter
den folgenden URLs:

Damir Rakityansky:
Using TrueType
fonts with TeX     http://www.radamir.com/tex/ttf-tex.htm
(LaTeX) and pdfTeX
(pdfLaTeX): 
Damir Rakityansky
(dt. .):
Benutzung von      CTAN: info/german/MiKTeX-WinEdt-TrueType-Anleitung/ttf.htm
TrueType-Schriften
unter TeX...: 
ttf2tex:           CTAN: support/ttf2tex/
 

Zur Konvertierung von TrueType-Schriften in eine PS-Schrift findet man
mehr unter der folgenden URL:

Harald Harders: Using TrueType fonts with CTAN: info/TrueType/index.html
teTeX and dvips: 
 


--- DE-TeX-FAQ Ende Teil 9 ---
