Das Alter ist nicht trbe, weil darin unsere Freuden, sondern weil
unsere Hoffnungen aufhren.
		-- Jean Paul
%
Die Probe eines Genusses ist die Erinnerung.
		-- Jean Paul
%
Fern von Menschen wachsen Grundstze, unter ihnen Handlungen.
		-- Jean Paul
%
Jeder Fachmann ist in seinem Fach ein Esel.
		-- Jean Paul
%
Man gibt seine Kinder auf die Schule, da sie still werden, auf die
Hochschule, da sie laut werden.
		-- Jean Paul
%
Mit einer Kindheit voll Liebe kann man ein halbes Leben hindurch fr
die kalte Welt haushalten.
		-- Jean Paul
%
Wer die Laterne trgt, stolpert leichter als wer ihr folgt.
		-- Jean Paul
%
Die schlimmsten Fehler macht man in der Absicht, einen Fehler
gutzumachen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Ich begreife sehr wohl, warum manche ihren Krper so wenig den
Befehlen der Weisheit untertnig machen knnen. Der, dessen Herz bei
jedem neuen Vorfall zu pochen anfngt, wird ber dasselbe anfangs
wenig mit seiner Weisheit vermgen. Denn das Bestreben, den Fehler zu
vermeiden, bringt ihn hervor.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Wenn der andre sich mit allen seinen Fehlern, die er noch besser kennt
als ich, ertrgt, warum sollte ich ihn nicht ertragen?
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Den Unmut ber unsre Fehler lassen wir an der Art aus, mit der der
Freund sie uns entdeckte. Geschah es frei, so zrnen wir ber seine
Unbescheidenheit, Plumpheit und Grobheit; geschah es fein, ber seine
Verstellung.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Wenn einer an einem groen Mann einen Fehler, den er selbst nicht hat,
wahrnimmt, so wnschet er sich sofort Glck, da er solcher nicht ist.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Er lobt mit Vergngen die Tugenden des andern und rgt mit Vergngen
seine Fehler.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Fehler aus relativen Schlssen: z.B. das bel und den Wert eines
Menschen verkleinern, indem man beide mit grern vergleicht.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Man sollte untersuchen: was eigentlich in uns die Wahrheit entdeckt?
Scharfsinn ist's nicht, ein gutes Herz mehr - Mangel des Scharfsinns
ist's nicht, wenn man die feinsten Irrtmer begeht und doch nicht auf
die feinere Widerlegung kommt, aber vielleicht Fehler des Herzens.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Ein Hauptfehler, da man d(em) andern nicht zutrauet, zu bemerken, was
wir bemerken.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Ein Genie, das nachgeahmt wird, hat ebendeswegen viele Fehler: denn
sonst schreckt' es ab. (Ramler, Goethe jetzt und sonst)
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Man schmt sich eines Sprachfehlers mehr als eines Denkfehlers - eines
Gedchtnisfehlers mehr als eines Schlu-Fehlers.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Ich wre am begierigsten, die Fehler der Engel zu wissen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Friedrich II. htte vielleicht keinen Fehler gehabt und wre ein
grerer Mann gewesen, wr er kein Knig gewesen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Man entschuldigt seinen Fehler bei sich dadurch, da man ihn sogleich
bereuet, und setzt doch bei [einem] andern nicht voraus, da er den
kleinen sogleich nach dem Begehen bereue.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Es ist ebenso fehlerhaft, nicht berall die Sinnlichkeit, als berall
ihren Sieg voranzusetzen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Fehler, da man den andern nur widerlegen, nicht berreden will.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Keine Fehler sind von den Besten schwerer zu verzeihen als die der
besten Menschen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Jedes Geschlecht vergibt blo die Fehler des seinigen dem andern
Geschlecht nicht.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Wenn man sich eines Fehlers anklagt, so hat man ihn stets grer, als
man ihn malt.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Wie Deutsche Straenraub auer Landes fr erlaubt hielten, so Mord im
Krieg 18/12; so berall; Fehler, die man sich nicht gegen seine
Familie etc. und Anhnger erlaubt, verstattet man sich gegen Fremde.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Man begeht entweder Fehler des Stolzes oder des Kriechens, wenn man
nicht die Anerkennung des eignen Werts voraussetzt.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Die Natur bestraft alles, an den Besten auch die kleinsten Fehler und
gerade diese am hrtesten.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Es ist der grte Fehler in einem Leben, das man entweder schreibt
oder fhrt, in der Ferne eine unentwickelte Knoten-Dunkelheit zu sehen
und nicht jetzt gehrig zu entwickeln, sondern mit zugedrckten Augen
zu hoffen, sie gebe sich schon.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Der Mensch hat mehr Scham ber einen scheinbaren (unwirklichen)
Fehler, den der andere ihm vorwirft, als ber einen wahren, den man
sich selber endlich eingesteht.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
In der Ehe gibt's keine grern Fehler als die wiederkommenden.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Um zu sehen, welche Fehler deine Braut als Frau am meisten haben wird,
gib auf den Tadel der Eltern gegen sie acht, der sie nennen wird.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Ein Dichter hat zwar die schnellsten Irrtmer, aber auch dafr die
schnellsten Bekehrungen. Andere haben keinen Standort, um ihre Fehler
zu bersehen, die sich von einem Tal ins andere verlieren.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Oft gehrt nichts dazu, den Ehemann zu stillen, der 100 Fehler
vorwirft, als sie alle rein-denkend zuzugestehen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Ein Lehrer, Hausvater rgert sich gerade ber die wiederkommenden
Fehler am meisten, da ers als ber in der Natur gegrndete am
wenigsten sollte.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Kurz nach einem Fehler ist der bereuende Mensch am besten, weil er
demtig ist.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Der Hagestolz hat das Unglck, da ihm niemand seine Fehler frei sagt;
aber der Ehemann hat dies Glck.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Leider gewhnt man sich immer mehr an die Tugenden des Bekannten und
hat entwhnt immer mehr dessen Fehler, je lnger man mit ihm umgeht.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Was Freundschaft, Ehe, Dienstbotenliebe so bald schwcht, ist, da man
alle die Tugenden, womit jemand anfngt, nur kurz im Anfange, aber
spter nur als notwendige Basis schtzt, von der man anfngt, die
Fehler und die Tugenden zu berechnen. Ein kleiner Fehler oder Abgang
wird einem Tugendreichen schwerer verziehen als einem Tugendarmen
seine ganze Armut. An nichts leichter gewhnt sich der Mensch bis zur
Vergessenheit und Undankbarkeit als an den Wert des andern. - So
knnen 2 Eheleute ihre Verdienste steigern; da es aber beide tun,
rechnet es kein Teil dem andern zum Verdienst an.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Man hte sich, irgendeinen Vorzug, z.B. die Dienstfertigkeit der
Barner, zu einem ganzen Charakter zu erheben - jede bedeutende
Eigenschaft ist im Zusammenklang mit dem Ganzen zu erklren und zu
wrdigen; und so wird manche Tugend bleicher werden und mancher Fehler
sanfter sich verflen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Satiren knnen in der groen Welt nicht an der moralischen Seite
bessern, weil die Unsittlichkeit das Lcherliche verloren oder doch
leicht verschmerzt; hchstens an der intellektuellen, zu welcher auch
die moralische umzudrehen ist; denn Fehler des Verstandes bleiben
immer den Pfeilen der Satire frei. Aber Darstellung groer moralischer
Krfte hebt die gesunknen der groen Welt.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Das Hchste der Humanitt: ber keinen Vorzug einen Fehler zu
bersehen - und ber keinen Fehler einen Vorzug - und so sich falsch
weder erwrmen noch erklten zu lassen, sondern alles einzuschichten.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Alle Strke liegt innen, nicht auen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Die grere Strke wre, bei der Kraft, wie ein ungewhnlicher Mensch
zu leben, der Entschlu, zu leben wie ein gewhnlicher.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Die Schwtzer von lohnendem Bewutsein guter Taten haben wenig getan -
sie htten sie sonst vergessen -, sie htten sich sonst erinnert, da
die Gewissensbisse mit der Strke des Gewissens steigen und da die
besten Menschen sich mehr vorwerfen als die schlimmsten.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Nichts ist an Rousseau so gro - der sich selber kleiner darstellet,
als er war, wie bei jedem groen Mann der Fall sein mte, wenn er uns
in alle Ecken seiner Seele blicken liee - als dieses, da er mitten
im Leben der groen Welt und in Paris seine hohen Grundstze
entwickelte und behielt. Diese Festigkeit gegen die untergrabende
Zerstrung der uern Welt ist die hchste Strke der Seele.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Bei dem Jngling, der sich an einen neuesten Lehrer hngt, ist's ein
Zeichen der Schwche; des Greis(es), ders tut, ein Zeichen der Strke.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Die Ehen werden so schlecht, weil die Mnner sich nicht entschlieen
knnen, Liebe an die Stelle der Kraft und der Grnde zu setzen und nur
mit Recht und Strke wirken wollen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Man (z.B. der Gelehrte, Dichter) gewinnt in Gesellschaft nicht so
viel, wenn man durch Strke die Feinheit ersetzen will, als andere,
die es umkehren.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Der Besitz macht uns nicht halb so glcklich, wie uns der Verlust
unglcklich macht.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Wurst ist eine Gtterspeise. Denn nur Gott wei, was drin ist.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Der schnste, reichste, beste und wahrste Roman, den ich je gelesen,
ist die Geschichte.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Die Geschichten, die man in der Kindheit las, nehmen etwas vom Zauber
unserer eignen Kindheit an.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Das erste Mal liest man einen Roman etc. der Geschichte wegen, das 2.,
3. etc. des Inhalts (Gehalts), Bemerkungen etc. wegen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Der Mensch wird wie der Stahl hart - durch fteres Abkhlen nach
Erhitzung.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Das Alter ist trber als die Jugend, nicht, weil seine Freuden,
sondern weil die Hoffnungen erloschen sind.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Der Mensch genieet den jetzigen Augenblick nicht, wenn er nicht gewi
wei, da der knftige auch Glck zufhrt. Daher qulet er sich mit
der Jagd nach Hoffnungen und mit der Flucht vor Befrchtungen. Um nun
eine strende Befrchtung loszuwerden, bequemet er sich lieber zu den
tollsten Hoffnungen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Die Zeit ist eine Larve der Ewigkeit.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Nur wer irgendein Ideal, das er ins Leben ziehen will, in seinem
Inneren hegt und nhrt, ist verwahrt gegen die Gifte und Schmerzen der
Zeit.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Wer die Wahrheit geigt, dem schlgt man leicht die Fiedel auf den
Kopf.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Kinder und Uhren drfen nicht stndig aufgezogen werden, man mu sie
auch gehen lassen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Man mu seine Frau lieben - oder seinen Mann - wie die Kinder; man
findet bessere und schnere; aber man vertauscht doch nicht. Man
schlgt die Kinder und verlt sie doch nicht.
		-- Jean Paul
%
Man fordert von Kindern das Unmgliche, da sie Ehe, Kinder und alles
sehen, und rein nichts erraten, auch von weitem her.
		-- Jean Paul
%
Das groe unzerstrbare Wunder ist der Menschenglaube an Wunder.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Der Spa ist unerschpflich, nicht der Ernst.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Den Verstand, Witz etc. des andern (Ehe) kriegt man satt, nie sein
gutes Herz: nur dieses ist unerschpflich.
		-- Jean Paul
%
Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben
werden knnen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Die Flamme der ehelichen Liebe gibt oft nur Kohle, einander zu
schwrzen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Um zur Wahrheit zu gelangen, sollte jeder die Meinung seines Gegners
zu verteidigen suchen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Der Furchtsame erschrickt vor der Gefahr, der Feige in ihr, der Mutige
nach ihr.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Die Kunst ist zwar nicht das Brot, aber der Wein des Lebens.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Mut besteht nicht darin, da man die Gefahr blind bersieht, sondern
darin, da man sie sehend berwindet.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort
benutzte, war der Begrnder der Zivilisation.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Das Ansehen der Groen beruht auf der Ehrfurcht der Kleinen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Es ist der Wahrheit nicht zutrglich, wenn ein groer Kopf mit einem
dummen Gegner streitet. Da jener diesen fr zu gering ansieht, so wird
er ihm auch da nicht Recht lassen, wo er's hat.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Wenn der Feige vor andern sich an seinem Feinde zu rchen drohet oder
schon gercht zu haben lget, so folget er hierin weniger seinem
Stolze, fr tapfer zu gelten, als seinem Zorne, zu dessen Auslassung
der ganze Krper kein anderes Glied als die Zunge anbietet, und der
sich mutig zu machen sucht, indem er's scheinen will.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Man hat nicht bei jeder Person denselben Witz. Es gibt Leute, bei
denen es unmglich ist, witzig zu sein. Ein Witziger ist es selten bei
einem Witzigen, am wenigsten bei hheren Personen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Man lobt den andern lieber in Briefen als ins Gesicht.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Wer nicht den Mut hat, auf seine eigne Art nrrisch zu sein, hat ihn
schwerlich, auf seine eigne klug zu sein.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Der Skeptiker liebt den Orthodoxen mehr als den Heterodoxen.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Nur recht berhmte Leute kann man leicht fein loben.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Das System, das ein groer Mann erfunden, knnen kleine nicht
verteidigen; auch zum letzteren gehrt ein groer.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Wir suchen der Nachwelt bekannt zu werden und grmen uns doch nicht,
es der Vorwelt nicht zu sein.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Der Professor schreibt seine Lektionszettel flchtig, weil er seine
Unabhngigkeit von Studenten zeigen will.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Der lgt am sichersten, der die Wahrheit nur verflscht und keine
ganze Lge erdichten darf; bei jedem nimmt er ein andres Stck
Wahrheit weg und setzt eine andre Lge hinzu.
		-- Jean Paul (eig. Johann Paul Friedrich Richter)
%
Die Nacht ist so zu Trumen eingerichtet, da man auch wachend in
Trume gerckt wird; man wird von ihr traumtrunken.
		-- Jean Paul
%
Jeder Mensch hat seine Lieblingsausdrcke, das Schne zu loben.
		-- Jean Paul
%
Die Satire bessert selten. Darum sei sie nicht blo lchelnd, sondern
bitter, um die Toren, die sie nicht bessern kann, wenigstens zu
bestrafen.
		-- Jean Paul
%
Kritik lernt man mehr von eignen Arbeiten als von Kunstrichtern.
		-- Jean Paul
%
Die Schriftsteller, welche ihre Schriften mit der Feile in der Hand
verfertigen, werden im gemeinen Leben wenig oder schlecht sprechen.
Sie sind zu sehr gewohnt, gut zu sprechen, um geschwind zu sprechen.
		-- Jean Paul
%
Ein Autor sollte unter die Schnheiten, die nur Kenner fhlen, immer
solche mit mischen, die auch der schlechte Leser fhlt.
		-- Jean Paul
%
Man erwartet in den Anmerkungen eines Buches schlechtern Stil.
		-- Jean Paul
%
Vor Frauenzimmern darf man blo Mnner loben.
		-- Jean Paul
%
In einer schlechten Kleidung gelingt das Artigtun weniger als in einer
guten.
		-- Jean Paul
%
Der gefllt nicht, der frchtet, nicht zu gefallen; denn die
Ungezwungenheit, die allen brigen Schnheiten des Umgangs erst ihren
Wert und oft ihr Dasein gibt, verschwindet mit der Furcht.
		-- Jean Paul
%
Eine witzige Schmeichelei verzeiht sogar der Bescheidenste.
		-- Jean Paul
%
Bei der Geliebten nur darf man von sich reden.
		-- Jean Paul
%
Die Verstellung hilft unter Leuten, denen wir hnlich sind, nichts.
		-- Jean Paul
%
Welcher Unterschied, ob wir mit dem abgenommenen Hute einen Halbzirkel
beschreiben oder ihn senkrecht bis zur Brust herunternehmen.
		-- Jean Paul
%
In unsern Gesprchen verweilen wir bei einem witzigen Gedanken und
bestreiten den ernsthaften, anstatt es umzukehren.
		-- Jean Paul
%
Ein einziger Geruch weckt ganze Gruppen von alten Empfindungen wieder
auf; wirkt mehr auf die Phantasie als selbst das Auge.
		-- Jean Paul
%
Man freuet sich ber die Standhaftigkeit des Missetters, weil er
dadurch unser Gefhl der Unterwrfigkeit unter die Obrigkeit mildert.
		-- Jean Paul
%
Man verteidiget oft eine Sache mit schwachen Grnden, weil man die
strksten sich nicht zu sagen getraut.
		-- Jean Paul
%
Mit zu groer Traurigkeit sympathisieren wir leichter als mit zu
groer Freude, die Sympathie wchst mit jener, nicht mit dieser.
		-- Jean Paul
%
Ganz anders und besser versteht und goutiert man einen Autor, wenn man
ihn ber eine Sache lieset, ber deren Aufklrung man eben jetzt
verlegen ist.
		-- Jean Paul
%
Man ist neugierig, die Stellen im Buche zu lesen, die ein andrer
unterstrichen hat.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch gehet allezeit, wenn er sich noch so lange gegen eine
Meinung gestrubt, endlich zu ihr mit Leidenschaft ber.
		-- Jean Paul
%
Man lt sich herunter zu denen, die man liebt, wenn sie klein sind,
bis auf einen gewissen Grad, zu dem man sich nie aus Liebe gegen
Grere herablassen wrde, und Sokrates ritt wohl mit seinen Kindern,
aber nicht mit Grern auf dem Steckenpferd.
		-- Jean Paul
%
Wenn man die Verteidigung nicht widerlegen kann, tadelt man die Art
derselben.
		-- Jean Paul
%
Ein Dummer mit Lebhaftigkeit ist das lcherlichste Geschpf.
		-- Jean Paul
%
Wenn einer alle die Hindernisse berdenkt, die sein ganzes Leben durch
seine Entwicklung bestritten hatten, so ruft er aus: Was htt ich
nicht werden knnen!
		-- Jean Paul
%
Es ist falsch, da gewisse Laster einen groen Geist beweisen. Nicht
das Laster selbst, sondern die Mittel, durch die man es ausbt,
besttigen die Gre.
		-- Jean Paul
%
Wenn Seneca sagt, Gott knne nichts lieber sehen als einen
tugendhaften Mann im Widerstande gegen das Unglck, so setzte ich
hinzu: als einen im Genusse einer erlaubten Freude.
		-- Jean Paul
%
Es rgert einen, wenn man ihm die zu lesende Zeitung voraussagt.
		-- Jean Paul
%
Man kann gegen ein Laster mit dem grten Nachdruck predigen und es
doch ausben, ohne zu heucheln.
		-- Jean Paul
%
Es gibt Leute, die, um tugendhaft zu sein, erst Gelegenheit brauchen.
		-- Jean Paul
%
Die Republik zeugt und ermordet groe Mnner; die Monarchie tut das
erstere nicht; jene lsset sie groe Taten tun und belohnet mit
Undank, diese verbeut groe Taten.
		-- Jean Paul
%
Niemand denkt ber den verschiedenen Wert groer Autoren verschiedener
als groe selbst.
		-- Jean Paul
%
Eine Frau kann einem Achtung fr ihr Geschlecht einflen, aber
mehrere auf einmal vermindern sie.
		-- Jean Paul
%
Manche knnen nur fremde Meinungen, nicht ihre eignen berichtigen.
		-- Jean Paul
%
Wenn man von gewissen Sekten etc. hret: glaubt man, sie wren
unsinnig, so etwas zu glauben. Aber wenn man mit ihnen bekannt wird:
findet man wenigstens Zusammenhang in ihren Irrtmern.
		-- Jean Paul
%
Zuviel Enthusiasmus in der Tugend macht auf den folgenden Augenblick
desto klter und schadet also.
		-- Jean Paul
%
Wenn ich in der Jugend jemand seine Nase mit Gerusch reinigen sah,
hoffte ich es einst auch tun zu knnen und beneidete ihn.
		-- Jean Paul
%
Bei den gemeinen Leuten ist man vornehm delikat, bei den Vornehmen
zynisch.
		-- Jean Paul
%
Die Personen knnen sich am leichtesten verstellen, die vorher gut
waren; wie Schauspieler die Rollen, die ihrer natrlichen am nchsten
kommen, gut spielen.
		-- Jean Paul
%
In der Einsamkeit wird der gute Teil des Menschen, in der Menge der
schlechte vergrert; jener bekommt dort die Waffen, dieser fhlt sie
hier. In der Gesellschaft lernt man die Tugend nicht.
		-- Jean Paul
%
Wenn man fragt: Wrde mit der Leidenschaft nicht manche gute Tat
wegfallen? so heit das: Wrde der, der, weil er keinen Zorn htte,
eine gute Tat unterliee, nicht Trgheit an dessen Statt haben? Das
heit aber: Welches ist besser, dieses oder jenes Laster? und unsre
Frage war doch: Ist's nicht berhaupt besser, kein Laster zu haben?
		-- Jean Paul
%
Die Gewohnheit der Vollkommenheit des Freundes macht gegen ihn
ungerecht. Man denke sich dieselbe an einem andern, wie wrde man ihn
lieben!
		-- Jean Paul
%
Wenn man in einem wirksamen Helfen begriffen ist, wird man von den
Seufzern des Leidenden minder gerhrt.
		-- Jean Paul
%
Wenn der andre ein wenig Genie zeigt, so werden wir neidisch und
ungerecht gegen ihn sein; wenn er aber uns zu sehr bertrifft, nicht.
		-- Jean Paul
%
Je sinnlicher die Seelenkraft, worin man hervorsticht, desto
origineller; daher sind am meisten originell die Musiker, weniger die
Maler, noch weniger die Poeten, und am wenigsten die Philosophen.
		-- Jean Paul
%
Das Schnste, was wir in der Vergangenheit antreffen, ist die
Hoffnung.
		-- Jean Paul
%
Wenn man sich etwas erinnern will, hebt man den Kopf in die Hhe.
		-- Jean Paul
%
Kleiner Schmerz ist in Augenblicken leidlich, aber nicht in der
Fortdauer; also liegt die Ursache unserer Ungeduld darin, da er uns
immer unterbricht.
		-- Jean Paul
%
Die Vernunft kann, wenn sie einer Leidenschaft oder Empfindung ihren
Ungrund und ihre Narrheit noch so deutlich zeigt, sie doch nie
aufheben, sondern hchstens schwchen.
		-- Jean Paul
%
Jeder Mensch ist in einer Sache ordentlich.
		-- Jean Paul
%
Jeder bewundert den Mut des andern und findet seine Freiheit edel;
treffen beide ihn, dann erregen sie seinen Zorn.
		-- Jean Paul
%
Mit wieviel tausend kleinen Mitteln mu sich der Mensch abgeben, ehe
er mit etwas Groem sich beschftigen kann.
		-- Jean Paul
%
Man wrde die Menschen leichter kennen, wenn man nicht jede Handlung
als die Folge von Grundstzen anshe; man hlt zu selten eine fr
Kaprize, aus der nicht auf den Hauptcharakter zu schlieen ist.
		-- Jean Paul
%
Ein groer Schritt zur Tugend ist, da man nicht alles an sich liebt,
seine Kleinigkeiten, Geschmack im Essen etc.
		-- Jean Paul
%
Jede Verleumdung, wenn man sie auch verwirft, lt eine geringere
Meinung vom Verleumdeten auf kurze Zeit zurck.
		-- Jean Paul
%
Wenn man beim Erzhlen eines fremden Scherzes selbst sehr lacht, so
gewinnt er; bei dem eines eignen, so verliert er.
		-- Jean Paul
%
Man wird mit weniger Ansto ber Glaubenssachen spotten als streiten,
weil man im ersteren Falle doch noch daran zu glauben scheint.
		-- Jean Paul
%
Das Lob einer besondern Eigenschaft setzet dem Verdachte der
Schmeichelei aus, da der andre sich seiner Schwche darin vielleicht
bewut ist; aber ein allgemeines Lob wird fr keine gehalten, weil
jeder sich vortrefflich im Ganzen hlt.
		-- Jean Paul
%
Die Mutter liebt der Art Menschen, von der ihr Sohn ist; gibt dem
Handwerksburschen, wenn ihr Sohn einer, mehr.
		-- Jean Paul
%
Jeder Mensch wnscht sich im Frhling zu verlieben.
		-- Jean Paul
%
Die Finger, wenn sie beschmutzt sind, auseinandergebreitet tragen.
		-- Jean Paul
%
Der Wirt ist stets aufrichtiger als der Gast.
		-- Jean Paul
%
Wer in einer Gesellschaft ein Bonmot erklrt, hat seine Feinheit nicht
verstanden.
		-- Jean Paul
%
Die Bewunderung ntzt nicht sowohl dem Gegenstande als dem Subjekt am
meisten; man freuet sich ber die Gre des Menschen und da man sie
empfindet.
		-- Jean Paul
%
Wenn ich mit einem Freunde zrne, werd ich sogleich wieder gut, sobald
ich eine Gelegenheit bekomme, ihm einen Dienst zu erweisen etc.
		-- Jean Paul
%
An andern liebt man Vollkommenheiten, an sich sich.
		-- Jean Paul
%
Alles Vergngen kommt von ungefhr und fllet aus den Wolken; an dem,
das man lange erwartet, ist selten viel.
		-- Jean Paul
%
Wir schmen uns mehr vor uns selber, wenn wir uns einer Torheit, als
eines Lasters erinnern.
		-- Jean Paul
%
Jeder sieht nun ein, da die Verleumdung von ihm lge; und doch
vermutet er nicht, da sie auch von andern Leuten lgen knne.
		-- Jean Paul
%
Ein witziger Kopf ist nirgends vergngter und glnzender, als wo ein
Narr mit ist.
		-- Jean Paul
%
Wenn euch ein feiner Kopf etwas Alltgliches zu sagen scheint: so
glaubt gewi, da ihr ihn nicht verstanden und da er zu fein gewesen.
		-- Jean Paul
%
Nach einer groen Snde begeht jeder die kleine, die sie verdeckt,
ohne alles Bedenken.
		-- Jean Paul
%
Er hatte Lebensart, nicht um sie zu zeigen, sondern aus Menschenliebe
und Schonung: denn Lebensart ist die Tugend auf kleine Gegenstnde
angewandt.
		-- Jean Paul
%
Solang einer noch kein System hat und die Wahrheiten ungeordnet in
seinem Kopfe liegenlsset, so lange liebt [er] schwerlich die
Wahrheit: ich glaube, zuweilen ist ihm wahrhaftig eine Lge noch
lieber.
		-- Jean Paul
%
Nicht alle Menschen bedrfen notwendig des Wechsels der Moden (denn
die Araber sind auch Menschen); aber wohl die Franzosen unter ihnen.
		-- Jean Paul
%
Kein Autor sollte sich ber etwas zu schreiben hinsetzen, dem es nicht
unbeschreiblich rgert, da er keinen Folioband darber schreiben
kann. Wehe ihm, wenn er einen Gedanken sucht und nicht jede Minute 10
abweiset.
		-- Jean Paul
%
Jeder hat eine andre Art, das Geld zu zhlen; der eine nach 4, der
andre nach 5 Groschen.
		-- Jean Paul
%
Es ist beinahe noch schwerer, gut zu schreiben, als ebensogut zu
reden: denn zu jenem hab ich nicht mehr Zeit als bei diesem, weil gute
Gedanken doch schnell entstehen.
		-- Jean Paul
%
Habe fr alle menschl(iche) Meinungen eine Ehrfurcht und glaube, da
ihr zu sehr Wesen einerlei Art seid, als da du ber eine ganz lachen
knntest, die ein Wesen deiner Art geglaubt und zu der es gewi Grnde
ntigten. Der Weise spret alle Tage mehrere Irrtmer der Menschen und
mehrere Scheingrnde, durch die sich jene Irrtmer einschmeichelten,
zum Gegengifte der Selbstgengsamkeit auf.
		-- Jean Paul
%
Sich eines philosophischen Satzes zu erinnern, braucht man mehr Zeit
als eines historischen: jenen schafft man beinahe wieder mit.
		-- Jean Paul
%
Wenn uns das Bse als Bses Reue macht und nicht als Wirkung der
Strafe: warum bereuen wir einen bsen Willen, einen bsen Entschlu,
der nicht ausgefhrt wurde, nicht ebensosehr als eine bse Handlung?
		-- Jean Paul
%
Er zog sein schlechtestes Kleid an, wenn er mit einem ausging, der
rmer als er war.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch ist gut und will nicht, da man vor einem andern als ihm
selber krieche.
		-- Jean Paul
%
Es gehrt schon zu den Widersprchen des Menschen, da er welche zu
haben glaubt.
		-- Jean Paul
%
Der Dumme denkt, man hat keine andern Wege, ihn auszulisten, als
seine.
		-- Jean Paul
%
Man will nicht nach seinem uerlichen geschtzt sein, und andre
schtzt man doch mit den Augen.
		-- Jean Paul
%
Die 11. Geflligkeit fr den, dem du 10 erwiesen, ist die Gelegenheit,
dir eine zu vergelten.
		-- Jean Paul
%
Gestorbne Freunde sind Ketten, die uns von der Erde ziehen und fester
mit einer bessern Welt verknpfen.
		-- Jean Paul
%
Die Empfindungen sind nur mit Empfindungen zu besiegen.
		-- Jean Paul
%
Wienach kann im Traume die Seele ber eine Person nachdenken, indessen
s(elber) die Person ein Gedanke von ihr ist? -
		-- Jean Paul
%
Wer nicht immer weiser wird, der ist nicht einmal weise.
		-- Jean Paul
%
Es ist Eitelkeit, wenn man denkt, gute Bcher ntzen nicht; wir bilden
uns ein, andre knnten nicht den Epiktet so gut ntzen wie wir.
		-- Jean Paul
%
Wer wei, da er uns gefllet, dem gefallen wir.
		-- Jean Paul
%
Schwere Bcher machen eben denen Vergngen, die sonst das wenigste
genieen, eklen Kennern.
		-- Jean Paul
%
Unbestndigkeit gegen seinen Vorsatz heiet sich selber das Wort
brechen, welches man sowenig wie gegen einen andern darf: da dieselbe
schdliche Folge des Mitrauens daraus entsteht.
		-- Jean Paul
%
Was hat man fr Recht dazu, dem Pbel, dem grern Teil der Menschen,
die Aufklrung vorzuenthalten? Wer gab uns das Recht, der Richter
seiner Einsicht und seines Schicksals zu sein? Wenn er die Aufklrung
mibraucht: so wird er es nicht mehr tun als die, die jetzt aufgeklrt
sind. Freilich der bergang von Finsternis zu Licht geschieht allemal
in einem Orkan. - Man regiert, um sie dumm zu erhalten: und erhlt sie
dumm, um sie zu beherrschen.
		-- Jean Paul
%
Den Schlimmen vertritt der Argwohn die Stelle des Verstandes, und
[sie] sind eben darum vor berlistung beschtzt.
		-- Jean Paul
%
Schlimme Leute befinden die guten am ersten falsch, weil diese jene
nicht bei andern billigen knnen.
		-- Jean Paul
%
Verwandtschaft d(er) besten mit d(en) falschen Syst(emen): Es gibt
schwerlich einen wahren Satz, um den nicht verwandte Bastarde stehen;
um den Stoizismus steht der Quietismus und Foismus. Wie nahe grenzt
die Enthaltung des Mnchtums an das Christentum! Dies gibt uns die
Regel: da, wo wir einen wahren Satz so weit treiben, da er mit allen
unsern Empfindungen und Denkart zu kriegen anfngt, zu stutzen und
zurckzukehren.
		-- Jean Paul
%
Worauf grnden denn die hhern Stnde ihr Vorrecht an alle Wahrheiten,
die dem Volk entstehen? Etwan, weil sie schon die Vorkenntnisse haben,
die sie vor dem Mibrauche neuer Wahrheit bewahren? Nun so gebe man
dem Volke die Vorkenntnisse. Oder darum, weil sie regieren und nicht
gehorchen drfen? Unmglich kann Aufklrung den Gehorsam gegen
ntzliche und gerechte Befehle aufheben: aber wohl gegen ungerechte.
Sie sagen, sie knnen nicht regieren, wenn das Volk aufgeklrt wrde,
und sie regieren blo, damit es es wird. Freilich gehorcht das mndige
Kind dem Vater nicht mehr, sondern seinem eignen Verstand, den eben
der Gehorsam dazu bildete.
		-- Jean Paul
%
Jeder hat etwas, worin er selbst denkt, und etwas, worin er nachbetet.
		-- Jean Paul
%
Es gibt verbindende und trennende Kpfe. Jene erfinden Systeme oder
Epopen, kurz, sie reien mit schpferischer Hand auseinanderstehende
Ideen zusammen. Der philosophische Erfinder braucht so gut die Flgel
der Dichtungskraft als der poetische. Die trennenden Kpfe brauchen
blo Scharfsinn, sie werfen hnlich scheinende Ideen auseinander und
sind keine Systematiker, lieber Skeptiker, Bayle.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch schneidet nicht seine Handlungen und Neigungen nach seinen
Grundstzen, sondern diese nach jenen zu, und die Neigung ist eher als
die Maxime da. Der Mann nach und der ohne Grundstze sind nur darin
verschieden, da jener seine Neigung in e(inen) allgemeinen Satz
verdolmetscht.
		-- Jean Paul
%
Nicht die wenigen Strahlen von Vergngen, die in dieses Leben fallen,
machen es uns so wert: sondern das unnennbar se Gefhl, zu sein, das
Leiden kaum stren, machts.
		-- Jean Paul
%
Feigheit macht so gut dem Menschen das Schlimmste zutrauen als Argwohn
und eigne Bosheit.
		-- Jean Paul
%
Nichts hasset man so, als die erste uerung eines Lasters, das man
nicht erwartet.
		-- Jean Paul
%
Die Tugend des andern fhlen und ehren seine Untergebnen am meisten,
weil sie sie beglckt - seine Gleichen und Obern nicht, weil sie ihnen
widersteht.
		-- Jean Paul
%
Blo die Groen schreiben wie die Alten, ohne Brotgier, ohne Rcksicht
auf Leser, blo in den Gegenstand versenkt.
		-- Jean Paul
%
Indem man oft zu neuen Erfahrungen und Kenntnissen den Namen suchen
will: findet man, da man den Namen schon lngst, aber ohne Idee, bei
sich getragen.
		-- Jean Paul
%
Von der Gleichfrmigkeit der Seele. Dem Witzigen wird es ebensoschwer,
einen Einfall eines Dummen zu verstehen als umgekehrt. Fr jeden
Menschen gibt es nur eine gewisse Art Menschen, die fr ihn passet;
bei den andern befindet er sich immer in einem Grade unbehaglich und
gedrckt. Der mit einem groen Herzen leidet in den
Alltagsgesellschaften mehr als diese von ihm; denn diesen macht er
wenig(er) Langeweile, weil sie ihn fr neu und nrrisch halten.
		-- Jean Paul
%
Um in Gesellschaft etwas zu erfahren, mu man die Antwort nicht durch
eine Frage, sondern eine Veranlassung herauslocken.
		-- Jean Paul
%
Dem Frsten durch ein Gesetz die gesetzgebende Gewalt geben heit sich
selber vernichten - soviel, als wollt einer seiner Geliebten alles
aufopfern, sogar seine Liebe. Man kann nichts bewilligen und geben,
als was man kannte und wollte; man kann also dem Frsten keine Gewalt
zu den Gesetzen gegeben haben, die man nicht wute und die uns
schaden. Aber auf der andern Seite: wie weit erstreckt sich der
Nachkommenschaft Verbindlichkeit, unter Gesetze sich zu bcken, die
sie nicht gegeben? Sowenig ein Volk einem andern Volk Gesetze geben
kann: sowenig die Mitwelt der Nachwelt.
		-- Jean Paul
%
Ironie ist der Weg und bung zur Laune.
		-- Jean Paul
%
Wir knnen keine Leidenschaft etc. ohne ihre immerwhrende Dauer
fhlen. Wir knnen nicht glauben, jemand aufhren zu lieben, den wir
lieben. Vielleicht ist's das nmliche, als was man >glauben< oder fr
wahr halten hlt.
		-- Jean Paul
%
Je mehr man sich in seine Materie hineinarbeitet und jede Ideenfaser
wieder zerfasert: desto origineller und ungeniebarer wird man, z.B.
Sterne.
		-- Jean Paul
%
Je mehr man mit einer Empfindung, Bemerkung vertraut ist: desto
allegorischer und versteckter drckt man sie aus.
		-- Jean Paul
%
Da kein Geschmack frher als der Gegenstand da sein kann, den er
geniet und der ihn bildet: so mu die Tristramische Laune erst
mifallen, eh sie gefllet, und den Geschmack zeugen, der sie
goutiert.
		-- Jean Paul
%
Wir haben nichts darwider, was der andre von sich hlt, wenn er nur
von uns noch mehr hlt.
		-- Jean Paul
%
Wenn es keine Freiheit [gibt] und unsre Triebe blo uns stoen: woher
kmmt's denn, da uns der erste beste Trieb nicht fortreis[s]et? was
ist denn das Vermgen, Entschlieungen abzuwgen, oder vielmehr das
Vermgen, sich zur Anwendung jenes Vermgens ins quilibrium zu
setzen?
		-- Jean Paul
%
Oft sind am besten Menschen dessen grte Tugenden und grte Flecken
unbekannt.
		-- Jean Paul
%
Wir sagen >das Leben nehmen<, whrend nur Jahre genommen werden.
		-- Jean Paul
%
Nichts macht die Menschen vertrauter und gegeneinander gutgesinnter
als gemeinschaftliche Verleumdung eines dritten.
		-- Jean Paul
%
Die Leute hassen am wenigsten, die ihren Ha in Spott und Laune
auslassen.
		-- Jean Paul
%
Man mu seine Behauptungen nie entscheidend in Gesellschaft
aufstellen, weil man sonst andern Mut und Lust benimmt, sie
anzufechten. Einer, der alle seine Stze mit einem >vielleicht<
entkrftet, lockt aus andern ihre Widersprche und Meinungen.
		-- Jean Paul
%
Auer der Einsamkeit macht nichts so stolz als eine Gesellschaft, die
sich immer untereinander lobt.
		-- Jean Paul
%
Gegen den Bekanntesten fhlt man grere Achtung, wenn andre sie ihm
erzeigen.
		-- Jean Paul
%
Zeige nie in Reden Trotz und Mut, sondern in Taten - weniger Feinde
machst du.
		-- Jean Paul
%
Wenn es keine Freiheit gibt: wie kmmt denn der ganz Lasterhafte zum
Gefhl, da er sie verloren? Blo weil er das starke Gewicht der
einen Grnde fhlt - allein der Tugendhafte fhlt auch seines, aber
keinen Freiheitsverlust.
		-- Jean Paul
%
Wenn das, was du dem andern sagst, nicht entweder ein Merkwort zur
Erinnerung oder ein Funke zur Erfindung ist: so versteht er dich
nicht; ihr mt euch voneinander blo in der Zeit der Erfindung
unterscheiden.
		-- Jean Paul
%
Jeder hat mehr Selbstliebe, als man ihm zutraut.
		-- Jean Paul
%
Alle groe Torheiten, Schwrmereien etc. kamen daher, da man - zu
konsequent war, immer fortschlo, ohne Rcksicht auf Menschenverstand;
z.B. Mnchtum; Skeptizismus etc.
		-- Jean Paul
%
Nicht die Fhlsamkeit und der Enthusiasmus der jngern Jahre ist in
ltern vermindert, sondern man kann nur, bei erweitertem Ideenkreis,
von andern, bessern, also seltnern Gegenstnden gerhrt werden.
		-- Jean Paul
%
Nichts erkltet Liebe so leicht als Beschmung.
		-- Jean Paul
%
Die toleranten Menschen haben nicht die meiste Liebe.
		-- Jean Paul
%
Freude macht aufrichtig.
		-- Jean Paul
%
Groe Seelen fallen am ersten in Selbstverachtung.
		-- Jean Paul
%
Keine Absichten werden leichter und allgemeiner erraten als die des
Eiteln. Dies setzt allgemeine Eitelkeit voraus.
		-- Jean Paul
%
Denken lernt man nicht an Regeln zum Denken, sondern am Stoff zum
Denken.
		-- Jean Paul
%
Wie verschieden, ob man sich in die Ober- oder Unterlippe beiet!
		-- Jean Paul
%
In jeder neuen Lage tritt man ein wenig aus der Philosophie heraus.
		-- Jean Paul
%
Man wird am leichtesten verschwiegen unter Leuten, die es nicht sind.
		-- Jean Paul
%
Beredsamkeit ist blo Deutlichkeit.
		-- Jean Paul
%
Im nmlichen poetischen Kopf verschnert sich neben der Tugend auch
das Laster.
		-- Jean Paul
%
Der Autor vermengt das Vergngen, das ihm ein Buch als Knstler gibt,
mit dem, das es andern als Lesern gibt.
		-- Jean Paul
%
Alle, die nur fr Leute eines Fachs schreiben, z.B. Theologen,
schreiben deswegen elend.
		-- Jean Paul
%
Solang ein Mensch ein Buch schreibt, kann er nicht unglcklich sein.
		-- Jean Paul
%
Aus Instinkt bt man die feinsten Umgangsregeln aus, ber die man
erstaunt, wenn man sie liest.
		-- Jean Paul
%
Was man selbst erfahren, kann man auch andern vortragen, obgleich es
ihnen etwas Altes ist.
		-- Jean Paul
%
Es ist die grte Weisheit, sich ber die Menschen hinauszusetzen,
ohne sie zu hassen oder zu verachten.
		-- Jean Paul
%
Mit manchen Dingen mu man prahlen, um sich ihrer nicht zu schmen.
		-- Jean Paul
%
Der denkende Teil in mir entdeckt in der Welt berall Ordnung, nur der
empfindende nicht, der nicht der Zuschauer, sondern ein Glied dieser
Kette ist.
		-- Jean Paul
%
Blo darum mssen wir soviel lesen, weil wir alles in 10 Bchern lesen
mssen, anstatt es aus 1 zu merken.
		-- Jean Paul
%
Der neueste Gedanke altert unter der Hand eines gemeinen
Schrift(stellers), der lteste verjngt sich unter der Hand eines
guten.
		-- Jean Paul
%
Dem Talent und Krper verzeiht man alles, der Tugend nichts.
		-- Jean Paul
%
Man hat eine Wahrheit lange gehrt, verstanden, gelobt, eh man sie
verdauet und zum Teil seines Ichs macht.
		-- Jean Paul
%
Die Kunst des Arztes wohnt zwischen der Ohn- und Allmacht der Natur
mitten.
		-- Jean Paul
%
Die Situation wird nicht durch die Worte gehoben, sondern diese durch
jene.
		-- Jean Paul
%
Zur Freundschaft gehrt: da wir einander gleichen, einander in
einigem bertreffen, einander in einigem nicht erreichen.
		-- Jean Paul
%
Ich habe nie eine einzige Bemerkung allein gemacht, sondern es fiel
mir allezeit noch eine zweite ein.
		-- Jean Paul
%
Ich bedaure nichts, was ich auf der Erde verloren, keine Jugend und
keine Freude - auer dem Verlust der hohen Vorstellung, die ich von
allen diesen gehabt.
		-- Jean Paul
%
Es gibt nichts Wollstigeres, als einen Freund zu loben.
		-- Jean Paul
%
Wenn ein Jngling und ein Mdgen miteinander einen Fehltritt begehen,
so werden beide nur von dem Geschlecht entschuldigt, zu dem sie nicht
gehren.
		-- Jean Paul
%
Man verdirbt unter Leuten, die einen nicht bertreffen.
		-- Jean Paul
%
Man fhlt das Bedrfnis zu unterhalten nie, wenn man interessante
Gedanken hat oder zutraut; - nicht blo in der Liebe.
		-- Jean Paul
%
Das Gefhl findet, der Scharfsinn wgt die Grnde.
		-- Jean Paul
%
Eitelkeit ist darum so schwer abzulegen, weil man sie, unter allen
Lastern allein, den ganzen Tag genieen kann.
		-- Jean Paul
%
Zwischen dem Betragen eines orientalischen und eines monarchischen
Untertanen ist ein geringerer Unterschied als zwischen dem eines
monarchischen und eines republikanischen.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch hlt jede Vernderung seines Innern, jede Verbesserung und
sogar jede Verschlimmerung fr grer, als sie ist; er wird klger,
aber nicht weiser, er ndert mehr seine Handlungen als seine Gefhle,
mehr seine Einsichten als seine Meinungen, und blo sein Gedchtnis
ndert sich am meisten. Gleichwohl ist einer, der nicht den Tag, die
Stunde angeben kann, wo er gut geworden, es auch nicht. Die Besserung
gibt oder nimmt uns nicht Gefhle, sondern beherrscht nur die eignen -
und in jedem Menschen hat die Tugend andere Neigungen zu ordnen.
		-- Jean Paul
%
Man glaubt, man erhebe sich ber alle die Leute, ber die man
nachdenkt und Reflexionen macht.
		-- Jean Paul
%
Es ist schner, eine schne Gegend zu betrachten als zu betreten.
		-- Jean Paul
%
Wenn man sich in Kleidern niederlegt, fllt die Melancholie der Nacht
weg.
		-- Jean Paul
%
Wir wollen gern den Wert des Genies anerkennen, aber es selbst soll's
nicht.
		-- Jean Paul
%
Jeder hat in seiner Jugend etwas von einem poetischen Genie, seine
Narrheit und seine Entzckung; - das poetische Genie selbst aber lebt
in einer ewigen Jugend.
		-- Jean Paul
%
Man kann die feinsten Bemerkungen ber den Menschen und ber
Individuen machen und doch von ihnen betrogen werden, d. h. sie nicht
kennen.
		-- Jean Paul
%
Die Sucht, seinen Charakter zu zeigen, sieht oft ebenso falsch aus als
die, ihn zu verbergen.
		-- Jean Paul
%
Im kraftvollen Zustand ist man am meisten rgerlich, z.B. bei
Arbeiten des Geistes.
		-- Jean Paul
%
An der grten Tugend ist nichts zu bewundern, weil uns das Gefhl
ihrer Erreichung bleibt - aber am Talent.
		-- Jean Paul
%
Es ist leichter, eine Tugend zu bertreiben, als sie zu haben,
leichter, das Gelbde immerwhrender Keuschheit zu tun, als in der Ehe
zu leben.
		-- Jean Paul
%
An alles Krperliche ist Geistiges geknpft, an Eigennutz
Freundschaft, an Wollust Liebe, an den Gaumen Erinnerung, an Trank
Tugend.
		-- Jean Paul
%
Eine Freude darber, da man was Neues entdeckt, heit eine ber einen
6000jhrigen Irrtum.
		-- Jean Paul
%
Ohne Philosophie steigen und sinken die Gefhle zu weit.
		-- Jean Paul
%
Es sind verschiedene Talente, eines Charakter und eines Gesinnungen
und Gedanken zu erraten.
		-- Jean Paul
%
Man drckt lieber die Augen zu, als da man die Finsternis she.
		-- Jean Paul
%
Gerade Unparteiische, die alle Seiten sehen, finden weniger Beifall
und Freunde, als die gegen eine Seite heftig sind.
		-- Jean Paul
%
Leute mit offenliegenden Vorzgen - Schne, Witzige und Kenner vieler
Sprachen - sind eitel; mit verborgenen - Tugend, Weisheit - sind
stolz.
		-- Jean Paul
%
Man widerlegt lieber den, der zu schwer, als der zu leicht zu
widerlegen ist.
		-- Jean Paul
%
Da Verstand erst mit den Jahren kommt, sieht man nicht eher ein, als
bis der Verstand und die Jahre da sind.
		-- Jean Paul
%
Der hohe Ha ist wie die Tugend, ohne Worte und Hitze, aber handelnd.
		-- Jean Paul
%
Die Erde als Erde ist auch dem Sinnlichsten nichts, sondern seine
Ideen darber.
		-- Jean Paul
%
Es ist ein Irrtum, da die edlern Neigungen vernnftiger seien als die
unedlern.
		-- Jean Paul
%
Kleine Seelen fhlen in ihrem Unglck nur ihren Zustand, groe noch
Zusammenhang, ihr Ich.
		-- Jean Paul
%
Der Blinde kann keine solchen Schrecken haben wie wir, da er keine
Finsternis kennt.
		-- Jean Paul
%
Aufopferung ist leichter als Rechtschaffenheit.
		-- Jean Paul
%
Man kann keinen Gedanken gut ausdrcken, als den man oft gehabt.
		-- Jean Paul
%
Eine humoristische Stelle glnzt am meisten in einem ernsthaften Buch
zitiert.
		-- Jean Paul
%
Ein Roman ist eine veredelte Biographie.
		-- Jean Paul
%
Jeder Autor dient in seinem ersten Buch blo seinen Neigungen - im
zweiten dem Geschmack.
		-- Jean Paul
%
Der vollkommene Philosoph mu ein Dichter mit sein und umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Von einem in Begeisterung knnte man sogar das drucken, was er denkt.
		-- Jean Paul
%
Keiner denkt mehr frei, der ein System hat.
		-- Jean Paul
%
Warum sollt es verwegen sein, dem Kant zu widersprechen? Dann wr's
auch, ihm zu glauben; weil zu einem, der seine Grnde fassen will,
ebenso viel gehrt als zu einem, der sie widerlegen will.
		-- Jean Paul
%
Es gehrt zur Tugend und Lebensart, von andern nicht zu sehr sein
Recht zu fordern.
		-- Jean Paul
%
E. lobt am andern nichts, was er nicht glaubt; aber um es zu loben,
glaubt er's vorher.
		-- Jean Paul
%
Gewisse Menschen wren Engel, wenn sie strker wren, und gewisse
keine Teufel, wenn sie schwcher wren.
		-- Jean Paul
%
Ein Prophet (Autor) wird von seinem Vaterland zuwenig, von seinen
Freunden zuviel geschtzt.
		-- Jean Paul
%
Es strkt einen fast, da einem die Eitelkeit der Dinge kleiner
vorkmmt, wenn wir sie geschildert, d. h. durch das Medium der Poesie
erblicken.
		-- Jean Paul
%
Feine Menschenkenntnis und Beobachtung ist verschieden von
ausgebreiteter und vollstndiger.
		-- Jean Paul
%
Ein gewhnlicher Kopf wagt selten etwas Kindisches.
		-- Jean Paul
%
Man errt den andern mehr durch Vermutungen als durch Beobachtungen.
		-- Jean Paul
%
Die Dummen halten alle Feinen fr falsch.
		-- Jean Paul
%
Eine starke Phantasie ist jed(es) groen Entschluss(es) fhig, aber
sie macht auch - weil sie die Sache auf einer andern Seite betrachtet
- desto unfhiger, ihn auszufhren.
		-- Jean Paul
%
Sanfte, weiche Menschen beweisen zum Schutz anderer einen greren
Zorn und Mut als fr sich, z.B. Mtter.
		-- Jean Paul
%
Wir zeigen mit weniger Scham die Leidenschaften des Hassens als des
Liebens.
		-- Jean Paul
%
Man hrt, wegen der Gewhnlichkeit, das Prgelgeschrei eines Kindes
mit weniger Rhrung als eines Hunds.
		-- Jean Paul
%
Wenn ein Buch nicht wert ist, 2 mal gelesen zu werden, so ist's auch
nicht wert, 1 mal gelesen zu werden.
		-- Jean Paul
%
Jakobi(s) Schriften verstand ich mehr, indem ich mich ihrer erinnerte,
als indem ich sie las.
		-- Jean Paul
%
Ein Jngling, der mit dem brgerlichen Leben zufrieden wre, wre sehr
mittelmig.
		-- Jean Paul
%
Mehr Sachen auf einmal merkt man leichter als eine.
		-- Jean Paul
%
Fr einen von viel Witz und Belesenheit gibt's gar keine
Unhnlichkeiten mehr.
		-- Jean Paul
%
Bei manchen zerflieet alles so sehr ins Ganze, da sie bei eignen
Fehltritten die Schwche der menschlichen Natur bedauern.
		-- Jean Paul
%
Manche wollen nur, da, nicht wie, man sich entschuldige.
		-- Jean Paul
%
Die Eitelkeit des Umgangs wchst am meisten durch Leute, an denen man
kein Interesse nimmt und mit denen man doch spricht.
		-- Jean Paul
%
Er hlt sich noch nicht fr tugendhaft genug, um sich kleine Snden zu
verbieten.
		-- Jean Paul
%
Der Weise rechnet das Mivergngen zu seinen Snden.
		-- Jean Paul
%
Der schnste, edelste, freimachende Gehorsam ist der gegen sich - man
mu nicht wollen, was man tut, sondern tun, was man will.
		-- Jean Paul
%
bertriebner Tadel schadet Guten mehr als bertriebnes Lob.
		-- Jean Paul
%
Wenn man bei Mdgen etwan wie bei Mnnern auf ein schneidendes Ja oder
Nein dringt: so gewinnt man sicher das Unangenehmere - sie haben eine
aus Ja und Nein zusammengesetzte Antwort gewohnt.
		-- Jean Paul
%
Ferne Berge sind erhabner als nahe.
		-- Jean Paul
%
An ungebildeten Leuten rgert e(inen) Eigennutz nicht.
		-- Jean Paul
%
Eine gewisse Seelengre macht zur Menschenkenntnis unfhig.
		-- Jean Paul
%
Liebe ist ein Auszug aus allen Leidenschaften auf einmal.
		-- Jean Paul
%
Wenn man lang ein Kleidungsstck ansieht, kmmt's einem nrrisch vor.
		-- Jean Paul
%
Eine einzige Selbstberwindung strkt mehr als 20 Gefhle und
200000 Predigten.
		-- Jean Paul
%
Es gibt 2 ganz verschiedene Satiren, eine gegen Laster, eine gegen
Torheiten.
		-- Jean Paul
%
Eltern schlagen strker, wenn das Kind nicht schreiet.
		-- Jean Paul
%
Unsre schlimmen Taten bleiben uns mehr im Gedchtnis als unsre guten.
		-- Jean Paul
%
Um sich von einer zu groen Liebe oder Duldsamkeit fr etwas zu
heilen, mu man nicht die Feinde davon lesen, sondern die Freunde.
Lavater
		-- Jean Paul
%
Wenn man keine besondere Gelegenheit hat, jemand seine Liebe zu
zeigen: denkt man zuletzt, man fhle sie schwcher.
		-- Jean Paul
%
Manche wollen ihre Freunde nur von sich gelobt wissen.
		-- Jean Paul
%
In der Jugend hlt man von hinten jede fr schn.
		-- Jean Paul
%
Die meisten reden origineller, als sie schreiben.
		-- Jean Paul
%
In Leidenschaft machen wir nicht falsche Beobachtungen, sondern
falsche Schlsse daraus.
		-- Jean Paul
%
Jede Freude fllt, jeder Schmerz leert dich, aber in jener hat noch
Sehnsucht Platz, in diesem noch Zuversicht.
		-- Jean Paul
%
Jeder Zustand, den eine gegenwrtige uere Lage uns gibt, ist nicht
rein, sondern ein Gemisch aus ihr und d(er) vergangnen - daher kann
uns die gemeinste Lage einen ungewhnlichen Zustand nach einer
ungewhnlichen Vergangenheit geben.
		-- Jean Paul
%
Ein Mensch, der uns blo in unsern eignen Talenten bertrifft, erhebt
uns - einer, der in ganz fremden gro ist, demtigt uns.
		-- Jean Paul
%
Man mu etwas Bessers sein als sein Stand, um ihn zu erfllen.
		-- Jean Paul
%
Je mehr man mit d(em) andern bekannt wird, desto mehr hrt man auf,
den Verstand zu zeigen, und beginnt, das Herz zu zeigen.
		-- Jean Paul
%
Kleine Mdgen gren mehr als Knaben.
		-- Jean Paul
%
Ein Narr ist nie so lcherlich, als man ihn macht.
		-- Jean Paul
%
Ein Staat ist leichter zu regieren als ein Mensch.
		-- Jean Paul
%
Warum lieben wir die Tugend an andern zehnmal mehr als an uns? Warum
fhlen wir so viel Wrme gegen einen Aufopfernden und halten's fr
Schuldigkeit bei uns? Einmal mssen wir uns irren.
		-- Jean Paul
%
Das, was er nicht verbergen konnte, lie er nicht erst erraten,
sondern sagte es selbst, um das Opfer der Aufrichtigkeit zu bringen.
		-- Jean Paul
%
Manche Menschen macht man durch die grten Wohltaten nicht so warm
als durch das kleinste Lob.
		-- Jean Paul
%
Einer kann uns ohne Egoismus sein Leben mit Interesse nur schriftlich,
aber nicht mndlich erzhlen.
		-- Jean Paul
%
4erlei gute Mdgen, die mit, die ohne Ehre - mit, ohne allgemeine
Betrachtungen.
		-- Jean Paul
%
Wenn ein Mensch eine gewisse Anzahl Wohltaten empfangen: hrt er auf,
sie zu zhlen.
		-- Jean Paul
%
Wenn die Menschen immer Versuchungen zu groen Snden htten: sie
blieben gut; aber die tglichen Kmpfe gegen kleine gewhnen an
Niederlagen.
		-- Jean Paul
%
Scharfsinn ohne Empfindung ist Mhlstein ohne Korn.
		-- Jean Paul
%
Manche geben allen groen Wahrheiten Kleinheit, wenn sie sie nur
sagen.
		-- Jean Paul
%
Man wird zuletzt tolerant, denkt man, gegen die Menschen; aber man ist
nur gleichgltig.
		-- Jean Paul
%
Bei jeder neuen Lage fngt man eine neue Jugend an, man verjngt sich,
wenn man sich verndert. Ein Konrektor ist lter als ein Rektor, der
er wird.
		-- Jean Paul
%
Man kann Liebe selten zu spt, immer zu bald gestehen.
		-- Jean Paul
%
Man gewinnt mehr, wenn man Mdgen etwas fr sich tun lsset, als wenn
man etwas fr sie tut.
		-- Jean Paul
%
Schwerlich kennt die Frau unter der Liebe etwas grers als die Liebe
- der Mann kennt mitten darunter noch seine Lieblingsarbeit, seine
Philosophie als das Grere. Bei ihr ist sie Ziel; bei uns ist sie
Spaliergewchs an den Schranken zum Ziel.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch ertrgt ein neues bel darum unwilliger als ein greres
altes, weil sie es, aus Mangel an Wiederholung, noch fr kein
notwendiges halten.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch kann nicht eher wissen, wie gut er ist, als bis einmal sein
halbes Glck von einer groen Snde abhing.
		-- Jean Paul
%
Wem eine Frau gleichgltig wird, bei dem fngt die Sinnlichkeit an.
		-- Jean Paul
%
Feinheit des Ausdrucks ist verschieden von Feinheit der Gesinnung.
		-- Jean Paul
%
Man errt die Menschen am besten, wenn man sie bei Erzhlungen um ihre
Vermutungen der unerzhlten Zukunft fragt.
		-- Jean Paul
%
Keinem Gesichte steht ein hliches bler als einem schnen.
		-- Jean Paul
%
Wenn man etwas hrt, das einen in Erstaunen und zugleich in Verwirrung
wegen der Antwort setzt: so mu man kalt eine kurze einsilbige Frage
tun, die eine lange Antwort braucht.
		-- Jean Paul
%
Wenn man bezahlt wird, denkt man, man arbeitete zu wenig - wenn man
arbeitet, man bekomme zu wenig.
		-- Jean Paul
%
Ich begreife nicht, wie ein Mann sagen oder glauben kann, er sei
schn, ohne rot zu werden.
		-- Jean Paul
%
Wenn sich einer nur einmal zwingt nachzugeben: so sieht er, da er
nicht viel nachzugeben braucht und da der andere auch nachgibt.
		-- Jean Paul
%
Es ist unbegreiflich, wenn man in den hhern Stnden sieht, wie viel
eine Frau braucht, um keine Langweile zu haben - in unsern, wie wenig.
		-- Jean Paul
%
Man unterlsset zu viel Gutes, weil der Nutzen, und begeht so viel
Bses, weil der Schaden zweifelhaft ist.
		-- Jean Paul
%
Man verbindet sich oft einen Menschen, wenn man nach dem Namen seines
Hundes fragt.
		-- Jean Paul
%
Nur ein Mann, keine Frau, kann eine Stunde vor einem Ball in einem
philosophischen Buche lesen, oder darin gar daran denken.
		-- Jean Paul
%
Voltaire widerlegt den Pascal und hat berall recht - nur darin nicht,
da er ihn nicht verstand.
		-- Jean Paul
%
Derselbe Scharfsinn findet an allen Behauptungen das Wahre, der an
allen das Falsche entdeckt - er wei kaum, wo er anfangen soll, zu
widerlegen oder beizutreten.
		-- Jean Paul
%
Im Sommer ist man menschlicher, im Winter brgerlicher.
		-- Jean Paul
%
Bei Mangel an Talent ist's besser zu sprechen als zu schreiben.
		-- Jean Paul
%
Sogar in unserer Erinnerung ist uns die Vergangenheit als Flle
frherer Erinnerung schn.
		-- Jean Paul
%
Manche knnen leichter die Lehrer der besten als der guten Menschen
sein.
		-- Jean Paul
%
Leidenschaft macht, da man besser und schlechter handelt als die
Vernunft tte.
		-- Jean Paul
%
Der Stand erhebt die Groen ber die Urteile, die die Kleinen ber
ihre Tugenden fllen - aber nicht ber ihre Vorzge. Sie rchen nicht
die beleidigte Achtung, sondern die beleidigte Eitelkeit.
		-- Jean Paul
%
Kluge halten das Gewhnliche, Dumme das Ungewhnliche fr toll.
		-- Jean Paul
%
Wir tuschen uns ber den Wert eines Autors, da wir nicht an die
vielen Minuten denken, wie er das Werk Glied vor Glied
zusammengeschoben.
		-- Jean Paul
%
In einem Vormittage, wo man reiset, ein ungewhnliches Geschft hat -
kurz in jeder neuen Lage - lebt man mehr, sieht das Leben anders,
fhlt sich mehr als in 4 gewhnlichen Wochen.
		-- Jean Paul
%
Feinheit berall wirkender als Kraft.
		-- Jean Paul
%
Ich rgerte mich ber den Menschenlrm unter mir und konnte nicht eher
schlafen, als bis ich wute, es seien Pferde.
		-- Jean Paul
%
Jede Arbeit, auch philosophische, poetische, lenkt den Menschen vom
Ich und oft vom Bessern ab.
		-- Jean Paul
%
Gegen Liebe ist man nie undankbar, nur gegen Wohltaten.
		-- Jean Paul
%
Eigentlich mte man fr jedes Individuum ein besonderes Buch
schreiben.
		-- Jean Paul
%
Menschen beweisen sich in Gesellschaft Sachen, die jeder glaubt.
		-- Jean Paul
%
Es verlohnt sich nicht, da man alle Bcher widerlegt. Exzerpieren
isoliert und hebt eine Sache heraus.
		-- Jean Paul
%
Der Gelehrte erwirbt sich mehr blindes Zutrauen als der Scharfsinnige,
weil jenem nur der Gelehrtere, diesem jeder widersprechen kann.
		-- Jean Paul
%
Es ist leichter, die Menschen zu lieben, als zu ertragen - viele
heftig zu lieben, als keinen zu hassen.
		-- Jean Paul
%
Ein ganz Tugendhafter mu viel Geist oder Feuer haben, um nicht
langweilig zu sein.
		-- Jean Paul
%
Man legt leicht die groen Unarten ab und hat noch immer die kleinen
der Gewohnheit und Erziehung.
		-- Jean Paul
%
Uns greift ein auf der Strae verwesetes Vogelgerippe an, aber keines,
das auf unserm Teller liegt.
		-- Jean Paul
%
Man liebt die Menschen mehr, wenn man den Entschlu, ihnen eine
Wohltat zu erweisen, fsset, als nachdem er ausgefhrt ist.
		-- Jean Paul
%
Ein Volk kann nicht auf seine Genies, sondern auf das Volk, auf die
Menge stolz sein - die Genies knnen auf die Genies es sein.
		-- Jean Paul
%
Bei der Besserung sieht man, da man eine Menge Dinge im Umgang, die
man aus Hflichkeit und Mode tat, aus Tugend nun tut und leichter.
		-- Jean Paul
%
Ein Mann von Verstand gibt Leuten von Verstand zu leicht sein Herz.
		-- Jean Paul
%
An Weibern ist alles Herz, sogar der Kopf.
		-- Jean Paul
%
Man sagt zu Ochsen "dummer Esel" und umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Man liebt noch den Ort der Liebe, wenn man gegen die Person keine mehr
hat.
		-- Jean Paul
%
Man sollte nie mit dem Edeln zugleich einen unschuldigen, aber
nied(rigen) Zweck erreichen - es ist nichts gefhrlicher fr die Moral
(Tugend), als von ihr zu leben.
		-- Jean Paul
%
Menschen erraten heiet nichts als sich hnl(icher) Erfahrungen
besinnen. Mit einem ganz neuen Charakter kmmt der grte
Menschenkenner nicht aus.
		-- Jean Paul
%
Es ist leichter zu schmeicheln, als zu loben.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen, besonders die Weiber, wollen lieber gelobt als geliebt
sein.
		-- Jean Paul
%
Ein anderes ist der Mut, d(er) Gefahr nicht zu achten, ein anderes,
sie nicht zu sehen, zu verachten, ihr zu trotzen.
		-- Jean Paul
%
Zwischen 4 Wnden sind alle Menschen Sonderlinge, nur nicht offen.
		-- Jean Paul
%
Man sagt leise: ich empfehle mich Ihnen, wenn man den Hut von weitem
zieht.
		-- Jean Paul
%
Es ist ein geringer Unterschied zwischen dem Stolz auf wahre Vorzge
und dem auf keine.
		-- Jean Paul
%
Man glaubt oft, man knne nicht gut sprechen, da einem doch nichts
fehlt als der Stoff zu sprechen.
		-- Jean Paul
%
Genu der Ehre hindert den der Natur.
		-- Jean Paul
%
Goethe, so dramatisch und in fremdem Namen redend, da er sich nicht
finden kann, wenn er etwas im eignen sagen soll.
		-- Jean Paul
%
Wenn zwei krp(erlich) zusammenstoen, denkt jeder, nur der andere
habe Schmerz und Recht - bei moralischem Zusammenstoen das Gegenteil.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen wren alle bescheidener und demtiger, trieben sie alle
nur eine Kunst.
		-- Jean Paul
%
Jeder kmmt sich selber leer und mager vor (ausgenommen wenn er sich
vergleicht), weil er sich ganz auskernt und erschpft mit der Idee.
Keiner kann seine eigne Gelehrsamkeit bewundern, weil er sie ganz
kennt.
		-- Jean Paul
%
Die hchste Liebe glaubt und fodert hchste Vollkommenheit, daher ist
sie ihrem Ende am nchsten.
		-- Jean Paul
%
Ehrgeiz ist verschieden von Ehrliebe - diese sndigt nie gegen die
Ehre, aber jener, der nach Schande nichts fragt, um berhmt zu sein -
diese will eigne Achtung, jener fremde, diese ist bei Weibern, jener
[bei] Mnnern.
		-- Jean Paul
%
Die Keuschheit wohnt weder in den obern noch untern Stnden - sondern
in den mittlern.
		-- Jean Paul
%
Das Einfltigste sagt man im Anfang in einer Gesellschaft, das Beste
zuletzt.
		-- Jean Paul
%
Ein rechtschaffener Menschenf(ein)d sagt im Zorn mehrere und
ntzlichere Wahrheiten als in der Liebe.
		-- Jean Paul
%
Man glaubt einem Mann von Talent mehr, was er versichert, als was er
beweiset - Hier untersucht man erst seine Beweise, dort ist er einer.
		-- Jean Paul
%
Wir sind begieriger, fremde Menschen zu observieren und auszusphen
als tgliche und nahe.
		-- Jean Paul
%
Man kann gewi sein, dem andern nicht viel Vergngen gemacht zu haben,
wenn man lauter Sachen sagte, die uns eines machten und so umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Nonnen mager, Mnche fett, Beweis der weiblichen Migkeit.
		-- Jean Paul
%
Niemand ndert sich schwerer, als der stets unter andern oder in
Geschften lebt, d. i. trumt - die andringende, berhufende
Gegenwart ersticket jeden stillen Keim.
		-- Jean Paul
%
Ein Autor bringt durch Selbstdefension(en) seine Anklagen auf und in
die Nachwelt. Fr die Mitwelt sind sie entbehrlich; seine Freunde
glauben den Anklagen nicht, seine Feinde den Defensionen nicht.
		-- Jean Paul
%
Man denkt, jeder gehe dahin, wohin man geht.
		-- Jean Paul
%
Die Schwachheiten groer Menschen werden von kleinen so leicht erraten
als die der Lehrer von Kindern.
		-- Jean Paul
%
Nichts fhrt von aller innerer Beschauung weiter ab und vom Blick
gegen die verschleierte Welt als Ehrgeiz.
		-- Jean Paul
%
Niemand knnte sich verhater und langweiliger machen als einer, der
in allen Sozietten Menschen nur lobte.
		-- Jean Paul
%
Man ist gerechter gegen seine Feinde als gegen seine Freunde.
		-- Jean Paul
%
Um froh zu sein, mu man einen langen Geschftsplan haben, der doch
die Freuden nicht aussperret, sondern einschlieet: am besten wenn die
Geschfte und Freuden in eins fallen (bei mir).
		-- Jean Paul
%
Wenn an den Groen alles erstirbt, sogar der Ehrgeiz, grnet doch die
Eitelkeit noch.
		-- Jean Paul
%
Es hilft wenig, da uns das Schicksal reich macht: unsere Wnsche
machen uns wieder arm.
		-- Jean Paul
%
Der Schlechteste kennt einen Preis, wofr er seine Rechtschaffenheit
nicht hingibt; er unterscheidet sich vom Guten durch den kleinern
(nicht vom Besten).
		-- Jean Paul
%
Man tut oft blo stolz, weil man vermutet, der andere denke stolz.
		-- Jean Paul
%
Der aus dem gemeinen kriechenden Stand Emporgekommene will stolz sein
und kann es nicht, und ihm entfhrt immer Hflichkeit gegen die alten
Gegenstnde.
		-- Jean Paul
%
Ein berhmter Autor sollte auch Stze, die andere gesagt, wiederholen,
um der Wahrheit sein Gewicht hinzuzutun.
		-- Jean Paul
%
Je mehr man Menschen kennt, desto weniger schildert man Individuen.
		-- Jean Paul
%
In den Augen des Bewunderten ist der Bewunderer nicht stets klug, wie
Helvetius sagt, aber doch gut.
		-- Jean Paul
%
Jeder hlt seine Verstellung fr feiner als die fremde und wird daher
betrogen.
		-- Jean Paul
%
Den meisten Menschen gilt Bewunderung, Schtzung so viel als Liebe,
sie vermengen beide.
		-- Jean Paul
%
Werke, die man schreibt und die man tut, kann man erst lange nach
ihrer Vollendung korrigieren.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen hassen und merken in der Liebe leicht das Gefhl der
Unabhngigkeit.
		-- Jean Paul
%
Die erste Wiedererblickung lang ersehnter Menschen gibt diesen etwas
von der Idealitt der Vorstellung.
		-- Jean Paul
%
Nichts ist bei der hufigen Lektre schdlicher, als da uns die
Lehren der Weisheit - ohne da eine gegenwrtige Erfahrung sie auf uns
bezge - so wiederholet werden, da wir sie nie auf uns anwenden.
		-- Jean Paul
%
Man mu nicht seine Vorzge auskramen, um den andern zu gewinnen,
sondern ihn gewinnen, um jene auszukramen. Die Hflichkeit etc., womit
ich jemand aufnehme, ist die Grundierung, worauf er mein Bild
auftrgt.
		-- Jean Paul
%
Gewisse Dinge (Mode, Kleider, Lebensart) mu man frher verachten als
achten.
		-- Jean Paul
%
Wir halten die Leichtigkeit zu sndigen fr die Erlaubnis dazu.
		-- Jean Paul
%
Der Spott ber Abscheulichkeit (wenn es nicht juvenalischer ist), z.B.
Pderastie, mindert den Abscheu mehr, als er ihn mehrt.
		-- Jean Paul
%
Ein berhmter Autor und ein Frst brauchen nur zu reden, nicht gut zu
reden, um zu gefallen.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber ndern ihre Meinungen schwerer als die Mnner, weil sie
mehr Gefhle als Schlsse sind.
		-- Jean Paul
%
Kein Enthusiasmus der Liebe ist so gro als der der Zusammengewhnung,
der auf jenen folgt.
		-- Jean Paul
%
In der Sprache der Liebe gibt es keine Pleonasmen.
		-- Jean Paul
%
Weiber sprechen lieber von als in ihrer Liebe, Mnner umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Den berhmten Mann freuet kein anderes Lob weiter als ein greres.
		-- Jean Paul
%
Sanftmut mu stets nach der Kraft (Jugend) kommen, sonst Schlaffheit.
		-- Jean Paul
%
Mit Intoleranz mu der Jngling anfangen, nicht enden, nicht
umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Wenn man zuviel wichtige Dinge zu sagen hat, fngt man mit den
unwichtigen an.
		-- Jean Paul
%
In einer ewigen Mestadt wrde alle Menschenliebe aufhren.
		-- Jean Paul
%
Man ist in der Liebe darum ungerecht, weil man den andern fr
vollkommen hielt.
		-- Jean Paul
%
Das Reden mehrt die eigne Rhrung mehr als fremde.
		-- Jean Paul
%
Ein wiederholtes Abschiednehmen entkrftet das letzte.
		-- Jean Paul
%
Manche halten ihre vernderte Ansicht eines Menschen fr eine
Vernderung desselben.
		-- Jean Paul
%
Man kann wohl einen Schwarm Mcken im Zimmer sumsen hren, aber nicht
eine.
		-- Jean Paul
%
In einer neuen Stadt sind die ersten begegnenden Mdgen am
interessantesten.
		-- Jean Paul
%
Die kleinen Grnde erschaffen den Entschlu nicht, sondern man waffnet
sich mit ihnen nur gegen uere Anfechtungen desselben.
		-- Jean Paul
%
Ewige Unart, aus Gelehrsamkeit oder Tugend in einem Falle [und] Fache,
auf sie in andern Fllen und Teilen zu schlieen.
		-- Jean Paul
%
Statt einen Scheffel Salz(es) mit einem Freund zu essen, braucht man
nur 6 Meilen mit ihm zu reisen.
		-- Jean Paul
%
Das Landleben ist in, nicht auer uns.
		-- Jean Paul
%
uerer gemigter Stolz gibt dem Verdienst einen grern Schein.
		-- Jean Paul
%
Ein Torheit, ber die viele Satiren gemacht worden und bei der jede
neue Satire verliert, ist in der Wirklichkeit desto komischer.
		-- Jean Paul
%
Gewisse Dinge, z.B. Entfhrung, sind uns in Bchern alt und [im]
Leben neu und letzt(ere) wund(ern) uns dann.
		-- Jean Paul
%
Der Pbel achtet Pedanten.
		-- Jean Paul
%
1 Ku ist mehr wert als 2 oder gar 20.
		-- Jean Paul
%
Man beruft sich immer auf die Nachwelt, als ob sie nicht oft
ebensoviel Lob nhme als gbe.
		-- Jean Paul
%
Man mu sich immer einen Rat geben lassen - wenn man ihn auch nicht
befolgt, so bentzt man ihn doch.
		-- Jean Paul
%
Die Hflichkeiten der gemeinen Leute sind immer vom nchsten Stande
ber ihnen geborgt.
		-- Jean Paul
%
Der Uneigenntzige hasset Egoisten nicht so sehr als der Egoist.
		-- Jean Paul
%
Vernunftgrnde wirken nur auf Affekt, wenn sie ihn befdern.
		-- Jean Paul
%
In unserer Menschenliebe ist nicht blo die Sigkeit des Gefhls der
Liebe, sondern auch die Sigkeit des Gefhls des Rechttuns.
		-- Jean Paul
%
Es ist oft sehr gefhrlich, von seinem Verstande und Herzen zu
schlecht zu denken - der Irrtum schafft die Wahrheit.
		-- Jean Paul
%
Man schreibt sich leichter falsche Vorzge zu, als man seine wahren
errt.
		-- Jean Paul
%
In feinen Gesellschaften wird nur der abwesende persifliert, in
gemeinen spaet man ber d(en) gegenwrtigen.
		-- Jean Paul
%
Verachtung ist mehr als Ha; jene kann der Weise haben, sie ist
unwillkrlich.
		-- Jean Paul
%
Die Wettergesprche [kommen] nicht von Langweile, sondern weil der
Mensch immer eine starke fortdauernde Empfindung mit Worten uern und
geben will - wre Krieg, so gb's Kriegsgesprche.
		-- Jean Paul
%
Berhmte Leute, Frsten, Schne kann man selten durch ein Lob
einnehmen, aber durch jeden Tadel erzrnen.
		-- Jean Paul
%
In hhern Stnden wirken die Weiber mehr auf fremde Mnner, in
nied(ern) auf eigne.
		-- Jean Paul
%
Die Verstellung und Eitelkeit durchgreift manche so, da sie unbewut
es tun und es nicht mehr anders machen knnen.
		-- Jean Paul
%
In einer groen Stadt sein, heiet Reisen und umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Ein Mensch, dem zu lang die Liebe verweigert worden ist, findet dann
in einer wirklichen zu wenig Reiz, aus Mangel an Verweigern.
		-- Jean Paul
%
Warum will der Mensch, wenn er nicht alle bekehren kann, nicht
wenigstens einige Menschen ndern?
		-- Jean Paul
%
Mancher ist im Namen eines Lieblingsautors eiferschtig - freuet sich
ber jedes Lob auf ihn -, aber blo, weil er in sich eine hnlichkeit
mit diesem ahnet.
		-- Jean Paul
%
Man glaubt stets, nur dieser Autor sei in der persnlichen Erscheinung
schlecht, aber alle ungesehene herrlich.
		-- Jean Paul
%
Anfangs macht man das Buch nach sich, dann sich nach dem Buch.
		-- Jean Paul
%
Weiber sind rein menschlicher, weil der Staat ihnen keine einseitige
Bildung aufdringt.
		-- Jean Paul
%
Je lter man wird, desto toleranter gegen das Herz und intoleranter
gegen den Kopf.
		-- Jean Paul
%
Nichts wird weniger in Gesellschaft erraten als die Empfindsamkeit,
besonders die mnnliche.
		-- Jean Paul
%
Die Kinder erraten die Eltern besser als diese jene.
		-- Jean Paul
%
Ttige Leute weniger Ordnung als mige.
		-- Jean Paul
%
Ein Wirt >Zum Erbprinzen< denkt nie, wenn er seinen Erbprinz sieht,
da er dessen Namen [fhrt] - so verschiedne Bedeutungen hat 1 Wort.
		-- Jean Paul
%
Ich will lieber lieben, ohne geliebt zu werden - als ohne zu lieben,
geliebt werden.
		-- Jean Paul
%
Weiber behalten eigne Geheimnisse, Mnner fremde.
		-- Jean Paul
%
Die Mnner machen sich von groen Mnnern eben jene romanhaften
Vorstellungen als die Mdgen von ihren knftigen Romanhelden.
		-- Jean Paul
%
Das Verstecken der Eitelkeit ist eine grere (gehatere) als jede.
		-- Jean Paul
%
Ungleich den Franzosen und Englndern, loben die Deutschen nichts (an
einem Autor, Menschen), ohne alles zu loben; sie glauben parteiisch
sein zu mssen.
		-- Jean Paul
%
Die Eitelkeit besteht nicht in der Kleidung, oft kaum im Handeln,
sondern in der ewigen unmerklichen Stellung jedes Worts, damit es
hheres Lob abwerfe.
		-- Jean Paul
%
Da die Mnner viel origineller sind, was kein Mdgen errt: so sind
oft diese in der Ehe unglcklich, weil sie es nicht voraussehen und
fassen.
		-- Jean Paul
%
Wenn das Schicksal 10 gnstige Umstnde vereinigt, so wundert man sich
ber den Mangel des 11., nicht das Dasein der 10.
		-- Jean Paul
%
Weiber gewhnen sich Gleichgltigkeit und Unaufmerksamkeit gegen
Wissenschaft und Taubheit an, weil die Mnner zu oft vor ihnen von
wissenschaftlichen Dingen reden, die ihnen unbekannt.
		-- Jean Paul
%
Der geheimste Geist eines Autors verrt sich nicht in den bsen,
sondern in den schnsten Charakteren, die er immer mit der Schwche
seiner Natur unwillkrlich begabt.
		-- Jean Paul
%
Selber Kinder haben wieder etwas Kindisches, worber sie selber
lachen.
		-- Jean Paul
%
Bei den Ursachen unbekannter wichtiger Begebenheiten raten wir immer
auf angenehme oder unangenehme, selten auf wahrscheinliche und
natrliche.
		-- Jean Paul
%
Wir irren in nichts mehr als in unsern Prophezeiungen, da knftig
etwas werde schlimmer (z.B. krnker) oder besser (reicher) werden. Die
Neigung, systematisch zu schlieen (sein), schieben wir der Natur
unter; und diese leichtere Verkettung halten wir fr
Wahrscheinlichkeit.
		-- Jean Paul
%
In den besten Reisebeschreibungen interessiert uns doch der Reisende
am meisten, wenn er sich nur zeigen mag. Wer eine Reise beschreibt,
beschreibt damit sich immer auch selber.
		-- Jean Paul
%
Es ist nicht halb so ungesund, Philosophie zu lehren, als zu lernen,
e(ine) Philos(ophie) zu machen als zu lesen.
		-- Jean Paul
%
Es gibt Menschen, die man nicht hasset und nicht sehr liebt, aber ein
wenig, die verschwinden, ohne da man es merkt, wiederkommen ohne
Freude - Fr Groe gibt es keine andern, und sie sind keine andern.
		-- Jean Paul
%
Man fragt den andern um Rat, nicht, weil man nicht wei, was man tun
soll, sondern weil man es wei, aber nicht gern tut - der andere soll
dann einer guten oder bsen Neigung den Ausschlag [geben].
		-- Jean Paul
%
Die Deutschen nennen alle ihre Freuden auslndisch: Ressource, Casino,
Klub, Cercle etc. Assemble, Htel, Table d'Hte, Harmonie, Museum.
		-- Jean Paul
%
Die Englnder gefallen uns in Bchern, weil uns der Stolz in der
Darstellung gefllt, aber nicht in der Wirklichkeit.
		-- Jean Paul
%
Das Beste in einem Menschen ist das, was er selber nicht kennt.
		-- Jean Paul
%
Niemand hat die Kraft - wenn er auch will -, in einem fort unglcklich
zu sein, sondern er wird glcklich.
		-- Jean Paul
%
Je lter, desto mehr entschuldigt, desto weniger achtet man d(ie)
Menschen.
		-- Jean Paul
%
Man spricht und dichtet viel eher von der Leerheit und Nichtigkeit des
Lebens, als man sie kennt; man spricht ungern oder nicht freudig
davon, wenn man sie kennt.
		-- Jean Paul
%
Der Dichter ist freier als der Philosoph.
		-- Jean Paul
%
Die Liebe ist, ihr Ende ausgenommen, sich berall gleicher, als man
sagt.
		-- Jean Paul
%
Das Lob, das man im Enthusiasmus einer Frau ber eine Eigenschaft
gibt, gefllt ihr wenig, wenn man diese fr eine der Weiblichkeit, des
Geschlechts, ausgibt.
		-- Jean Paul
%
Weiber haben groe Krfte fr, aber kleine gegen die Liebe etwas zu
tun.
		-- Jean Paul
%
Jeder modisch Gekleidete hlt sich fr den Reprsentanten des
Jahrhunderts oder Dezenniums.
		-- Jean Paul
%
Wer die Menge unbedeutender ungenial(ischer) Bcher sieht, hlt die
Menschen fr noch unbedeutender.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen haben berall die Neigung, alles auf etwas Hheres zu
deuten, so die Linien in der Hand.
		-- Jean Paul
%
Die Jugend ist die Periode der Nachahmung.
		-- Jean Paul
%
Anfangs vertrgt der Autor Lob mit Tadel vermischt. Dann hat er das
Lob so oft gehrt, da er ein neues fodert und liebt; und so soll
immer mehr vom Tadel aufgehoben werden, bis er gar keinen mehr leidet.
(Gilt auch fr Leute in mtern.)
		-- Jean Paul
%
Manche drcken durch lautes Lachen ihren Enthusiasmus, z.B. ber
herrliche Musik, aus.
		-- Jean Paul
%
Im Traum kann man (wenigstens ich) sich der tiefsten Gefhle aus der
Kindheit erinnern.
		-- Jean Paul
%
Um ein guter Gesellschafter zu sein, ist es sehr gut, etwas zu
treiben, was die Gesellschaft selbst interessiert. Daher ist ein
Jurist, Kaufmann unter Brgerlichen an und fr sich ein besserer als
ein Philosoph oder gar Dichter.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber sind mitleidiger bei mnnlichen Schmerzen als bei
weiblichen.
		-- Jean Paul
%
Begebenheiten, die im Roman nicht mehr romantisch sind, sind's in der
Wirklichkeit, z.B. Entfhrung.
		-- Jean Paul
%
Um die Menschen recht zu lieben, mu man sie immer aus einem noch
hhern Punkt als dem unserer Verhltnisse (der Freundschaft etc.)
ansehen, nmlich aus dem der Menschheit oder Moralitt.
		-- Jean Paul
%
Bei schnen Stellen im Theater hustet niemand, es ist also
willkrlich.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen glauben sich nach einem zu richten, indes sich der eine
nach ihnen richtet.
		-- Jean Paul
%
Der stille Egoismus der jetzigen Gefhlsmnner liegt schon darin, da
sie dem Helden Briefe an einen Freund diktieren, gegen den er keine
Liebe zeigt und den er nur hat, um eine Adresse fr seine
Publikums-Briefe zu haben.
		-- Jean Paul
%
Ein witziger, launiger Autor ist's am Anfang des Buchs am meisten.
		-- Jean Paul
%
Man denkt beim Spotten und Widerlegen mehr daran, es denen, die schon
auf unserer Seite, deutlich zu machen, als den Widersachern.
		-- Jean Paul
%
Nur der Hofmann knnte brgerliche Sitten schildern und wir seine.
		-- Jean Paul
%
Die Liebe der Menschen ist leichter zu erlangen als wiederzuerlangen.
		-- Jean Paul
%
In den alten deutschen Anleitungen zur Hflichkeit stehen ebenso viele
Chesterfield Gebote der Falschheit etc.; aber bei ihrer Dummheit merkt
man die Immoralitt nicht.
		-- Jean Paul
%
Bcher wirken wenig auf Individuen, aber doch auf das Jahrhundert und
mithin auch auf jene.
		-- Jean Paul
%
Ein Mensch kann so wenig den ganzen Geschmack haben als ein Mensch die
Wahrheit - die Menschheit hat beides.
		-- Jean Paul
%
In einer kleinen Stadt ist es hart zu heiraten, die Lotterie ist klein
und d(er) Nieten viel - es ist schwer, unter wenigen das Beste zu
finden. 30. Jun./1801.
		-- Jean Paul
%
Um sich etwas zu erklren, nimmt die groe Welt lieber die
entsetzlichste Snde als eine gewhnliche an.
		-- Jean Paul
%
Da man bei der Lektre geistreicher Werke seinen Verstand ttiger und
leichter-wirkend fhlt: so trgt man diese Leichtigkeit in den Autor
ber, es sei ihm leicht und s geworden - umgekehrt, wenn es einem
schwer wird.
		-- Jean Paul
%
Autoren vermengen Freude am Hervorbringen mit der am Hervorgebrachten
und denken eine kurze Zeit von sich zu gut.
		-- Jean Paul
%
Wie wenig der Mensch Anteil an fremdem Unglck nimmt: sieht man, weil
der gefllt, der eines erzhlt.
		-- Jean Paul
%
In der groen Liebe glaubt man alles opfern zu knnen; und das kann
sie auch, wenn das Opfer sie zugleich nhrt und befriedigt. Aber die
andern Opfer - z.B. des Verzeihens etc. - entkrften die Liebe selbst,
die opfern will; und daher hngt das Glck nicht von der Heftigkeit
der Liebe, sondern von der Energie des ganzen Charakters ab.
		-- Jean Paul
%
In die Stelle eines andern sich zu setzen - oder in die eigne vorige -
ist zu schwer, weil die Phantasie nicht blo einige Handlungen etc. zu
erneuern oder nachzuahmen hat, sondern dessen ganze krperliche Lage,
dunkle Ideen, unbewute Einflsse.
		-- Jean Paul
%
Der eitle, selbstgefllige Autor verrt sich durch den Helden, den er
zuviel Rcksicht auf sich selber nehmen lsset.
		-- Jean Paul
%
Man hlt es halb fr unmglich, wie man einen Frsten etc. durch seine
Gewohnheiten, Launen regieren knne, da er sie und diese Absicht doch
kennen msse; allein in der Minute der Laune etc. ist er so von ihr
befangen, da er sie fr keine hlt, und wenn es ist, doch keine Kraft
des Widerstehens hat. Die Frau sagt es ihrem Manne und regiert ihn
doch.
		-- Jean Paul
%
Der kalte Mensch - immer, in Wahrheit - ist viel seltner als man
glaubt.
		-- Jean Paul
%
Der Liebende ist so strenge-fordernd gegen die Liebende nicht
seinetwegen, sondern (ihretwegen) damit die rechte Liebe und (oder)
ihr Gegenstand sei.
		-- Jean Paul
%
Jeder kennt noch ein Zeremoniell, ber das er schimpft, und eines, das
er behalten wissen will.
		-- Jean Paul
%
Die Trunkenheit vermehrt schn 2 schne Dinge, Mut und Liebe.
		-- Jean Paul
%
Man mu bei den andern voraussetzen - was man selber so oft tut - da
die Ungereimtheiten, die ihnen entfahren, von ihnen in der Stille
gemibilligt, zurckgenommen werden.
		-- Jean Paul
%
Der Kopf ndert sich ewig, das gute Herz wenig.
		-- Jean Paul
%
Ein groes Unglck darf man leichter unmotiviert dem Helden begegnen
lassen als ein groes Glck, so sehr setzt man das Miverhltnis
zwischen Glck und Wert voraus.
		-- Jean Paul
%
Am Tage, wo man Geld bezahlt bekommt, gibt man ein wenig mehr aus.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen werden mehr voneinander verschieden durch die inn(ern)
Anlag(en) zur Freude als durch die uern Verhltnisse, in denen jene
wirken.
		-- Jean Paul
%
Die bloe, nackte Wahrheit wird fr die meisten Unwahrheit; durch ihr
Kleid wird sie wahrer.
		-- Jean Paul
%
Man will von fremden Wesen sein Ich recht geliebt haben, nicht aus
Eigennutz, sondern um es wieder recht lieben zu knnen.
		-- Jean Paul
%
Man hofft, da der andere glauben soll, unser Gesicht sei nicht
getroffen, da wir selber doch immer fremden Kupferstichen glauben; so
Rezension und Verleumdung.
		-- Jean Paul
%
Manchen gibt man das Gefhl, wodurch man es andern nimmt, durch
Schlsse.
		-- Jean Paul
%
Sich selber Wort halten schwerer als andern.
		-- Jean Paul
%
Die Philosophen halten immer im stillen den Wert und die Ausdehnung
ihres Objekts fr die ihrer Kraft und ihres Amts und ihre Anstrengung
fr die grte, weil diese alle andern deduziert.
		-- Jean Paul
%
Jeder Autor, auch sogar [der] mifallende, reiet uns in sein
Lehrgebude hinein, da wir vor dessen Mauern die ganze Welt eine
Zeitlang nicht sehen; schon das lange feurige Vorstellen seiner Stze
verdunkelt uns fremde und wird ein halb(es) Glauben.
		-- Jean Paul
%
Man imponiert und gewinnt mehr, wenn man ber eine Sache lange
spricht, als viel (kurz); die Ausdehnung der Rede gilt fr Ausdehnung
der Kenntnis.
		-- Jean Paul
%
Wer sich nur halb verstellt: hat zugleich den Nachteil der Verstellung
und der Offenherzigkeit.
		-- Jean Paul
%
Es gibt eine Zeit in der Jugend, wo - wegen der Kraft etc. - uns der
Skeptizismus gefllt, der uns nachher, nher am Grabe, peinigt.
		-- Jean Paul
%
Ein Rezensent lieset alle Satiren gegen Rezensenten, die frher als er
geschaffen worden, kalt.
		-- Jean Paul
%
Weit mehr sind aus Schwche Schmeichler der Frsten und a(nderer) als
aus Eigennutz; die Wahrheit ist leichter zu hren als zu sagen.
		-- Jean Paul
%
Um die Aristokraten, Groen recht zu erraten, betrachte man ihr
Betragen gegen ihre Bediente; es gibt mehr gromtige Bediente und
Arme als Herren und Reiche.
		-- Jean Paul
%
Wir fhlen den Weg zum Bsewicht schwerer hinab als zum Heiligen
hinauf.
		-- Jean Paul
%
Dichterinnen klger als Dichter.
		-- Jean Paul
%
Nicht gegen die Treulosigkeit der Menschen sollte man eifern, sondern
gegen die anfngliche Blindheit auf der einen und Verstellung auf der
andern Seite; allmhlig trgt der schnblhende Freund giftige
Frchte, und dann fliehen wir ihn freilich.
		-- Jean Paul
%
Weiber sind weder Realisten noch Idealisten, sondern verbinden beides.
		-- Jean Paul
%
Anfangs treiben sie das Haushalten des Geliebten wegen, dann des
Haushaltens wegen.
		-- Jean Paul
%
Nichts ist gefhrlicher als eine unvollendete Vershnung, sie
erschwert die vollendete mehr als keine.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen sind nie schlaffer, als wenn sie sich oder andere
trsten; ihr absichtlich kahles Gemenge von Widersprchen.
		-- Jean Paul
%
"Unter den Mnnern sind die meisten gemein, nur jede Frau hat etwas
Eigenes" - Die Frau hingegen sagt wieder dasselbe von den Mnnern.
		-- Jean Paul
%
Nicht durch Angreifen, sondern durch Behaupten zeigt man die eigne
Kraft und Individualitt am besten. Bei jenem mu man sich zu sehr
nach den andern richten und verliert bei Sieg und Niederlage.
		-- Jean Paul
%
Die Ste, die uns der Wagen des Schicksals gibt, lassen unser Inneres
noch in Ruhe und Gleichmut. Aber Wunden, die uns der Mensch, seine
Meinung und Betragen gegen uns gibt, wirren in uns alles
durcheinander. Das Ich fhlt sich von seinesgleichen erschttert.
		-- Jean Paul
%
An einem Glck oder Unglck ist man nie schuld, aber am
wiederkehrenden.
		-- Jean Paul
%
Zerstreuete Gedanken lieset man wieder zerstreuet und blttert in
ihnen herum.
		-- Jean Paul
%
Je krzer solche sind, desto noch krzer will man sie haben; und
Lngen, die uns in andern Bchern Krzen wren, sind uns zu groe.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch findet nichts dagegen, da in der Vergangenheit immer eine
Vernderung der Gesetze und Staaten nach der andern kommt - nur in der
Gegenwart will er nicht daran.
		-- Jean Paul
%
Jedes uns erzhlte Menschenleben hat etwas Erbrmliches,
Eingeschrnktes. Wir wundern uns, als mss ein gehrtes anders sein
als ein gefhrtes.
		-- Jean Paul
%
Je mehr man getrunken, desto mehr lobt man den Wirt und sein Bier.
		-- Jean Paul
%
Vollendete Rechtschaffenheit ist fast Genialitt (erhebt ohnehin ber
jede Gemeinschaft) oder doch ein Ersatz derselben.
		-- Jean Paul
%
Die Ordnung wie der Geiz keine Grenzen.
		-- Jean Paul
%
So viele fingen mit der Liebe an, mit der sie wirken wollten, und
muten aufhren mit der Furcht, die sie gaben.
		-- Jean Paul
%
Viele Tugenden des Alters sind nur Folgen gestillter Wnsche und
verengter oder erweiterter Schranken.
		-- Jean Paul
%
Wer einen nur zum Werkzeug gebraucht, sei sicher, da ihn dieser auch
nur dazu brauche.
		-- Jean Paul
%
Im Alter ist einem der Nutzen des Ruhms lieber als der Ruhm.
		-- Jean Paul
%
Aus der bloen Begierde zu gefallen ist der weibliche Sinn fr
Kleidung und Schnheit nicht abzuleiten, der Mann hat jene ohne
diesen.
		-- Jean Paul
%
Der Eitle liee in der Minute seine Stellung, Kleidung weg, wo er
wte, da man sie als Eitelkeit bemerkte.
		-- Jean Paul
%
Wenn man ber etwas spricht oder schreibt, sieht man, da man mehr
wei, als man dachte.
		-- Jean Paul
%
Ordnung und Unordnung kann man lernen, es ist Gewohnheit.
		-- Jean Paul
%
Die franzsischen, gallischen Irrtmer ber Gott, Uneigenntzigkeit,
Unsterblichkeit etc. mten unglcklich machen, wenn sie nicht das
Schicksal aller Ideen, auch der Wahrheiten teilten, wenig gegen
Gefhle zu wirken.
		-- Jean Paul
%
Die grere Kraft gegen Verleumdung zeigt man, nicht wenn man sie
verachtet, sondern nicht zu hren sucht, wenn man's haben knnte.
		-- Jean Paul
%
Eine lange Zeit lernt man darum die Menschen nicht kennen, weil man
sie berall fr besser hlt als sich.
		-- Jean Paul
%
In groen Stdten vergisset man den eignen Tod so leicht und kalt wie
den fremden.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen wollen einen niederdrcken, und dann wollen sie ihm erst
Gutes tun - aber nie, ihn erheben und dann bekrnzen.
		-- Jean Paul
%
Das Lob darf man nicht hinter dem Rcken des Gegenstands ndern, aber
den Tadel.
		-- Jean Paul
%
Wenn der Mensch etwas Edles am andern findet, so trumt er ihm gleich
sein eignes Edle gar an.
		-- Jean Paul
%
Auch der reiche Autor stiehlt oft, weil er denkt, er htt es ebensogut
erfinden knnen, und der andere denk auch das.
		-- Jean Paul
%
Nichts zeigt die Menschen falscher und schner als d(ie) Leiden; im
Glck werfen sie die Schleier weg.
		-- Jean Paul
%
Die Besonnenheit richtet sich nach dem geistigen Reichtum d(es)
Menschen.
		-- Jean Paul
%
Wer wahr sein will, ist's schon nicht ganz mehr, er mu es gar nicht
wissen.
		-- Jean Paul
%
Wir mssen Hoffnung haben, um die Gegenwart zu genieen. Wir wollen
lieber eine schlimme Gegenwart mit schner Aussicht als umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Man ist zu oft bescheiden und denkt nicht daran, wie oft ein eignes
Wort als ein Menschen Wort lange ber unsere Meinungen hinaus
fortwirke. Man betrachte immer, wie stark der Redende - wie schwach
(jung, eingenommen) der Hrende sei.
		-- Jean Paul
%
Ein Weiberfeind ist auch ein Menschenfeind.
		-- Jean Paul
%
Um nicht vernderlich zu scheinen, mu man nur seine Entschlsse so
lange verschweigen, bis man einen davon ausfhrt.
		-- Jean Paul
%
Nach einer khnen Tat mu man fort khn sein, sonst geht man unter.
		-- Jean Paul
%
Menschenha und Hrte vertrgt sich mit weich(em) liebend(en) Gefhl.
		-- Jean Paul
%
Die Bischfe etc. (Clerus) des Mittelalters lieen sich so leicht wie
Hfe jetzt, ihre Verderblichkeit verlachen; aber es war nicht
Toleranz, sondern vollend(ete) Verderbnis.
		-- Jean Paul
%
Man kann sehr ehren-fein sein und doch keine Ehre haben.
		-- Jean Paul
%
Warum halten sich die Menschen fr scharfsichtiger, wenn sie das
geheime Bse entdecken, als das geheime Gute?
		-- Jean Paul
%
Je lter man wird, desto gesnder, glaubt man, wolle (werde) man sich
immer machen, da man doch nur Krankheiten entgegenlebt.
		-- Jean Paul
%
Es gibt feige Nachsprecher an Hfen und in der Literatur, durch die
man die stillen Meinungen ihrer Herren errt.
		-- Jean Paul
%
Im Alter liebt man Personalien, in der Jugend Realien.
		-- Jean Paul
%
In der moralischen Welt verbreitet sich Licht langsamer als Wrme;
anders als in der physischen.
		-- Jean Paul
%
Wenn der Major ein Oberst wird, wundert er sich blo, da er etwas
anders zu tun hat; an die Charge dacht er gar nicht, nur an die
Pension.
		-- Jean Paul
%
Die Aufklrung, Licht etc. wirkt bei Frsten und einzelnen Menschen
immer wohlttig fr Moralitt, wenn sie eben ankommt - sieh
katholische Lnder - aber dauert die Einsicht, Klugheit etc. lange,
wird sie gerade zu einem Werkzeug der Immoralitt verbraucht.
		-- Jean Paul
%
Ein Gelehrter gilt so lange fr unfehlbar, bis er vor uns den ersten
Irrtum begangen und nachgeben mssen; dann tritt man ihm ohne Gnade
keck entgegen.
		-- Jean Paul
%
An gewissen verstellten Menschen ist nichts so unertrglich als ihre
halb un- und halb willkrliche Herzlichkeit.
		-- Jean Paul
%
Um zu wissen, wie gut oder schlimm eine Nation (deutsche) von sich
denkt, mu man nicht auf das Schlimme hren, das sie von sich, sondern
auf das, das sie von fremden Nationen sagt.
		-- Jean Paul
%
Ein Autor wird am dunkelsten, wenn er Stze sagt, die er 1000mal
dachte und die, in seinem Innern lang erzogen, er nicht erst auf dem
Pulte erfand, wo er sie gab. Andere entwickeln sich und dem Leser
zugleich die Sache.
		-- Jean Paul
%
Die Bcher machen nicht gut oder schlecht, nur besser oder schlechter.
		-- Jean Paul
%
Schlechte Autoren sollte man vor, gute nach ihren Bchern
kennenlernen, um jenen die Bcher zu vergeben, und diese den Bchern.
		-- Jean Paul
%
Die Kinder sagen unzhlige zarte Gefhle heraus, die die Erwachsenen
auch haben, aber nicht sagen.
		-- Jean Paul
%
Was die Kraft-Menschen so wild gegen ihre Gegner macht - Herder,
Fichte - ist, da sie nie mit ihresgleichen kriegen mssen, sondern
mit den untergeordneten.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch schenkt am leichtesten nach dem Schenken.
		-- Jean Paul
%
Die zu gewissenhaften Autoren, die nichts wagen, haben den fast nicht
bescheidnen Glauben, da ihnen kein zweiter Autor entgegenarbeiten da
man ihnen aufs Wort glaube - dem Schreiber wie dem Sprecher steht
stets ein anderer entgegen.
		-- Jean Paul
%
Wenn man nur einmal recht ins Bewundern hineingekommen - Moritz gegen
Goethe - so gewinnt man so viel, als sei man selber der Gegenstand und
mehr und reiner, weil man seine hchste Idee nun auer sich realisiert
antrifft.
		-- Jean Paul
%
Wer blo brgerliche Steigerungen seines Glcks hat, mu immer
gr(eres) wnschen; der Dichter etc. hat gleich das unendliche Glck
vor sich.
		-- Jean Paul
%
Weltumgang gibt nicht Erfahrung, hchstens diese jenen.
		-- Jean Paul
%
Die kleine Stadt sagt von der kleineren, sie sei noch nicht so
verdorben - und so Tugend immer im Verhltnis der Kleinheit.
		-- Jean Paul
%
Wer ein rechtes Ideal, das er ins Leben ziehen will, im Geiste hegt,
ist gegen d(as) Gift der Mode geschirmt, wie Schwangere gegen
ansteckende Krankheiten.
		-- Jean Paul
%
Feststehende philosophische Worte sind gefhrlich - man bringt sein
ganzes Anschauungssystem darunter - und dann versteht man fremde Worte
nicht, die man sonst verstnde.
		-- Jean Paul
%
Wer sagt, er verachte, fngt's kaum an und hasset noch.
		-- Jean Paul
%
Wo die Menschen an Verstand bertroffen werden, glauben sie, es sei
nur an Wissenschaft.
		-- Jean Paul
%
Der gute Mensch sogar drckt seine guten Maximen noch schrfer aus,
als er sie bt.
		-- Jean Paul
%
Wenn die Verleumdung oder das Gercht schon das Unschuldigste falsch
auslegt: wie schlimm (verdreht) mu sie erst sorglose Handlungen der
Menschen, die sich absichtlich um keinen Schein bekmmern, ja gegen
den Schein leben, aufnehmen und zusammensetzen. Glaube, Sorgloser, sie
wird noch etwas Schlimmeres daraus machen als du scheinen wolltest.
		-- Jean Paul
%
Glckliche Mdgen in der Ehe lieben schon Romane nicht mehr, weil sie
nichts mehr auf sich beziehen knnen.
		-- Jean Paul
%
Eine Handlung ist fast eher durch eine entgegengesetzte aufzuheben als
ein Wort durch ein Wort, wovon man das erste wieder fr eine Handlung
erst ausgeben mu.
		-- Jean Paul
%
Gelehrsamkeit auch darum so imponierend, weil man sie sich nicht durch
eine willkrliche Anstrengung ersetzen (verschaffen) kann als das
Gefhl, Genieblick usw.
		-- Jean Paul
%
Ein Schmeichler ist's selten aus bloem Eigennutz, sondern aus
Charakter; denn er schmeichelt Niedrigen wie Hohen.
		-- Jean Paul
%
Die Frsten und alle Menschen lieben es weit mehr, wenn man etwas aus
persnlicher als allgemeiner Rcksicht fr sie tut, weil das
Allgemeine leicht ebensogut ihr Feind werden kann.
		-- Jean Paul
%
Eigne Anmerkungen findet man zum Aufzeichnen oft blo darum zu
unbedeutend, weil man sie durch langes Herumtragen und Handeln darnach
sich selber gemein gemacht.
		-- Jean Paul
%
Da sich die Mnner wundern ber weibliche Niederlage, ist ein Lob fr
die Weiber; diese wundern sich nicht ber den Angriff, ein Tadel fr
uns.
		-- Jean Paul
%
Man gebe manchem Selbstvertrauen, so ist er ein Weltmann.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen widerlegen einander ewig nur Irrtmer, die der Gegner
nicht behauptet.
		-- Jean Paul
%
Alle Menschen suchten die Wahrheit, wenn sie nur gewi wten, da sie
sie fnden - z.B. in einem von einem Engel geschriebnen Buch.
		-- Jean Paul
%
Erstlich zur Seltenheit mu man sich machen, und damit man es bleibe
in der Gesellschaft, zuweilen hintereinander keine Seltenheit sein.
		-- Jean Paul
%
Viele Handlungskhnheiten (z.B. Konferenz) kommen uns nur khn und
schwer vor, weil wir in der Ruhe sind, wie schlechtes Wetter
unertrglich, wenn man aus der warmen Stube hinaussieht - ist man
drauen, fragt man nichts darnach, weil man die Rstung entgegensetzt.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe ist es schdlich, wenn man, wegen Zank, sich seine Liebe,
die man doch hat, zu uern schmt, wie gegen Eltern.
		-- Jean Paul
%
Gerade die Menschen, die nicht verstanden werden, sprechen nicht gern
davon oder doch traurig - hingegen die Jugend prahlt damit.
		-- Jean Paul
%
Bedeutende Menschen, die uns aber bse geschildert worden, nehmen uns,
da wir ihnen stets ein unmoralisches ueres dazu liehen, stets bei
der ersten Bekanntschaft ein wenig ein.
		-- Jean Paul
%
Man liebt am schnsten und reinsten die Wesen, die nicht wiederlieben,
Hunde, Kinder; Geliebte, von denen man nichts fordern kann.
		-- Jean Paul
%
Jede gute Neigung wirkt strker, wenn sie sich durch Tun, als wenn
[sie] sich durch Meiden zeigen mu.
		-- Jean Paul
%
Gerade der Freie sucht den Schein der Freiheit am wenigsten.
		-- Jean Paul
%
Die meisten achten sich nicht eher, als bis andere sie achten.
		-- Jean Paul
%
Kein Autor hrt so gern das Lob eines fremden Autors als der, der ihn
nachahmt.
		-- Jean Paul
%
Wer nicht sucht, wird bald nicht mehr gesucht.
		-- Jean Paul
%
Der rechte Charakter ist nicht mit Standhaftigkeit anfangen und nach
den Umstnden sich zu fgen - sondern wie die Rmer, in jeder
Verschlimmerung nicht um einen Fubreit zu weichen.
		-- Jean Paul
%
Zur Lebensart gehrt, da man auch gegen sich hflich sei.
		-- Jean Paul
%
Nicht Dicke, aber 1 Fu Lnge mehr gibt immer ein bergewicht des
Ansehens.
		-- Jean Paul
%
Eine kurze Enthaltsamkeit ist schwerer als eine lange. Besser, von
Sachen als von Menschen abzuhngen.
		-- Jean Paul
%
Nur in der hchsten Gleichgltigkeit oder hchsten Wrme (Hasse) kann
man sich ber Menschen irren; in beiden bemerkt man zu wenig.
		-- Jean Paul
%
Man vergibt ungern dem Demtigen ein gerechtes hheres Gefhl bei
seinem Glckswechsel.
		-- Jean Paul
%
Die Eitelkeit nur hassenswert, wenn sie groe Gegenstnde zu ihrem
Dienst mibraucht, das Groe um ihrentwillen affektiert; mit Kleinem
darf man eitel sein, mit einer Schnalle, nicht mit einer groen
Empfindung oder mit Mangel an Eitelkeit; daher man sie kleinen
Menschen eher vergibt.
		-- Jean Paul
%
Das Individuelle entscheidet berall. Wie wenig kann jeder vom besten
Helden brauchen! - Der Dichter gibt berall nur sittliche Momente, die
jeder anwende!
		-- Jean Paul
%
Seltner und schwerer streitet man, um den andern zu bessern, als um
die Wahrheit zu befriedigen (daher das Feindliche), als ob man nicht
durch jenes sie am meisten befriedigte.
		-- Jean Paul
%
Alle weiche gegen Fremde nachgebende Menschen suchen sich eine Lge
ihrer Selbstndigkeit durch Hrte gegen die Ihrigen weiszumachen.
		-- Jean Paul
%
Wo viel Ehrgefhl, da ist viel Ehrgeiz; aber gar nicht umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Die khnsten Autoren im Urteil ber andere oder ber Wissenschaften
sind junge, die dadurch Autoritt zu erlangen hoffen; da die alten
dadurch ihre zu verscherzen frchten.
		-- Jean Paul
%
Nirgends noch Vaterlandsliebe als bei gemeinen Leuten.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch nimmt es schon bel (im ersten Ansto), wenn man ihm
berhaupt etwas belnimmt.
		-- Jean Paul
%
Manche handeln poetischer als sie schreiben.
		-- Jean Paul
%
Man glaubt es gar nicht fr mglich - daher die Zuversicht -, da man
etwas vergessen werde, wenn man sich dess(elben) eben erinnert.
		-- Jean Paul
%
Wenn die Mdgen frher in der Liebe Grnde anzunehmen scheinen: so
handeln sie doch nur aus Liebe gegen den Gegenstand, der sie gibt,
nicht aus berzeugung - Ohne Liebe keine Grnde.
		-- Jean Paul
%
Man scheuet sich, dem jungen Kind den lateinischen Namen eines Tiers
zu sagen, als wr ihm der erste deutsche Name nicht ebenso fremd.
		-- Jean Paul
%
Man kann vom Menschen Geschlechte zu schlecht denken und doch vom
einzelnen immer zu gut.
		-- Jean Paul
%
Vielleicht wirft sich niemand mehr Schwche vor als ein starker
Mensch.
		-- Jean Paul
%
Die feinste Aufgabe im ttigen Leben ist die, ob man einer Sache
zuvor-, oder erst nachzukommen habe.
		-- Jean Paul
%
Eine Frau lt Geld herumliegen, nicht Kaffee.
		-- Jean Paul
%
Der, der einen Rat begehrt, hat meistens - schon durch die Zeit - eine
Sache von allen Seiten beschauet; der Ratgeber von der ersten, die
vortrat, da man ihn fragte. Und doch mu man fragen, um eben alle
Seiten durch mehre(re) Augen kennenzulernen.
		-- Jean Paul
%
Der erste Bettler nach einer Feuersbrunst bekommt am meisten.
		-- Jean Paul
%
Man mu nie einen Tadel in ein Schimpf- oder Entscheidungswort
kleiden, weil ein Wort - z.B. Schurke - den ganzen Menschen umfat
und ein Leben abspricht, da der Mensch sich doch so vieler besserer
Ziele bewut ist und berhaupt, weil hier der Proze mit der Exekution
angefangen und der Beweis vorausgesetzt wird, der erst bei dem
Menschen zu fhren ist. So mu man nie sagen: ich habe dir etwas
Unangenehmes zu sagen, weil dieses die ganze Welt des Jammers umfat,
von der uns doch nur eine glhende Kohle gegeben wird.
		-- Jean Paul
%
Gegen den Egoismus - zumal den feinsten - gibt es nun kein Mittel
weiter als - Republik, Anteil an allem.
		-- Jean Paul
%
Wenn sich ein groer Kopf euch zu unbedeutend darstellt: so glaubt
nur, da ers ist, weil er euch dafr hlt.
		-- Jean Paul
%
Wer die Menschen nicht mehr liebt, findet wieder Liebe und Interesse
an einem, der leidet. Der Schmerz fhrt uns die alte Liebe des ganzen
Geschlechts zurck.
		-- Jean Paul
%
Die Begierde nach Geld kann sich sogar in einer edeln Seele
entschuldigen - um nmlich von Menschen (nicht blo von Sachen) frei
zu bleiben, um gegen jene niederwerfende Ungleichheit eine Sttze zu
haben.
		-- Jean Paul
%
Unter allen Arten von Liebe, die der Mensch hat - Eigen-, Kinder-,
Menschen-Liebe - ist keine so schwach als die Wahrheitsliebe, fr die
er nicht einmal kleine Wunden der Eitelkeit sich gefallenlt.
		-- Jean Paul
%
Wenn man in sich eine Vernderung gegen Irrtmer der vorigen Zeit
bemerkt: so hlt man sich nicht fr irrfhiger darum, sondern jetzt
fr krftiger, als ob die Vergangenheit nicht der Zukunft drohe.
		-- Jean Paul
%
Die Schwachheit (das Nachgeben, Verndern) der Mnner macht die Weiber
listig.
		-- Jean Paul
%
Man kann vieles als so scharfe Axiomen sagen, wodurch durch ein Leben
gehandelt worden und werden soll, wenns recht geht, und welche
unmglich gerade bei Anla des Gesprchs knnen erfunden sein und
werden - und die es doch sind.
		-- Jean Paul
%
Durch bertriebnes Lob (aus wahrem Herzen) wird niemals vor dem
Gegenstand bertriebner Tadel (aus wahrem Herzen) gut und s gemacht.
		-- Jean Paul
%
Alles ist eher in einem Staate ins Reine und Vollkommene zu bringen,
Ausbung der Justiz - Rechte - Kammer -; nur die Besetzung der
Stellen, zumal der hohen, offenbart sich als Fleck jedes Staats.
		-- Jean Paul
%
Nicht Mangel an Ideen - denn man hat immer welche -, sondern an neuen
macht Langweile.
		-- Jean Paul
%
Der Wegreisende glaubt stets, weiter zu sein als der Dableibende.
		-- Jean Paul
%
Nicht sowohl der Verstand kommt nicht vor den Jahren als die rechte
geistige DenkFreiheit.
		-- Jean Paul
%
Derselbe Mann, der uns anfangs mit seinem Nachsprechen unserer Ideen
Freude macht, wird uns in schwierigen Fllen lstig und verhat, wo er
unserer Furcht nicht widerspricht und uns keinen Rat erteilt oder
keine Hoffnung.
		-- Jean Paul
%
Mangel an Verschwiegenheit entsteht meistens aus Mangel an Redestoff.
		-- Jean Paul
%
Die Worte des Ehemanns wirken hchstens auf die Ehefrau, wenn er sie
einer fremden vorsagt.
		-- Jean Paul
%
Das Altertum schrieb reiche, groe, edle Worte auf - die Neuen mehr
witzige. - Die jetzigen moralischen Anekdoten zeichnen mehr die
Menschenliebe; die alten die Tapferkeit und jede Gre. Wir knnen
berhaupt jetzt leichter einen Historiker als einen Plutarch ernhren.
		-- Jean Paul
%
Nicht die Frau, die Kinder binden den wagenden Mut, weil wohl jene mit
uns tragen kann, da sie sich mit uns entschliet, diese aber noch
keine Krfte zum Entschlieen und Tragen haben.
		-- Jean Paul
%
Menschen von einigem Talent (wie Erhard) haben sich so sehr mit den
gestickten Gewndern des Jahrhunderts umhangen, so viel Fremdes, was
schn ist, umlegt ihr Eignes, das auch schn ist, da man kaum zum
eigentlichen Wesen durchdringen kann. Nehmt ihnen die Zeit ab: wie
wenig sind sie von denen verschieden, auf die sie herabsehen! - Es
sollte eine Abschlungstheorie geben, um den, der viel von der Zeit
geborgt, doch nicht ber den zu setzen, der wenig geborgt.
		-- Jean Paul
%
Eine Stadt imponiert anfangs, als wren ihre groen Huser und Gassen
eine Masse zum Befehlen - bis man endlich sieht (und zu ihr gehrt),
da alles sich wie im Dorfe in Einzelne zerteilt.
		-- Jean Paul
%
Keinen Titel zu haben schadet oft darum bei Bekannten, weil sie nicht
mit unserer Freundschaft prahlen knnen.
		-- Jean Paul
%
Die Urteile der Mnner ber Menschen wgen den Gehalt blo ab, um
Kenntnis zu haben; die der Weiber ber Menschen, um zu lieben oder zu
hassen; daher jene vielseitiger sind.
		-- Jean Paul
%
Leichter heiratet ein Mann eine Frau aus niederem Stande hinauf als
eine aus hherem herab; die Hof-(Stadt-)kunst ist bald gelernt, aber
nicht so die Kchen- und Haushaltungskunst, sogar bei der Lehre des
Vaters.
		-- Jean Paul
%
In Gesellschaft macht der Witz eine Lcke und Finsternis durch
Blenden; hingegen Laune ergtzt in einem fort.
		-- Jean Paul
%
Gb es nur eine hhere Gattung Tiere: schwerlich wrden wir sie
martern; so sehr nimmt uns die herabsteigende Stufenfolge oder d(ie)
Grenzenlos(igkeit) den Mastab.
		-- Jean Paul
%
Ich kenne sehr geschmackvolle Leute, welche die langweiligsten
Gesellschafter sind, weil sie immer nur zu fhlen und zu schmecken
gewohnt sind und andern folglich nichts zu fhlen und zu schmecken
geben.
		-- Jean Paul
%
Jeder Freund hlt es fr den grten Genu, dem andern die Wahrheit zu
sagen - am Hren findet keiner einen sonderlichen.
		-- Jean Paul
%
Es ist schlimm, da man vor lauter heierer Liebe zu Freunden ihnen
gerade das Bestimmteste ber ihre ganze Lage zu sagen wagt.
		-- Jean Paul
%
Keine Frau knnte durch das Ankleiden so viel gewinnen als sie
verliert, wenn man ihr dabei zusieht.
		-- Jean Paul
%
Die einfachsten Menschen hr ich die feinsten Vermutungen uern, wenn
der Schritt etc. eines Gesandten, Ministers politisch zu erklren ist.
		-- Jean Paul
%
Einer kann stets sein Wort halten, seine Vorstze ausfhren und doch
vernderlich sein; er fhrt nmlich nur die gesagten aus; aber in den
gedachten ist er vernderlich; und niemand wei es.
		-- Jean Paul
%
Man mu, um einen Menschen zart und fein zu behandeln, nicht blo nach
der hohen Achtung messen, die man fr ihn hat, sondern auch die
(vielleicht irrige) Achtung erraten, die er fr uns hegt und nach
deren Gre ihn unsere Vernachlssigungen schmerzen.
		-- Jean Paul
%
Es gibt gewi blo darum vieler glcklichen Ehen mehr, weil der Mann
nicht mit zu erziehen suchte.
		-- Jean Paul
%
Nirgends ist mehr Kriegsenthusiasmus als in der Hauptstadt, weil nie
oder selten der Krieg dahin kommt. Eine Provinzialstadt voll
Kriegslust wre etwas Hheres.
		-- Jean Paul
%
Man tadelt den eignen Hund, der an jedem Fremdling aufhpft, liebt es
aber, wenn es uns geschieht; so hassen wir unsern Schmeichler nicht so
sehr als einen fremden.
		-- Jean Paul
%
Durch Tadel wird man fter mehr vorsichtig und klug als besser.
		-- Jean Paul
%
D(er) Treulose macht Treulose; wer kein Wort hlt, findet keinen
Worthalter mehr.
		-- Jean Paul
%
Wenn man in Gesellschaft ein lobendes Urteil fllt, darf man es in
starke Ausdrcke zusammenfassen. Hingegen bei einem Tadel mu man nur
die Grnde, keine Benennungen sagen, 1) weil man dem fremden Urteil
vorgreift 2) weil der andere leicht an unsern frohen, aber nicht [an]
zornigen Ausbrchen Anteil nimmt 3) weil der Gegenstand des Tadels
nicht Grnde, nur Namen rcht. Man darf sagen: A. ist ein Engel! - nie
aber: A. ist ein Teufel!
		-- Jean Paul
%
Ein Mann wie Voltaire taugt(e) zu keinem ewigen Hofmann, weil seine
Kraft die Ebene und Leichtigkeit der Geselligkeit unterbrach.
		-- Jean Paul
%
Durch Trinken vor der Ehe gewhnt der Mann die Geliebte an bermige
Liebeszeichen; in ihr hat es entgegengesetzte Folgen.
		-- Jean Paul
%
Weiber hassen an Weibern, nicht an Mnnern Eitelkeit und Stolz.
		-- Jean Paul
%
Fiel einer einmal in den Verdacht der Eitelkeit: so wickelt er sich
nicht mehr daraus heraus, er handele, wie er will.
		-- Jean Paul
%
Die Toleranz ist leichter gegen den, der schlecht handelt und sich
dafr hlt, als gegen den, der gemein egoistisch etc. handelt und sich
fr edel nimmt.
		-- Jean Paul
%
Durch bermiges Lob wird der Autor nicht fr bermigen Tadel
entschdigt. Jenes nimmt das halbe Vergngen (und gibt weniger als
gerechtes Lob) durch die Unvollkommenheit des Lobredners und durch die
Erinnerung an die gelobten Vorzge, deren man eben entbehrt.
berm(iger) Tadel verwundet 1) durch Nachsprechen 2) fremde
Unvollkommenheit 3) eigne Geneigtheit, ihm zu glauben 4) Gefhl der
Beleidigung.
		-- Jean Paul
%
Man mu nie dem einen leidenschaftlichen Ausbruch zeigen, der dessen
Ursache nicht kennt.
		-- Jean Paul
%
Ein berhmter Mann schreibe ein Buch mit Grnden, z.B. gegen den Eid
- man vergit, zitiert, widerlegt das Buch - aber er lasse in einem
ganz davon fremden Werke, z.B. wie Lessing, Schiller etc. ein Wort
dagegen fallen ohne Grnde: man zitiert ihn als Autoritt.
		-- Jean Paul
%
Dies ist die Probe, wie hoch man einen andern Menschen stelle und
liebe, inwieweit man von ihm in Rcksicht der Glcksgter abhngig
sein will. Nur dies Gefhl entscheidet ber die Ansicht fremden
Gehalts.
		-- Jean Paul
%
Darum, weil es eine erste Liebe gibt - und Flitterwochen - und Ideal
der Jugend und Kindesliebe: so gibt es auch erste Freundschaft; aber
der Gegenstand ist nicht sein Wert.
		-- Jean Paul
%
Kein Mensch nennt sich dmmer als den andern; kein Zeitalter nennt ein
voriges klger, sich blo schlimmer und klger.
		-- Jean Paul
%
Nicht nur zu einem Lgner - oder zu einem Spieler - gehrt Gedchtnis,
sondern besonders zu einem Weltmann und Gesellschafter.
		-- Jean Paul
%
Man fhlt in sich zweierlei Tugenden 1) moralische Anlagen
(Tendenzen), welche man (dies ist man sich bewut) in allen andern
Verhltnissen und Umgebungen erhalten und bewahrt htte -
2) gewonnene, gleichsam klimatische Sittlichkeit, fr deren Bestand in
ganz anderem Boden der Erziehung etc. uns unser Gefhl nichts
verbrgen will.
		-- Jean Paul
%
Man denkt sich fremden Ha gegen uns viel heller und ergreifender als
das fremde Lieben. Besonders stellt man sich in der Ehe jenen heller
vor als dieses.
		-- Jean Paul
%
Man bereuet mehr die Feigheit als die Khnheit des Handelns, insofern
jede von beiden echt gewesen.
		-- Jean Paul
%
Warum hngt auch dem redlichst-liebenden Mann, der sein Seelenglck in
einer weiblichen Seele gefunden, noch etwas von dem Bestreben an, auch
eine zweite ebenso edle Seele fr sich zu haben, als obs nicht an
einer genug wre?
		-- Jean Paul
%
Die grte Schlechtigkeit der Menschen hab ich in Predigten gefunden -
nicht ber jene, sondern an diesen. In Kant, Fichte, Schelling find
ich nichts, als was rein strkt oder erhebt oder begeistert.
		-- Jean Paul
%
Bcher und Anstalten etc. wirken zwar wenig auf einzelne Menschen,
aber dadurch, da sie zur Sitte arten, auf Vlker.
		-- Jean Paul
%
Man idealisiert jeden, den man zum ersten Male sieht - entweder auf-
oder abwrts.
		-- Jean Paul
%
Nie sollte der Mann zrter gegen die Frau sein als nach einem
Geschenk, um ihr jetzt das Gefhl der Verbindlichkeit zu erleichtern.
		-- Jean Paul
%
Entweder das Neueste oder das lteste (aus der Jugend) gefllt auf
Reisen. Am Ende gibts kein Neuestes mehr, aber das lteste wird lter.
		-- Jean Paul
%
Bei weiblichen Gesprchen hrt man von weitem ewig(es) Lachen.
		-- Jean Paul
%
Ich habe wohl eine mnnliche Gesellschaft nacheinander reden hren,
aber keine weibliche.
		-- Jean Paul
%
Der bessere Sonntagsanzug gibt bei dem Volke der Kirche Heiligkeit und
predigt frher als der Mantel des Pfarrers.
		-- Jean Paul
%
Oft besteht die gr(ere) Kraft eines Mannes weniger darin, wie er ein
Amt verwaltet, als wie [er] in dasselbe gelangte.
		-- Jean Paul
%
Man lt in (nach) langen Disputationen so gern die Beistze und Stze
des andern gelten, wenn unsere vorher gegolten.
		-- Jean Paul
%
Jeder, der Unsterblichkeit auf seinem Wege errang, begreift nicht die
Anstrengungen eines andern, z.B. Bonaparte, der sie auf einem andern
sucht, und tadelt die Anstrengung.
		-- Jean Paul
%
Der Geizige ist eine beinah poetische Besonnenheit der Gegenwart; er
sieht alles, wenn auch zu anderm Zweck als der Naturforscher und
Dichter.
		-- Jean Paul
%
Wie anders ist die Bewunderung im 20. und die im 40. Jahre! Jene nimmt
man oft zurck, und sogar bei dem hchsten Grade hat man noch eine
geheime Hoffnung, den Gegenstand zu erreichen. Wen ich aber jetzt
bewundere, hoff ich nie zu erreichen und bewundere ihn desto mehr.
		-- Jean Paul
%
Die rechte unwillkrliche Originalitt rgert sich, da nicht jeder
ist wie sie -, die scheinbare will gar nicht, da andere sind wie sie.
		-- Jean Paul
%
Man kann ziemlich seinen eignen innern Menschen - den moralischen,
sogar den intellektuellen - kennen; aber [nicht] das Ensemble unsers
uern, den Eindruck, den unser ganzes Reden und Erschein(en) auf
andere macht.
		-- Jean Paul
%
Auch die grten Menschen, die uns jetzt mit ihrer Khnheit und
Gleichgltigkeit gegen Urteile ergreifen, waren als Jnglinge
furchtsam - man kommt nur allmhlich zu Mut gegen und ber Urteile
hinaus.
		-- Jean Paul
%
Wenn von 2 Menschen der eine [ich] zum andern [Cloeter] sagt: wir
verstehen uns nicht: so hat er sich eben verstanden.
		-- Jean Paul
%
Die rzte haben auch darum weniger Schein des Mitleids, weil sie
Anschlge des Helfens haben; die Trostlosigkeit, nicht helfen zu
knnen, hat keinen Trost als den zu weinen.
		-- Jean Paul
%
Eheweiber nehmen (vom Manne) wohl eine Belehrung, eine Voraussagung
an, nie eine Widerlegung.
		-- Jean Paul
%
Zwei Irrtmer setzen unsere Handlungen fr (vor) den andern in
falsches Licht. 1) Je mehr wir unser Ich und den rchenden Stolz
desselben genieen und zeigen, desto mehr glauben wir, unsere Freude
erzeuge die fremde. 2) Je weher uns Nachgeben und Zuvorkommen tut,
desto weniger setzen wir voraus, da es den andern oder den Feind um
so mehr gewinne und befriedige, und wir glauben nicht, da unserem
Gefhle gerade das entgegengesetzte antworte.
		-- Jean Paul
%
Man frchtet den Gerechten, noch mehr den Ungerechten.
		-- Jean Paul
%
Fast alle Menschen sind gut, wenn man ihnen die Qual des Bedrfnisses,
der Verhltnisse, oder der Not wegnimmt. Sie wollen alle das Beste,
ohne die Kraft, es zu holen.
		-- Jean Paul
%
Ein anderes ist, wenn ein Mensch das Geld huft, um etwas zu brauchen
- ein anderes, wenn er's huft, um es noch hher zu hufen; denn hier
beginnt der Geiz; das Aufhufen hat keine Grenze, da es selber das
Ziel ist.
		-- Jean Paul
%
Es ist nicht Stolz, da der Negersklave gegen seine Frau so herrisch
ist oder jeder Oberbediente gegen den Unterbedienten - Wut und Zorn
ist's gegen die hhere Ungerechtigkeit und Ungleichheit. - Der
Kutscher und Jger peitschet seine Tiere am meisten, wenn er
ausgescholten worden - so die Mutter die Kinder.
		-- Jean Paul
%
Es ist physisch viel leichter, eine Nonne zu sein als ein Mnch;
moralisch viel schwerer.
		-- Jean Paul
%
Nichts ist unbegreiflicher als die Ursache, warum dasselbe Weib - zu
verschiednen Zeiten - so viel versagt und gewhrt.
		-- Jean Paul
%
Weswegen jetzt die Ehen unglcklicher sind gegen sonst, ist, weil die
mehr empfindsamen Mnner die Frauen mehr zur Empfindung aufregen, die
dann nach ihrer Ungemessenheit ins Unendliche geht. Sonst zeigte ein
Mann seine Empfindung durch Tat im Leben; und da war es vorbei; jetzt
fordert ein Wort das andere.
		-- Jean Paul
%
Der edlere Mensch verschlimmert sich mehr durch das Unterlassen guter
Menschen (Freunde) als das Unternehmen bser.
		-- Jean Paul
%
Auch in der Ehe etc. gilt's, ein Wort ist giftig-durchgreifender als
eine Tat, weil diese viel-, jenes nur eindeutig ist. Jene offenbart
nur den Augenblick, dieses das Herz. Es gibt in der Ehe etc. Worte,
die man zu entschuldigen nicht braucht, aber auch nie vermag und denen
[man] nichts vorwerfen kann als ihr Dasein. Doch die rechten
eigentlichen Donnerworte sind nicht die in Leidenschaft - dann gehren
[sie] ja zur Tat selber -, sondern die in der Ruhe und Unbefangenheit
gesagten.
		-- Jean Paul
%
Je lter man wird, desto mehr schtzt man Ordnung.
		-- Jean Paul
%
So treulos auch die Frauen gegen Mnner scheinen, so sind sie es doch
mehr gegen Frauen. - Keine ist gegen die andre ehrlich (auf Kosten der
Mnner und ihrer). - Kurz, sie wissen doch zu schweigen.
		-- Jean Paul
%
Eine Gattin verzeiht leichter Untreue und Freude an fremden Reizen,
als Klte gegen ihre.
		-- Jean Paul
%
Man erzrnt sich immer mehr gegen einen, fr den man erst den Zorn
einige Zeit aufheben mu - und genade ihm dann Gott!
		-- Jean Paul
%
Ich begreife, wie man ein Tyrann sein kann; aber nicht, wie man einer
einen ganzen Tag lange sein kann.
		-- Jean Paul
%
Das Unrecht, das dir geschieht, treibe rchend ab, aber nicht als
Individuum, sondern als Menschheit; diese soll sich nichts gefallen
lassen.
		-- Jean Paul
%
In der Politik errt sogar das Publikum stets das Listige und Feine;
nur das Groe und Reine allein ist dazu gemacht, nicht geahnet zu
werden.
		-- Jean Paul
%
So lange man lieset, besinnt man sich auf all(es), nur nicht auf sich.
		-- Jean Paul
%
Man sollte niemand ber Furchtsamkeit tadeln, bis man wei, wie wenig
oder viel er dagegen gearbeitet.
		-- Jean Paul
%
Ein Buch ist fr das Volk ein Stck Kirche oder Religion.
		-- Jean Paul
%
Je lter man wird, desto mehr will man gewhnlicher erscheinen, um nur
nicht die Mhe zu haben, bemerkt zu werden.
		-- Jean Paul
%
Was der Mensch von Menschen erfhrt, ertrgt er weniger, weil ers mehr
der Freiheit als dem Schicksal zuschreibt.
		-- Jean Paul
%
Wenn du in der Hitze glaubst, du sprchest stark in der Gesellschaft
oder zu einem Menschen: so sei versichert, du sprichst zu stark.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber sind verdrlich (eigentlich herrisch und auffahrend wie
bei dem Anputz, daher die Rmerinnen da so viele Grausamkeiten
verbten), wenn sie Wsche haben; die Mnner, wenn sie nur waschen
sehen, besonders die Zimmer.
		-- Jean Paul
%
Man hlt so oft den Vorsatz des Autors, nicht mehr so zu schreiben wie
in der Jugend, fr Unvermgen, so fortzufahren.
		-- Jean Paul
%
Im jngsten Kinde ist am meisten zu gewinnen durch Gewohnheit -
unterwegs bis zur Mannbarkeit ist, glaub ich, weder durch Gewhnen
noch sonst viel zu bestimmen. - Hingegen mit der Mannbarkeit oder der
Jnglingsschaft fngt ein neuer Frhling an, der nicht einmal im Manne
wiederkehrt und der alles bestimmt, oft in einem Tage oder durch einen
Menschen. Die Lebenszeiten der Menschen gleichen Jahreszeiten; in
ihrem Anfange se; der Fortgang reift blo.
		-- Jean Paul
%
Man sage nicht, da man einen Menschen kenne, geschweige eine Frau,
ohne in ein Handels Verhltnis damit gekommen zu sein. Schaue eine
schne, milde, liebende Frau wochenlang an; und hre ihre Worte: sie
sagt doch nur ihre Vorstze, Poesien, Wnsche und alles, was sie in
ihrer Kraft selber glaubt. Aber sie handle im Ungestm der
Verhltnisse und im Widerstreit zwischen sich und auen und dir: dann
zeigt sichs.
		-- Jean Paul
%
Die schwachen Menschen widersetzen sich einem Ent- und Einwurf gegen
ihr Leben am strksten, aus Bewutsein ihrer ewigen Nachfolgsamkeit; -
schweigt man darauf, so tun sie, was sie verneinten.
		-- Jean Paul
%
Das meiste und Gewhnlichste, was Jugendfreunde nach sptem
Wiedersehen aneinander bemerken, ist, da sie dicker geworden.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch fodert nach jeder Unterwerfung noch eine tiefere;
unrechtm(iger) Widerstand ist ihm verhater als unrecht(miges)
Nachgeben.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe gilt Verstand (zumal des Weibs) weit mehr als Liebe. Diese
hlt nicht lange nach, wird leicht gestrt und bringt nie in Ordnung.
Also bildet eure Tchter verstndig, nicht blo liebend.
		-- Jean Paul
%
Vielleicht entsteht Menschen-Verachtung weniger aus Beobachtung ihrer
Schlechtigkeit als ihrer ewigen Wiederholung, nmlich der Wiederkehr
von Glanz in Schatten.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen und Kinder bedecken beschmt nicht das Gesicht, um es
andern zu verbergen, sondern um andere sich zu verbergen, da in der
Scham menschliche Gegenwart zu hart anfat.
		-- Jean Paul
%
Da im Ganzen die Menschen nicht im Glcke besser, sondern schlechter
werden - leichter umgekehrt im Unglck - beweist hart gegen sie.
		-- Jean Paul
%
Bei den Menschen lscht die letzte Handlung tausend vorhergehende
Wohltaten aus, so sehr sind die Gefhle nur Geschpfe des neuesten
Augenblicks.
		-- Jean Paul
%
Es gibt Menschen, denen jedes Lob Tadel ist, das nicht das grte ist.
		-- Jean Paul
%
Im Moralischen darf man um keinen Rat fragen; nur fragen, wie, nicht
ob man zu handeln habe. Aber der Mensch versteckt gern das Ob und Wie
hintereinander. So will er stets nur Besttigungen (Ratifizierungen)
seines Entschlusses, nicht Angaben desselben.
		-- Jean Paul
%
Einen Menschen beobachten heit nicht, sehr aufmerken auf ihn, sondern
ihn rck- und vorwrts mit seiner Gegenwart vergleichen - und ihn
nicht mit mir und umgekehrt vergleichen.
		-- Jean Paul
%
Das Entscheidende bei Autoren und Frsten ist weder die Kenntnis der
Menschen noch die des Menschen, noch weniger die des einzelnen,
sondern die Vereinigung davon.
		-- Jean Paul
%
Jedes Tun in der Ehe und Gesellschaft wird strker, wenn man den
andern nicht darauf hinweist und ihm die eigne Reflex(ion) darauf
verrt; eigne Handlungen soll man so wenig erklren als eigne Bonmots.
		-- Jean Paul
%
Woher kmmt's, da das gelesene oder erlebte Beispiel der grten
moralischen Aufopferung etwas Ses und blo Liebenswrdiges und
Anziehendes fr uns hat, das Gebot selber aber in einer Sittenlehre
etwas Zurckstoendes?
		-- Jean Paul
%
Wie man kein Prophet im eignen Vaterland ist, so auch kein Redner und
Beredner gegen die eigne Frau.
		-- Jean Paul
%
Man kommt in der Ehe am besten aus, wenn man nicht liebt; sowie am
besten, wenn man blo liebt.
		-- Jean Paul
%
Viel lt sich von einem Mann erraten, wenn man ihn das einem andern
erzhlen hrt, was man mit ihm selbst erlebte als Augenzeuge.
		-- Jean Paul
%
Die Liebe will 1 Menschen; die Wollust alle Menschen; nur hat diese
dann nicht genug; jene aber an 1 die Unendlichkeit.
		-- Jean Paul
%
Man mu, schon aus Welt, dem andern auch nicht das geringste
Unangenehme sagen, sobald man nicht ihn oder sich bessern damit will
oder kann. Sage nicht zum Mietsherrn, deine Zimmer haben keine
Morgensonne.
		-- Jean Paul
%
Im Buche oder Lebensbeschreibung verliert ein Corneille oder
Lafontaine nichts dadurch, da er im wirklichen Leben nicht reden
kann; aber im Leben knnen wir uns nicht daran gewhnen und tragen
mehr den Menschen in den Autor als diesen in den Menschen hinein.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen rechnen einem nicht an, wo man ihnen Recht gibt, sondern
nur, wo man ihnen Unrecht gibt.
		-- Jean Paul
%
100 000 etc. gute Handlungen knnen das Herz nicht fr eine bse
entschdigen, schuldlos machen oder beruhigen - so sehr sind wir zum
Guten geboren.
		-- Jean Paul
%
Wer Ruhm hat, fragt nach der Ehre weniger.
		-- Jean Paul
%
Die krperliche Liebe begehrt Wechsel, die geistige dieselbe Person.
		-- Jean Paul
%
Manche suchen aus Eitelkeit stolz zu sein.
		-- Jean Paul
%
Um geistreich zu sprechen, habe man - wenn man es auf irgendeine Art
ist - nur den Mut, alles auszusagen. An der Furcht stirbt das Genie.
		-- Jean Paul
%
In bsen Augenblicken der Ehe rechnet der Mann immer die eignen
Tugenden auf 1 Summe zusammen; nun so rechne er auch die seiner Frau
so auf.
		-- Jean Paul
%
Viel Znkereien in der Ehe kommen davon, da man verlangt (fordert),
der Gatte soll die Liebe erraten, die man auszusprechen zu stolz oder
zu schamhaft ist.
		-- Jean Paul
%
Fr Kinder fllt Lob und Liebe der Eltern in eins: 'das ist schn, da
du den Schlssel aufhebst.' Hier zugleich Gefhl fremder Achtung und
Liebe und eignen Werts.
		-- Jean Paul
%
Der Kritikus sollte blo das einzelne oder die Werk-Teilchen tadeln,
aber den Werkmeister mglichst loben. Der einzelne Tadel samt dem Lobe
des Verfassers erhebt diesen zu hherem; das brige ist umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Willst du die mnnlichen Deutschen zu einem ordentlichen Gesprche
bringen: veranlasse eine Disputation ber eine Wissenschaft etc. -
Rein, gesellig sprechen knnen sie nicht. Nur die Weiber hchstens
knnen in einigen Gegenden (z.B. schsischen) ein Gesprch ber alles
spielend fhren wie ein Franzose.
		-- Jean Paul
%
Noch keine fromme, alle Pflichten treu erfllende Hausfrau hat je
gesagt: ich bin zu gut fr die Erde - hchstens: ich verdiene sie
nicht ganz -, aber die empfindsam zarten, die nichts tun, sagen es.
		-- Jean Paul
%
Es ist ein fast unvermeidlicher Trug, da man desto mehr auf den
andern zu wirken (wrmen) glaubt mit Zornfeuer, weil uns dies selber
so viel zu genieen gibt - indes den andern gerade unsere grte Ruhe
und Klte am meisten erwrmt und fr uns gewinnt.
		-- Jean Paul
%
Seltsam sind die Weiber! Kein Mann wird sich eine schnere Weste von
einem andern erborgen, um mit seinem Bauche gesellig zu glnzen. Aber
eine Frau trgt ohne Bedenken entlehnte Perlen, Hte etc.
		-- Jean Paul
%
Schwerlich wird irgendein Ehemann die Minute fr schn und liebevoll
empfinden, wo er mit ihr nach ihrem Anziehen in eine groe
Gesellschaft geht - aus dieser zurck, denkt sichs leichter.
		-- Jean Paul
%
Was am Menschen das Reinste ist, ist vielleicht sein Streben nach
immer schrferem Wissen, wobei er sich vergit und jeden Ruhm. Nur
hier erscheint die Menschheit im groen Schritt zur Gre.
		-- Jean Paul
%
Der groe Unterschied zwischen Weibern, 1) die Talent, Scharfsinn,
Philosophie sogar haben, ja Empfindung und 2) die Verstand,
Hausverstand haben, Berechnung zwischen sich und Mann und Kind, und
berhaupt Berechnung. Nr. 1 gefllt vor, Nr. 2 in der Ehe.
		-- Jean Paul
%
Den (inlndischen) Ruhm groer Minister, Feldherrn, Frsten strzt
eine einzige Staatsumwlzung oder Eroberung.
		-- Jean Paul
%
Man hat oft eine prosaische Unterredung selber mit fortspinnen helfen,
die man ungerecht tadelt, da sie der andere fortsetzt, wenn man in
einer poetischen Stimmung ist.
		-- Jean Paul
%
Man wird zwar fr die Verhltnisse, worin man betrogen wurde, knftig
klger; aber man bildet sich dann flschlich ein, man sei es auch fr
die geworden, worin man noch nicht betrogen worden.
		-- Jean Paul
%
Wenn das Genie schon in seiner Jugend, vor der Erfahrung so viele
Erfahrungen antizipiert hat: was wird es erst im Alter zu sagen haben
nach den Erfahrungen; aber es sagt eben da leider so wenig mehr, und
das Seltenste wird eingesargt.
		-- Jean Paul
%
Auch die geistreichen Menschen suchen - sobald sie einander nur einige
Male zuerst gesehen - dann mehr die Bcher als deren Verfasser.
		-- Jean Paul
%
Ist man einmal aus dem rechten Gesichtspunkte (Fokus) eines Menschen
gekommen: so werden, zumal in der Ehe, gerade Strahlen seine Flecken -
z.B. Festigkeit gegen Freunde und Fremde und dann wieder
Nachgiebigkeit sonst, beide Dinge werden so abgeleitet, da eines
Egoismus heit, das andere Schlaffheit.
		-- Jean Paul
%
Die Arbeit ist ein Vergngen, das als Widerspiel schlecht anfngt und
dann immer mehr erfreuet und das am Ende gerade zu allen andern
Vergngen einldt.
		-- Jean Paul
%
Wenn man bei einem Frsten durch groe Sittlichkeit den hchsten
Posten eines Gnstlings erobert; so fodert jener leise und spt, da
man ihn durch einige Flecken oder Abweichungen von jener behaupte.
		-- Jean Paul
%
Man glaubt immer, der Mensch, der eine neue, die erste Meinung ber
das ganze Ideen-System gehabt, z.B. Leibniz, msse auch eine neue
ber jedes einzelne, z.B. den Stiefelknecht, haben; daher die Liebe
zu Biographien.
		-- Jean Paul
%
Ein Jngling ist viel khner und furchtsamer als ein Mann. Khn tritt
er z.B. ins Publikum oder vor jeden groen Mann; ein Nein macht ihn
oft auf immer zaghaft. Der Mann hingegen wagt weniger, und nach Nein
fragt er weniger.
		-- Jean Paul
%
Argwohn argwhnen ist nicht darum immer selber einer.
		-- Jean Paul
%
Wer irgendeinen tiefen Verstand herauswittert, hat den tieferen; jener
schrieb ungebildeter, dieser las gebildeter.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber sind gut, aber schwer werden sie besser.
		-- Jean Paul
%
Vielleicht erriete man gewisse Menschen besser, wenn man sich dchte,
als Dichter sie darstellen zu mssen.
		-- Jean Paul
%
Ist man in der Liebe und Freundschaft darin, so rechnet man ihr sogar
gewhnliche Tugenden als Reize an - dem Unbekannten aber fordert man
sie ab ohne Dank.
		-- Jean Paul
%
Ein ganz neues Verhltnis zwischen 2 unverheirateten Freunden und so
zwischen 10 - wenn alle heiraten; denn die Weiber und ihre eheliche
Liebe und auereheliche Abneigung kommen doch auch in das frhere
leichte, feste, warme Verhltnis.
		-- Jean Paul
%
Es gibt 2erlei ganz verschiedne Tne, um nach dem Lobe den Tadel
folgen zu lassen. Der erste macht das Lob zur Hauptsache, nicht zur
Entschuldigung und ist weitlufig; dann fgt er vorbeilufig den Tadel
an. Der zweite ist, da man - im Tone liegt schon ein Zwar fr das
knftige Aber - das Lob als Entschuldigung des nahenden Tadels
ausspricht.
		-- Jean Paul
%
Jeder hat fr seine Besonnenheit seine besondern Gegenstnde; der eine
schweigt darber, der andere darber.
		-- Jean Paul
%
Gegenwrtiges Unglck verdau ich in wenig(en) Stunden; aber knftiges
bleibt mir im Magen liegen.
		-- Jean Paul
%
Bei allem Rechte zu Achtung und Lob ertrotze diese nicht gewaltsam -
nichts wird leichter der Gewalt versagt als dies.
		-- Jean Paul
%
Die Koketten gewinnen - wenigstens fr einen Abend - sogar ernste
Mnner nicht durch ihre Reize oder das starke Vorspiegeln derselben,
sondern durch das Vorspiegeln ihres Liebens. Dem Geliebtsein
widersteht man sogar in einem Alter schwer, wo man der Schnheit
widersteht.
		-- Jean Paul
%
Gerade dem, der vielen Ruhm hat, erlaubt man nicht die Anmaung
irgendeines kleinsten Verdienstes (Nebenrhmchens), das vielleicht
andere haben, sobald er es nicht wirklich verdient. Man hlt es fr
Geiz und Raubsucht.
		-- Jean Paul
%
Die Einmischung der franzsischen Sprache soll den Adeligen in ihrer
platten deutschen so etwas sein wie Witz; sie ekeln sich selber ihres
Gesprchs.
		-- Jean Paul
%
Man sollte nie schweigen, wenn man nur einigen Ruf hat; Schweigen wird
fr Verachtung und Zurckziehen angesehen, und man [wird] gehat blo
fr Schchternheit.
		-- Jean Paul
%
In kleinen Stdten, Hof wei man die neuesten Moden in Kleidern, nicht
in Bchern.
		-- Jean Paul
%
Die Freundschaft hat so gut ihre Blte - die aber Jahrzehnte lange
steht - als die Liebe, die krzer ist. - Aber ist jene abgebrochen: so
ist viel und unersetzliches dahin, und Gott bewahre jeden davor.
		-- Jean Paul
%
Wenn ein Lehrer immer weiter lehrt und lernt; wenn er das Gelesene
sogleich zu einem Gelehrten vor Schlern machen kann: so mu ihn jedes
neue Buch unendlich heben, weil er damit andere hebt und die erkauften
Gewinste fr krftige Eroberungen ansieht.
		-- Jean Paul
%
Habe dasselbe Entzcken ber 2 Bcher, aber ber das eine in der
Jugend, ber das andere im Mannsalter: nur dort bei dem ersten hngt
sich dem Buche ein Glanz an, den das zweite nie bekommt.
		-- Jean Paul
%
Langweile ist nicht, wenn man nichts Besonderes hat, sondern wenn man
es erwartet. - Ruhig, ja seelig liegt der Trke ohne ein fremdes Wort;
aber sobald es ihm versprochen ist, kann er kaum mehr sitzen.
		-- Jean Paul
%
Fnde der gute Mensch oder Ehemann nur immer das Gute: o wie wrd er
sich gleichbleiben! - Aber im Kampfe gegen das Bse wird er sich
selber unkenntlich und am Ende - wegen der Ausweichungen des Bsen -
selber zu diesem und sich unhnlich.
		-- Jean Paul
%
Je mehr eine weibliche Physiognomie der mnnlichen [sich] nhert -
desto richtiger schliet sich aus ihr. Hingegen die echt weibliche,
milde, schne verbirgt den starken Engel oder schwachen Teufel
zugleich.
		-- Jean Paul
%
Der Jngling habe einen lebendigen Groen-Mann, aber nicht in seinem
Fache und Triebe vor sich - sondern nur Gren seitwrts in andern
Wissenschaften; denn jener gb ihm ewige Richtung und verschlng ihn.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen wollen immer vom Autor etwas Groes im Stoffe, um sich zu
entschuldigen, da sie kein Groes in der Form finden; und um zu
verhehlen, da sie eben das rechte Groe, das berall sein kann, nicht
kennen.
		-- Jean Paul
%
Je hher die Stnde, desto mehr hat der Mann zu tun und desto weniger
die Frau. Der Knig mu doch wenigstens bedenken und unterschreiben.
Die Knigin lebt von ihm. In untern Stnden ist es wie bei Wilden fast
umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Nichts ist leichter, als die Kinder dazu zu erziehen, da sie
gehorchen, gefallen, aufwarten und alles tun, was Eltern und andere
Erwachsene begehren. Freilich sind dann die Kinder nichts, nicht mehr
als die Eltern. Aber schwerer ist es, Gehorsam und Freiheit zu
vereinigen, die Kraft dazulassen und doch zu lenken und sich selber
einen Gegner der besten Art zu erziehen.
		-- Jean Paul
%
Wer sich der Eitelkeit recht bewut ist, verbirgt sie stark und doch
ohne Erfolg; wer nicht, ist geradehin und vielleicht angenehmer eitel.
		-- Jean Paul
%
Keine Frau ist zur Vernunft zu bekehren; doch die gutmtige durch
Liebe ohne Grnde; die geniale durch beides nicht.
		-- Jean Paul
%
Ich habe zuweilen gefunden, da das einzige Gute, was noch in groen
adeligen Familien nachwuchs - z.B. bei Gieg - blo dem brgerlichen
Hofmeister zu danken war.
		-- Jean Paul
%
Noch mehr Kinder gehen verloren durch zu vieles Erziehen als durch zu
weniges. Grnlnder, Wilde, Goten etc., Hake's Kind gut, trotz aller
Vernachlssigung.
		-- Jean Paul
%
Um sich recht zu erkennen, mu man nur sich seiner Jugend recht scharf
erinnern, ohne Gegenwart etc. einzumischen. Dort gab sich dir dein
Umri.
		-- Jean Paul
%
Die Probe des Feinen ist nicht, gegen den Feinen fein zu sein - sie
wre zu leicht - aber wohl gegen den Groben es zu bleiben.
		-- Jean Paul
%
Der Eitelkeit oder ihrem Scheine entgeht niemand, wenn ihn nicht eine
groe Idee erfllt, die ihn gegen sein Selbst verblendet.
		-- Jean Paul
%
Wer Kraft hat, aber keine, mit der er ein Werk erschfe, gebe nur, wie
Arndt, Reisebeschreibungen. Alles ist hier zufllig - was begegnet -
und unter dem Begegnenden noch, was der Verfasser nur aufnehmen will
-, und dann kann er ber jedes Individuelle, das ihm als Folie dient,
seinen, kleinen Juwel von Gedanken legen. Ein Reisebeschreiber kann
der unterhaltendste witzigste Mann mit den kleinsten Kosten des Kopfes
sein, wenn er's recht macht.
		-- Jean Paul
%
Der Unsinn: da man durch alle Vorsicht und Glcksflle je dahin
gelangen knne, da einem eine zufriedne schon gefundne Lage nicht
mehr gestrt werde - Aus hherem Glck erwchst hheres Unglck usw.
		-- Jean Paul
%
Jeder hat seine Weise, sagt man. Aber man wundert sich weniger, da
man nicht die fremde, als da der andere nicht die unsrige hat.
		-- Jean Paul
%
Wer kein Weiberhasser werden will, hre nie 2 Weiber miteinander
zanken.
		-- Jean Paul
%
Gewissen Menschen, z.B. dem Fischer, die Verachtung auszudrcken, die
man gegen sie hat, mte man ihnen erst alle die Kenntnisse und
Gesinnungen geben und beibringen, die uns eben von ihnen
unterscheiden.
		-- Jean Paul
%
Alle Klarheit, die man ber fremde Charaktere habe, gibt doch noch
keine Sicherheit vor Selbsttuschung und fremder Schmeichelei; das
Unglck ist eben, da man drei schwere seltene Kenntnisse haben mu,
die von sich, die von andern, die von der Ansicht des andern gegen
uns. - Man sollte geradezu voraus-[setzen, da] einem jeder ein wenig
mehr Gutes sage, als wir glauben.
		-- Jean Paul
%
Zur Ehe gehrt nicht blo, da man das Mdchen, sondern auch, da man
sich prfe - ob nmlich 2 Vortreffliche dennoch sich einander nicht
fgen.
		-- Jean Paul
%
In der Liebe wird der Ernst der Jungfrau bezaubern; in der Ehe, die
selber ein langer Ernst ist, mchte leichtes Scherzen und Bescherzen
der Welt besser einschlagen.
		-- Jean Paul
%
Durch manche Gesichter scheinet jede innere Bewegung so hell durch,
da es nicht genug ist, wenn sie nichts uern; zu ihrer Verstellung
ist sogar das Anstellen des Entgegengesetzten ntig.
		-- Jean Paul
%
War man zu sanft und stoisch im ehlichen Zank, so braust's nachher
auf, und man vergibt schwerer. War man zu wild: so bereuet man und
vergibt leichter.
		-- Jean Paul
%
Je lnger man lebt, desto krzer werden uns die Jahre. Denke an das
Reisen: ein Vormittag auf der Reise zugebracht ist lnger als
10 Vormittage zu Hause; aber warum? Die Menge neuer Gegenstnde
vervielfacht die Aufmerksamkeiten oder die Ideen, als Zeitmesser.
Ebenso scheint uns die Jugend lnger, weil in ihr alles neu ist und
also die Zeit verdoppelt, im Alter aber alles einfrmig wiederkehrt.
		-- Jean Paul
%
Wenn nur eine erste Liebe recht glhend da war: so schadet ihr
Untergang, ihr Tten mit Wasser nichts; ewig ragen die Trme der
berfluteten Stadt empor. Aber es gibt Menschen, die keine erste Liebe
hatten.
		-- Jean Paul
%
Ich wei nicht, was Eifersucht ist in der Ehe beim Manne -; in der
Minute der Einsicht htt er b(ei) d(er) Entscheid(ung), nur sich oder
die Frau zu verachten -
		-- Jean Paul
%
Es ist unendlich verschieden, einen Menschen lieben und etwas an ihm
lieben, und sei dieses Etwas das Edelste; er wird doch Mittel; aber
das Lieben des ganzen Menschen macht ihn mir nur zum Ziel seiner und
meiner selber.
		-- Jean Paul
%
Je lter ich werde, desto mehr glaub ich, wer uerlich auf lange
unglcklich ist - denn ein Brand, Krieg gehrt nicht hieher - der
verdient's durch Mangel an Klugheit und Beharrlichkeit.
		-- Jean Paul
%
Tod und Geburt lernt man nur in einem Dorfe kennen, in keiner Stadt.
		-- Jean Paul
%
Wollt ihr Originale im Handeln, sucht sie bei Leuten, die nicht ihre
Kraft wegschreiben und die ohne Reflekt(ieren) forthandeln - die
schreibenden Genies sind matte Handler.
		-- Jean Paul
%
Erst dann, wenn der Gelehrte wei, da er einsam bleibt, fhlt er sich
recht und genieend einsam.
		-- Jean Paul
%
Um froh, frei, leicht und reich Einflle in Gesellschaft zu haben, mu
man nicht mit einem andern wetteifern oder gar kmpfen, sondern ohne
Gegner ber das Allgemeine sprechen. Repartien sind ein lstiger,
aufhaltender Zwang. Sogar der fremde Witz regt mehr unser Genieen als
unser Erfinden an.
		-- Jean Paul
%
Jeder Jngling glaubt, ein Philosoph oder ein Dichter zu werden, weil
beide zu den Krften der allg(emeinen) menschlichen Natur gehren, und
es kommt auf Akademien oder in der Lektre nur auf den Reiz an, den
vorwiegend das eine oder das andere macht. Erst spter macht er dies
Allgemeine blo zur Unterlage seiner besondern andern Krfte, sobald
jenes nicht zugleich auch seine Individualitt ist.
		-- Jean Paul
%
Das Gesprch der meisten Humanisten (Gelehrten) untereinander ist
weiter nichts als ein gegenseitiges heimliches, hfliches Examen;
daher colloquium sogar bei den Theologen = Examen.
		-- Jean Paul
%
Die ewigen langweiligen leeren Vorbungen zum Kriege mssen dem
Soldaten ordentlich Sehnsucht nach einem freiern und treffenden
Realschieen machen.
		-- Jean Paul
%
Die meisten Ehekriege [kommen] nicht davon, da man die Wahrheit der
Person sagt, sondern da man sie, unbekmmert um jede Zeit, sogleich
sagt.
		-- Jean Paul
%
Wer sagt, da die schnen Weiber im Alter hlich werden, vergit blo
die guten schnen.
		-- Jean Paul
%
Gerade die Idyllenfreude, die nur aus Kleinigkeiten besteht, leidet so
leicht von den Kleinigkeiten die Unterbrechung.
		-- Jean Paul
%
Imponieren kann mir niemand anders als moralisch, weil er hier den
ganzen Menschen trifft; hingegen jede einzelne bermacht z.B. des
Scharfsinns, Gelehrsamkeit etc. trifft auch an mir nur einen Teil.
		-- Jean Paul
%
Wir Menschen lieben nicht, um zu hassen; aber wohl hassen wir, um zu
lieben.
		-- Jean Paul
%
Ich mag mit niemand umgehen, der mich nicht wenigstens in etwas
bertrifft, in Kenntnissen, Erfahrung etc. oder im Moralischen. Die
mir hnlichen oder meinesgleichen sind nicht meine Leute.
		-- Jean Paul
%
Ein Trost besteht nicht darin, da man dem andern Grnde gegen sein
Unglck sagt - denn er wute sie alle selber vorher und konnte
ebensogut zurcktrsten -, sondern darin, da eine fremde Seele durch
Darstellen sie alle in der andern belebte und beseelte, damit sie
durch Empfindung das Gleichgewicht hielten der leidenden Empfindung.
		-- Jean Paul
%
Unter allen Eigenschaften einer Braut sieht man am wenigsten auf die
grte, ob sie Kinder erziehen kann - und freilich ist sie am
schwersten zu erraten.
		-- Jean Paul
%
Ein Mann deutet recht deutlich (als sein Selbst-Rhapsodist) seinen
Charakter durch das Tragen seines Stockes an, sobald er ihn,
unwissend, bemerkt zu werden, trgt und schwenkt und hlt.
		-- Jean Paul
%
Ein berhmter Mann verliert nicht, gewinnt vielmehr durch eine
Lcherlichkeit, die man von ihm erzhlt oder lieset -; aber begeht er
sie vor unsern Augen, so verliert er. Allein warum? Hier wirkt die
Gegenwart zu mchtig, und der Mann, erscheinend darin, nur stckweise
aufglnzt; hingegen in der Erzhlung herrscht und glnzt die Idee des
Ganzen ber den Mann.
		-- Jean Paul
%
Hat man eine kleine Bitte: mu man mit dem Allgemeinen anfangen, man
habe was zu bitten, weil der andere dann froh ist, da es nichts
Greres ist. Eine groe Bitte aber tue man ohne dies.
		-- Jean Paul
%
Man habe sich noch so frei gemacht, und noch so gleichgltig gegen die
Welt und alle Feinde; wer kann uns denn noch tiefe Schmerzen geben?
Eine Gattin durch ein Wort, man mte sie denn nicht lieben.
		-- Jean Paul
%
Da die Menschen einen Kerker fr eine Strafe halten, beweist, da sie
Geselligkeit fr Belohnung halten; denn sonst wre ja im Kerker alles
zu haben, wenn man Menschen ausnimmt.
		-- Jean Paul
%
Einer Liebhaberin wird die Treue viel leichter als einer Gattin.
		-- Jean Paul
%
Warum werden uns denn Menschen, welche einzeln wir bersehen und
berwinden, in einer Gesellschaft so wichtig und herrschend? Die bloe
Bestechung der Augen durch eine lngere Reihe entschiede nicht bei den
krftigern Menschen; und wo liegt diese Vielheit nicht vor ihm. -
Schon ein Grund: der Mensch, obwohl sich seiner und seiner Grnde
recht sehr bewut, will sogar von einem tiefern den Beifall; es mu
also durch das fremde Ich etwas Hheres ausgesprochen werden, das nun
durch die Vervielfltigung noch bedeutender wird.
		-- Jean Paul
%
Man mu sich, um den andern gerecht zu beurteilen, nicht in dessen
nchste Minute an die Stelle setzen, sondern in sein Jahr, Leben,
Wochen.
		-- Jean Paul
%
Man erfreuet sich nicht an den uern Zustnden d(er) Vergang(enheit),
sondern an den innern, man wnscht nicht das alte Leben zurck, das
meist seichter ist und das man jetzt gar nicht ertrge, sondern die
alte Seele.
		-- Jean Paul
%
Wenn man ein Kind einen Menschen hassen lehrt, der ihm nichts getan:
so lernt es die brigen Menschen daran hassen.
		-- Jean Paul
%
Ein Autor bringt sich darum nicht ganz in seinen Roman, weil [er] eine
Menge Zge von sich briglassen mu, um sie andern Leuten darin zu
leihen.
		-- Jean Paul
%
Wer fr Freiheit ficht und spricht (z.B. der Ungar), dem ist der
Gegenstand und Anla gleichgltig - er streitet nicht fr das Haar,
woran manch(er) hngt, sondern fr oder wider den Kopf, woraus es
kommt.
		-- Jean Paul
%
Es ist mir bei der Kinderfreude zu Weihnachten nicht an der
gegenwrtigen Freude gelegen - so gro und innig sie wegen der noch
eingehllten Natur auch ist -, sondern an der unvergnglichen,
unzerstrlichen ber- und Zauberfreude knftigen Erinnerns, das nicht
die Gegenstnde verschnert (nur entfrbt), sondern die hchsten
Gefhle zum zweiten Mal erhht und verschnert.
		-- Jean Paul
%
Fr das Volk ist freilich Essen bei Festen die Hauptsache, aber darum,
weil eben die Ruhe zugleich zum Genusse tritt - die Losgebundenheit
zum Sprechen und von Arbeit.
		-- Jean Paul
%
Das Unmoralische, was man an sich am meisten tadelt, sieht die Welt
gar nicht, oder es fllt ihr nicht auf; aber Handlungen, die man vor
dem Gewissen auf Kosten des Verstandes verantwortet, trgt die Welt
uns als unsittlich nach.
		-- Jean Paul
%
Die Fremden hren in der Ehe wohl den Sturm, aber nicht die Windstille
oder den Zephyr.
		-- Jean Paul
%
Wenn einem ein Werk am Ende gefllt wie mir Tristram, so kann man sich
gar nicht erklren, warum es einem frher mifallen. Hingegen, warum
uns ein spter mifallendes Werk anfangs gefallen, erklrt sich
leicht.
		-- Jean Paul
%
Allgemeine Amtnamen wie die Polizei, die Regierung wirken mehr auf die
Furcht und Achtung als die einzelnen Namen der Beamten. So auch
L[iteratur] Z[eitung] statt eines genannten Rezensenten.
		-- Jean Paul
%
Gefhrlich fr die Menschenliebe, das Talent zu sehr zu achten und in
jedem Herzen, das man lieben will, einen besondern Kopf zu suchen. Das
Talent zeigt sich bald erschpft - und dann wird's die Liebe auch.
Eine festhaltende Liebe ist die gegen Menschen, gegen Tugend, die
nicht wie das Talent bei Wiederholung (Wiederkehr) verliert, sondern
gerade gewinnt.
		-- Jean Paul
%
Der Stolz und die Eigensucht mancher edeln Menschen verbirgt und
ertrgt sich leichter in ihrem Glcke als in ihrem Unglck. -
		-- Jean Paul
%
Etwas anders ist, wenn ein Begeisterter sich lobt oder wenn ein
Kalter; jener ist nicht eitel, er vermischt [sich] mit der Sache,
dieser macht die Sache zu sich.
		-- Jean Paul
%
Daran erkenne deine historische oder poetische Kraft: was dir so
leicht wird, da du ordentlich nach einer andern Kraftbung dich
umsiehst, dies ist deine Kraft - Und das Angeborne achtet eben nicht
das Angeborne, sondern das Anerzogne.
		-- Jean Paul
%
Wenn eine Frau sagt, sie habe diesen Mann schon von weitem am Gang
erkannt: so haben beide den Genu einer kleinen Selbergeflligkeit,
jene, da sie so erkannte, dieser ber seine Eigenheit.
		-- Jean Paul
%
Man ist leichter standhaft, wenn das Unglck zu hherem steigt, als
wenn man von einer groen Hoffnung auf einmal zu einer kleinen Furcht
herabgeworfen wird.
		-- Jean Paul
%
Wie Erfinden angenehmer als Ausarbeiten, so ist's Sprechen mehr als
Schreiben.
		-- Jean Paul
%
Es ist lcherlich, wenn ein Trunkner sein Zu-viel-Trinken verbergen
will; denn sobald er selber es merkt, so merken es andere gewi noch
eher.
		-- Jean Paul
%
Die Hlle lt sich als ein unendliches ewiges Schmachten nach
Errettung leichter in und durch ihre Schrecken malen, als der Himmel
in einem Dasein fester Wonne, welche auch die Hoffnung endigt, da sie
jede bertrifft.
		-- Jean Paul
%
Es gibt eine doppelte sehr verschiedne Hoffnung, die, welche auf
Ankunft neuer Gter hinweiset und wartet; die andere wichtigere,
welche Heilung und Vorbergang der bel erwartet.
		-- Jean Paul
%
Unter allen Menschen hat ein Frst die meiste Veranlassung und
Entschuldigung, ein Menschenfeind zu werden; die Menschen taugen
nichts, wenn man sie, anstatt zu Freunden, zu Untertnigen, Suchenden
hat.
		-- Jean Paul
%
Ich kann keine Freude ber mein Rechttun haben - z.B., da ich einem
andern sein Eigentum zurckgebe -, dies setzte etwas Schlimmes voraus;
aber ich kann eine Freude ber mein Wohltun haben; aber dann ist's
nicht etwan eine ber mein Tun und Gutsein, sondern ber das fremde
Glck und insofern ein Wert mehr.
		-- Jean Paul
%
Liebe, es sei eheliche oder jungfruliche, ist ein noch besseres
Schirm(Sieg)mittel gegen jeden Anfall auf ihre Tugend als diese
selber.
		-- Jean Paul
%
Die deutschen Damen lassen das franzsische Sprechen schon darum
nicht, weil es das einzige Wissenschaftliche ist, womit sie glnzen
knnen; so auch der gemeine Edelmann.
		-- Jean Paul
%
Wenn die Namen der Soldaten abgelesen werden; antwortet jeder mit
einer andern Stimme: hier!, die bezeichnend ist.
		-- Jean Paul
%
Was dem berhmtesten Manne wie dem mittelmigsten es so schwer macht,
einen andern so zu behandeln, da dieser zufrieden ist, ist, da er
selten bestimmt wissen kann, was dieser andere nicht blo fr eine
Meinung von sich selber hat, sondern auch von ihm. Denn nach dieser
zweifachen Schtzung richtet sich das Urteil ber das Behandeln.
Derselbe berhmte Mann kann bei einem anstoen, bei welchem er eine
groe Verehrung voraussetzt, bei einem andern, wo er eine zu kleine
annimmt usw.
		-- Jean Paul
%
Frstinnen regierten immer gut, weil sich Weiber von niemand lieber
Rat geben lassen als von Mnnern, die eignen ausgenommen.
		-- Jean Paul
%
Je grer die Stadt, desto mehr Enthusiasmus fr einzelne
(individuelle) Flle - sowie desto mehr Klte fr allgemeine.
		-- Jean Paul
%
Ist einer als ein Mann von groem Verstande bekannt: so gewinnt er in
Gesellschaft durch Schweigen mehr als durch Reden; fngt er aber
dieses an, so mu er mit dem Besten beginnen.
		-- Jean Paul
%
Verdorbne Frauen reden untereinander oder mit Mnnern tadelnd von
fremden unkeuschen Handlungen, blo um sie lnger sich vorzustellen
und vorstellen zu hren.
		-- Jean Paul
%
Eigentlich bestechen gegen die Wahrheit rechtlose Beleidigungen weit
mehr als rechtlose Schmeicheleien.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch ist nie besser und wrmer, als wenn er dem andern eine
Freude vorbereitet.
		-- Jean Paul
%
Kinder ber Eltern ausfragen spionierend: heit Briefe erbrechen, ja
noch schlimmer, da man (in Briefen) gegen den Freund nicht so viel
Schwachheiten zeigt als gegen Kinder.
		-- Jean Paul
%
Wie anders ist das Los eines Helden oder Kollegiumsmenschen oder
Frsten, welcher seine schnsten Ideale nur mit fremden Beihlfen
erreichen kann, gegen den Dichter und Weltweisen, der nur eigne
braucht. Ein Held ist in ewigem Doppelzank mit auen.
		-- Jean Paul
%
Nicht die einzelnen Anreden, sondern die zuflligen uerungen der
Eltern und die absichtlose Fortsetzung und Offenbarung eines
Charakters wirken so unglaublich auf die Kinder, denen durch ihre
Verehrung alles so fest anfliegt.
		-- Jean Paul
%
Kleine Mdchen scheinen am leichtesten gut erzogen, weil ihre Natur
nicht heftig, sondern immer furchtsam ist und also jeden Schein der
Erziehung leichter nachspiegelt.
		-- Jean Paul
%
Zum Ausfhren braucht man 1 Mann (General), der die Entschlsse von
hundert realisiert; aber zum Entwerfen, zur Ansicht einer ganzen Zeit
ist 1 Frst nicht hinlnglich; an 1 falschen Idee gehen Vlker
verloren. Daher von jeher Konsilien; daher Republiken. 100 Augen sehen
mehr als 2; aber 2 Arme tun mehr als 100.
		-- Jean Paul
%
Wer seine Gesinnungen verbergen will, langt mit bloem Verstellen
(dissim(ulare)) nicht aus, sondern er mu Anstellen (simul(are))
dazunehmen; ihr Ausdruck wird am besten durch einen Widerschein und
Annherung der entgegengesetzten verborgen.
		-- Jean Paul
%
Ich erziehe Kinder nicht zu etwas, sondern in etwas.
		-- Jean Paul
%
Den meisten Menschen, besonders den Gelehrten, fehlt zum Gutsprechen
nichts als die Freiheit zu sprechen.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe besonders - aber eigentlich berall - ist der groe Irrtum,
da man glaubt, sobald man seinen Wert, sei es schreibend oder
handelnd, dem andern feurig gezeigt und eingeprgt, man habe in den
matten Tagen des Lebens dieselbe feurige Darstellung des Innern nicht
zu wiederholen, sondern auf die erste zu bauen. Das Wiederkommen der
Zeit fodert Erneuerung des ersten Eindrucks und um so mehr, je grer
er war.
		-- Jean Paul
%
Ich fhle im Hassen des Bsen meine Seele so sehr erhoben als im
Lieben des Guten. Und jenes Hassen hat nicht(s) Unangenehm(es) bei
sich, sondern nur Kraft.
		-- Jean Paul
%
Wie man durch Beisammensein fortliebt unter der Rinde die Frau, so
auch den Freund; nur die Unterbrechung zeigt uns, wie so stark wir
lieben.
		-- Jean Paul
%
Das grte Vorurteil, da Dichter, die sich selber hingeben und
vergessen, nicht das fremde Sich auffaten und bemerkten. Sie sehen
alles, weil sie sich sehen lassen; der andere sieht wenig, weil er
wenig sehen lt.
		-- Jean Paul
%
Wenn das bloe Lesen die Leser so ausbildete: so mte man im
6. Jahrtausend zehn mal besser schreiben als im 2. Jahrtausend.
		-- Jean Paul
%
Jedes Leben, zumal eines Autors, ist wert, beschrieben zu werden, aber
nicht jeder ist wert und fhig, es selber zu beschreiben.
		-- Jean Paul
%
Knechtschaft der Vlker ist nicht so schlimm als Knechtschaft ihrer
Herrscher unter einem Oberherrscher, denn seine Knechtschaft mssen
sie bei ihrer alten unter ihm tragen.
		-- Jean Paul
%
Feinheit setzt Verstndnis voraus, [ist] also nur gegen Feine mglich
und zu ben.
		-- Jean Paul
%
In jedem Falle wird bei gleicher Anlage das falsche Vertrauen auf
Talente mehr hervorbringen als das falsche Mitrauen in sie; jenes
spannt, dieses lhmt.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe helfen groe geistige Vorzge wenig zum Glck, da sie nur
selten einwirken; aber kleine Achtsamkeiten und Angewohnheiten und
nachgebender Verstand bereiten Glck.
		-- Jean Paul
%
Man sagt doch seine Meinung, die dem andern entgegen ist, sanfter,
miger, wenn man sie in dessen Hause sagt, als wenn man mit ihm im
fremden ist.
		-- Jean Paul
%
Die Mnner mssen den Weibern egoistischer erscheinen, weil sie
behaupten, erkmpfen, bekmpfen, herschaffen mssen und diese nur
bentzen. Jede Kraft nimmt den Schein der Ichsucht an, denn im Ich
wohnt sie ja.
		-- Jean Paul
%
An Kindern sieht man am ftersten und strksten, wie wenig die
Vorstellung der Zukunft ber anreizende Gegenwart siegt.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe schmt man sich mehr, der Gattin die geistige Liebe zu
offenbaren als die krperliche; vor der Ehe natrlich umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Jeder Mensch (z.B. Einsiedel) bildet in seiner Persnlichkeit auch
bei allem Wert etwas feines Komisches fr d(ie) andern.
		-- Jean Paul
%
Ich kann mir denken, da ein reiner Dichter einen reinen Kaufmann
begreift und schtzt sogar; aber nicht umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Wenn der Mensch seine schlimmen Anteile der Natur untersucht: so wird
er sie immer klein und fast nicht unmoralisch finden, z.B. Hitze,
Bequemlichkeit, Genuliebe, Lobsucht, und er wird mit Recht von sich
denken, da er damit nie dem andern recht verhat oder gefhrlich sein
knne. Indes, wenn diese schlimmen Partikeln durch Umstnde, Zeit,
Menschen sich verdichten, durch Zorn, bereilung aufbrausen, so kann
er den andern verhat scheinen, ohne es sich selber zu werden; oder er
kann bereuen und doch seine alte Achtung sich bewahren. Daher denn
sein Selbbewutsein. Wir bedenken gar nicht, wie die kleinste
unsittliche Partikel in uns durch Zusammenstrmen mehrerer Umstnde zu
einer Lastertat sich ausdehnen kann.
		-- Jean Paul
%
Blo bei den Tieren kann ich rein rechnen, da sie je besser gegen
mich sind, je besser ich gegen sie; bei den Menschen nicht, ja oft
umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Das Schne, was man fr den Freund im Enthusiasmus ausgedacht, gebe
man ihm nachher.
		-- Jean Paul
%
Schrittschuhfahren = jeder Schuh ist ein Schrittschuh; aber der
eiserne Schlittenschuh ist eben ein Schlittschuh.
		-- Jean Paul
%
Der Leser leiht dem Autor gewhnlich die schne etc. Lage, in der er
ihn zum ersten Male las.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen - dies beweiset die Liebe der Kinder - werden nicht zu
den Menschen erst hingewhnt, sondern nur spt(er) von ihnen
abgewhnt.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe will jeder Teil, da blo der andere anfange, pflichtmig
und edel zu sein, dann woll er sehr erwidern, ja mehr geben als nur
gegeben werde; - und unter diesem Wollen zanken sich beide fort, und
keines fngt an.
		-- Jean Paul
%
Einer kann blo dadurch, da er alle Wetterinstrumente, Regenmesser in
jeder Stunde bemerkt und aufschreibt, sich gegen alle Wetter
gleichgltig machen und froh erhalten.
		-- Jean Paul
%
Die Kinder sind nie so gehorsam, als wenn sie den Eltern etwas
geschenkt oder sonst eine Freude gemacht haben.
		-- Jean Paul
%
Das Streben nach Wahrheit macht uns zu sehr offen fr jede neue
Ansicht.
		-- Jean Paul
%
Ein Kritiker verdeckt seine Drftigkeit des Urteils am besten, wenn er
ein ganzes sthetisches Jahrhundert mustert und durch kurze Urteile
ber bedeutende Gren deren Motivierung verbirgt oder ersetzt, weil
man das Interesse an seinem Gegenstande mit dem Interesse an ihm
vermengt.
		-- Jean Paul
%
Man denkt vom Verstand eines Menschen zu hoch, dessen Idiom man nur
halb versteht.
		-- Jean Paul
%
Mancher sollte sich fragen, was er mit dem Leben machte, wenn ihm Gott
Hunger, Durst und alle Lust- und Schmerzgefhle nhme, ob er es nur
begehrte oder ob er nicht lieber Lcken begehrte, um sie nur zu
fllen.
		-- Jean Paul
%
Man darf nur grob sein, so wird's der andere auch; nichts wird
leichter auf der Stelle sogar dem Feinde nachgeahmt als Grobheit.
		-- Jean Paul
%
Man verteile und zerse eine schwere Arbeit nicht in verschiedne
Zeitrume - die Wichtigkeit beginnt und drckt immer von neuem -,
sondern man mache sie auf einmal ab, da die Rume ohnehin mehr
neuanfangenden Kraftaufwand begehren.
		-- Jean Paul
%
Nicht durch Dichter, sondern durch Leben mu man sich zum Dichter
bilden, wie man nicht auf dem glatten Eise zu schnellem Fahren
ausholt, sondern auf dem holper(ichten) Boden.
		-- Jean Paul
%
Das eigentlich Originelle am uern Leben ist alles, was man Fremdes
tut, ohne das Gefhl, da es andern fremd vorkommen werde.
		-- Jean Paul
%
Ich komme leichter mit wahren Spitzbuben aus zu meinem Vorteil als mit
wahren liberalen Menschen, welche mich zu meinem Nachteile bezaubern;
denn ich kann ihnen nicht unhnlich sein.
		-- Jean Paul
%
Die meisten Menschen schlieen aus einer Begebenheit und Handlung die
Zukunft; aber die rechten Historiker schlieen daraus die
Vergangenheit. Jene gehen nur vor-, diese rckwrts, erraten aber
desto mehr vorwrts.
		-- Jean Paul
%
Die meisten glauben durch die Heftigkeit ihrer Behauptung, diese
strker dem andern einzudrcken - und ihr eignes heftiges Gefhl
mitzuteilen -; aber umgekehrt, durch einfach kaltes Behaupten teilt
man das eigne strker mit.
		-- Jean Paul
%
Im Leben ist der Englnder freier, im Schreiben pedantischer als der
Deutsche, der gerade auf dem Papier die republikanische Rolle spielt.
		-- Jean Paul
%
Bei Leidenschaft errat ich den Menschen mehr aus dem Ton als aus der
Rede, der Stimme-Ton ist schwer zu verbergen oder zu verheucheln.
		-- Jean Paul
%
Freiheit.
Ich fhle etwas in mir, da ich sogar der Religion und des Himmels
wegen nicht sklavisch sein wie ein Hermes, sondern Freiheit behalten
wrde, auf Kosten verdammt zu werden. Kein Wesen mit Bewutsein kann
seinen Wert - woher er auch sei - verleugnen, und sogar das Hingeben
ist nur freier und also freibleibender Entschlu.
		-- Jean Paul
%
Zehn Ksse werden leichter vergessen als ein Ku.
		-- Jean Paul
%
An und fr sich ist jeder originell, weil er individuell ist; aber
nicht jeder hat den Mut, er selber zu sein und zu scheinen; nur der
Krftige oder Berhmte oder Reiche hat ihn, weil er des Scheins
entbrigt sein kann.
		-- Jean Paul
%
Junge Leute sehen in ihrer Entwicklung das Neue des Zeitalters auch
fr Entwicklung an und verwechseln sich mit der Zeit und halten daher
alles Neue fr so gut als sich und ergreifen es.
		-- Jean Paul
%
Jeder wei es, wo er sein Rechtes Krftiges hat - und daraus wr er
auch nicht zu treiben - aber eben darum will er von seiner Hhe herab
noch fremde Ebenen erobern, zu seinem Hchsten noch allerlei dazu
gewinnen - und dadurch, durch ohnmchtiges Streben einer vorigen
Macht, wird er lcherlich.
		-- Jean Paul
%
Der Gelehrsamkeit ist keine Grenze d(er) Vergr(erung)
vorgeschrieben; aber wohl dem Scharfsinn.
		-- Jean Paul
%
Man sollte denken, wenn ein Professor die ganze Woche in abstrakten
Lehren zubringt, da sein Tiefsinn unendliche Tiefe gewinnen mte und
der Scharfsinn Schrfe; aber es trifft nicht zu; Jahre, nicht bungen
setzen die Grenze.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber gehen gern, um bessern Platz zu gewinnen, eine Stunde
frher in Konzert und Theater; aber eigentlich fangen beide fr sie
schon an, sobald sie nur ankommen und sich niedersetzen; denn ihr
Sprechen verfrhet ihnen die Musik und das allmhliche Ankommen der
Zuschauer das Schauspiel.
		-- Jean Paul
%
Kinder lieben am meisten in Mrchen Vergrerungen und Verkleinerungen
gewohnter Gegenstnde; sie knnen dann leicht diese in alle neue
Verhltnisse setzen und der Phantasie den weitesten Spielraum auftun.
		-- Jean Paul
%
Gegen eine Fehlschlagung eines Plans gibt's keinen bessern Trost, als
auf der Stelle einen neuen zu machen oder bereitzuhalten.
		-- Jean Paul
%
Nur die Ehe wird am glcklichsten, wo man die grten Vorzge in ihr,
nicht vor ihr entdeckt. Daher d(as) Heirat(en) eines Dichters so
milich.
		-- Jean Paul
%
Das gemeine Volk, die Mgde etc. wollen durch ihre Kleidung nicht
verfhren, sondern nur glnzen; daher der Stoff ihnen zehnmal lieber
als die Form.
		-- Jean Paul
%
Bei Schriftstellern in einer groen Stadt (Berlin) und Zirkeln ist
schwer nachzuweisen - sogar von ihnen selber -, wieviel ihnen von
ihren Ideen gehrt, da sie tglich gedruckte kommentiert hren, neue
darber, dagegen etc.
		-- Jean Paul
%
Sich an die Stelle eines andern setzen - wird so allgemein ohne nhere
Einschrnkung gesagt. Wohl kann man sich in eine einzelne fremde
Eigenschaft und Lage setzen, z.B. eines Zornigen; aber jenes Wort
bedeutet noch 2erlei, a) sich in den ganzen moralischen Charakter
eines andern setzen, was nur ein Dichter kann, b) sich in dessen
intellektuellen setzen, was ebenso schwer; setze dich z.B. in den
ganzen Umfang gelehrter, philosophischer, sthetischer Anschauungen
eines Menschen.
		-- Jean Paul
%
Jeder sollte sich eine berseh-Stunde seines Tags oder Treibens
whlen, und zwar nicht eine spazierende im Freien, sondern eine dunkle
in der Dmmerung, wo nichts ihn durch seine Sinnen unterbricht.
		-- Jean Paul
%
Grnde (z.B. bei Max ber kurzen Rock) wirken nur gegen Grnde, aber
nicht gegen Empfindungen, gegen die wieder nur Empfindungen wirken.
		-- Jean Paul
%
Manche Autoren zeigen sich der Welt klter und schrfer, als ihr
Mensch ist, z.B. Lichtenberg; desto wrmer bleibt die bedeckte
Quelle. Andere treiben ihre Wrme heraus und erklten sich durch
fremdes Erwrmen.
		-- Jean Paul
%
Kein Mensch kann durch sein Leben so viel intensive Freude machen als
sein Verlust intensiven Schmerz, weil das Leben jene ausdehnt, der Tod
diesen konzentriert. Alle Freuden, die einer gegeben, und die
zuknftigen dazu vereinigen sich bei dem Verlust zu 1 Schmerz.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe (wie in der Freundschaft und berall) hilft kein Wohltun
und Beschenken, sobald die Persnlichkeit beleidigt ist anstatt
verehrt. Keine langen Geschenke machen wrtliche Verkennungen des
Augenblicks gut.
		-- Jean Paul
%
Nur die Jugend ist offenherzig ber sich und wahr; das Alter verbirgt
aus Anstand.
		-- Jean Paul
%
Man ist nie liebenswrdiger, als wenn man geliebt wird.
		-- Jean Paul
%
Nicht die Freuden, sondern die Leiden verbergen die Leere des Lebens.
		-- Jean Paul
%
Bemerkungen ber den Menschen.
Alle die in Rochefouc(auld), la Bruyre sind unmglich zu behalten, zu
ordnen, anzuwenden, sondern sie sollen blo im allgemeinen den Blick
schrfen und ihm eine gewisse Richtung geben.
		-- Jean Paul
%
- Schnee, der sich leicht ballen lt, schmilzt bald.
		-- Jean Paul
%
Das Selblob mifllt, sogar wenn es die Wahrheit ausspricht, doch
darum, weil man voraussetzt, der Sprecher verberge aus Bescheidenheit
noch etwas, nmlich ein greres Lob, als ihm gehrt.
		-- Jean Paul
%
Man mu nie vor einem ein Wortspiel mit seinen Namen (z.B. Markus)
machen, da jedes ihm lngst im Leben vorgekommen sein mu.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen wollen immer, die Zeiten (Lnder) sollen besser werden
(sich bessern), und klagen doch, sobald sie anders werden (sich
ndern), als knnte eines ohne das andere sein.
		-- Jean Paul
%
Zum bestechendsten Beweis einer Meinung wird uns oft ihre Neuheit,
sobald diese alte Ansichten nicht verschliet, sondern weiter ffnet.
		-- Jean Paul
%
Die Tugend, sogar eines gemeinen Mdchens, ist verschieden, ob man
sich fr verheiratet oder unverheiratet ausgibt.
		-- Jean Paul
%
Einer, der aus stillem Egoismus uns berall lobt und alles an uns,
verlre alle seine Unparteilichkeit, die wir ihm wegen seines Lobs fr
uns zuschreiben, wenn wir ihn die andern loben hrten, d. h. jeden.
		-- Jean Paul
%
Kurz vor dem Abreisen sowie kurz nach dem Ankommen verschnert sich
uns unser Wohnort.
		-- Jean Paul
%
Sogar nach Belgen traut man doch wieder Wahrheit zu. Aber nach
Grausamkeit erwartet man keine Milde mehr.
		-- Jean Paul
%
Alte, wie Montaigne, sprechen leicht zu obszn, weil sie keine
Versuchung mehr fhlen und berhaupt mit den Ideen zu vertraut und
dabei alt geworden sind.
		-- Jean Paul
%
Gerade dies beweist die Kraft des Kopfes, was er aus einem kleinen
Gegenstande witzig, philosophierend macht ohne fremde Belehrung; nicht
aber sein Hinzutun von Kenntnissen, Erluterungen usw. - z.B. ber
Mdchen wird der Jurist, Arzt, etc. zu sprechen wissen; aber anders
der Witzige und Umsichtige.
		-- Jean Paul
%
Man darf immer Mitrauen haben, nur keines zeigen.
		-- Jean Paul
%
Nicht geniale Einseitigkeit, sondern talentvolle Mehrseitigkeit (wie
bei Stainlein) fhrt im Geschftleben zu hohen Posten; jene schliet
aus.
		-- Jean Paul
%
Ach das Alter gibt Einsamkeit, geistige; nur die Jugend Geselligkeit.
		-- Jean Paul
%
An d(er) Geliebten wird der alltgliche wiederkommende Wert fr hoch
gehalten, die dazwischenfallenden Ausnahmen davon fr klein oder nur
Laune. An der Frau - wie berhaupt an Mann und Magd und Freund - wird
das Gute, was seinen Charakter ausmacht und immer erscheint, fr
notwendig gehalten und kaum berechnet (auer nach dem Tode etc.), aber
die Ausnahmen desto mehr und fast allein und berwiegend.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe das Miverhltnis, da die Begeisterungen des Mannes und
der Frau nicht ineinandertreffen; der Mann von der Arbeit begeistert,
sie davon erschpft, und so nach Tagzeiten umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Jeder wird wider Willen originell, der sich's bequem macht und nach
dem Scheine nichts fragt.
		-- Jean Paul
%
Die nrrischen Menschen! Zum anerkannten Genie kommen sie, nicht um zu
hren, sondern um sich hren zu lassen. Zum Dunse, gleichfalls um zu
reden. Wann will denn einer hren? - Da, wo er eine Lcke findet, die
ihn am weiteren Reden hindert.
		-- Jean Paul
%
Keine schmerzhaftere Empfindung, als wenn man froh zu machen suchte
und doch nicht froh machte (wie bei Weihnachtgeschenk).
		-- Jean Paul
%
Nichts ist schner im Enthusiasmus zu lieben, als Kinder; denn die
Liebe verlangt von ihnen nicht einmal die Liebe, sondern ihr Glck.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch hat ein eignes selbgeflliges Wohlgefhl, wenn er eine
Beleidigung erzhlen kann, die man ihm angetan.
		-- Jean Paul
%
Wer die Welt nicht kennt, setzt bei jeder, zumal scharf und gut
ausgedrckten Meinung oder Satz voraus, ihr stehe im Hinterhalte ein
langes System und Prfen, indes sie eben jetzo erst gefunden, wiewohl
doch auch in solchem Falle viel Vorrat im Hinterhalte liegt.
		-- Jean Paul
%
Die juristische Regel, sich mit keinem berflssigen Beweise zu
beladen, lernt man spter auch in unjuristischen Fllen und Briefen
befolgen, wo man andere bestimmtere uerungen, die nicht eben zur
Sache gehren, unterlt und allem noch freien Spielraum lt.
		-- Jean Paul
%
Den mitrauischsten Egoisten kann man stundenlang von sich zu sprechen
veranlassen, ohne da er das Veranlassen merkt.
		-- Jean Paul
%
Was am leichtesten hartherzig macht, wenigstens das Abschlagen zu sehr
erleichtert, ist, wenn man gewi ist, da man nicht allen helfen kann.
		-- Jean Paul
%
Den Weibern merkt man nie die geheimen stolzen Ansprche an - leichter
die eiteln -, weil sie alles gemildert und schchtern zeigen.
		-- Jean Paul
%
Lichtenbergisch.
Wenn man nur einmal alle die allgemeinen Bemerkungen der Diener und
Kammerjungfern ber ihre Herrschaften sammelte, ber ihre
Vergelichkeit, Unredlichkeit etc.: so wre doch etwas von der
Ab(Gegen)seite der Welt da.
		-- Jean Paul
%
In den Aufstzen der Primaner wird die Flucht des Lebens, die Sorge
der Mnnlichkeit etc. so stark geschildert, als sei der Schler selber
darin; aber die Jugend malt die Eitelkeit und das Sterben, ohne es
anders als poetisch und nachgelesen zu empfinden. - Aber eben dies
bezeugt das Nachsprechen der Leserei; ein lebensfroher Jngling
spricht so lebensatt wie ein Alter, indes er gerade unter dem
Schildern des Abblhens mehr erblht. - Wie anders der Mann oder
Greis, der ungern davon spricht, weil er's schon fhlt.
		-- Jean Paul
%
Eine moralische Schamhaftigkeit - und eine der Gewohnheit. Letzte hat
der unverschmteste Mann, der sich von einem Unbekannten oder gar
einer Unbekannten nur mit Schrecken in einer natrlichen, an sich
unschuldigen Handlung betreffen lt.
		-- Jean Paul
%
Man geniet und fhlt den Reichtum nur in der Minute, wo man ihn
unverhofft bekommt; darauf wird er zu Armut.
		-- Jean Paul
%
Nichts vermehrt die Liebe gegen eine ferne Person mehr, als wenn
Fremde, andere von ihr sprechen, lobend, ja nur erzhlend.
		-- Jean Paul
%
Je mehr Vorzge an einem Menschen anerkannt werden, desto mehr neue
will er dazusetzen und dichten, aus Gefhl seiner Unvollendung.
		-- Jean Paul
%
Die Gleichheit der modischen Kleidung bildet den Trgern auch
Gleichheit der Ausbildung ein.
		-- Jean Paul
%
Vergleiche einmal die Opfer und Liebezeichen, die dir die Ehefrau
bringt, und deine kalten Billigungen davon, mit den Opfern, die eine
Geliebte bringt, und mit deinem Enthusiasmus darber.
		-- Jean Paul
%
Man wird in der Freundschaft und der Liebe leicht Heuchler, der
bertreibt, wenn man das strkste Bedrfnis und Gefhl beider hat und
den Gegenstand dazu entbehrt; und doch falschen dafr sucht und nimmt.
		-- Jean Paul
%
Wie sehr auch jeder den Knstler, Philosophen, Helden achte (und ihm
sich opfern will) und den Weltwohltter: so bringt er doch, sobald er
dessen Freund, Gatte etc. wird, nicht mehr das Allgemeine in Anschlag,
sondern nur sein bestimmtes Verhltnis; und derselbe Leser, der fr
den Dichter sterben will, wird, wenn er dessen Freund, Frau etc. ist,
nicht die kleinste Unlust ihm ersparen. Selten weihen sich die
Menschen dem Allgemeinen, noch seltener opfern sie sich denen, die
sich ihm weihen. Daher frage kein Autor nach Briefen voll Lob.
		-- Jean Paul
%
Wenn ihr verbietet, das zu tadeln, was man nicht besser machen kann:
so darf man auch nicht loben, was man nicht nachmachen kann; denn das
Lob setzt die Kraft zu tadeln voraus.
		-- Jean Paul
%
Nur der steigende, nicht der stehende Ruhm erfreuet; whrend des
letzten sind nur die Schmerzen des angegriffnen.
		-- Jean Paul
%
Je kleiner die Stadt, desto kleiner erscheint darin der Grere; sie
hat einen zu kleinen Mastab.
		-- Jean Paul
%
Gefallsucht und wahre Erhebung ber den Schein knnen beide bei drei
verschiednen Auenseiten herrschen - denn es kommt eben nur auf das
Innen an -, a) bei Schn-, b) bei Mittel-, c) bei Nieder-Anzug und
uerliches.
		-- Jean Paul
%
Um sich besser kennenzulernen als aus den eignen Handlungen, mu man
auf die erste pltzliche Freude oder Betrb(nis) merken, die uns bei
einem Antrag, Erzhl(ung) etc. aufsteigt und die wir gewhnlich
schnell besiegen.
		-- Jean Paul
%
Nur der Dichter und Philosoph sieht die Torheit im Allgemeinen und
berall - der Geschftmann sieht nur die Torheiten und Abweichungen
seines Gewerbs, seiner Kaste, der Jurist juristische; aber nicht das
allgemeine Trichte, das allen Menschen zum Grunde liegt.
		-- Jean Paul
%
Der Mathematiker, Philosoph, Linguist etc. kann, so berhmt er auch
sei, doch nicht mit seinen Gaben jedermann und augenblicklich
erscheinen; aber von einem berhmten Dichter allein fodert man die
ganze Erscheinung des Menschen; warum? - weil er immer den Menschen
schildert, und jedes beste Geschilderte sein soll - als ob er
persnlich und augenblicklich das hchste uerlich darstellen knnte,
was er in Begeisterung schwer aus dem Innern unter den gnstigsten
Verhltnissen emporhebt. vid. 14.
		-- Jean Paul
%
Ein lange Reisender kann am leichtesten in der Verblendung ber seinen
Wert bei andern bleiben, weil er bei diesen nur kurz, in wenigen
Verbindungen ist und sich sein Mi[ver]hltnis nicht so steigern kann,
da man es ihm offenbart.
		-- Jean Paul
%
Unmittelbar nach der Ausbung eines Amtes - z.B. nach Ende einer
Predigt, einer Vorlesung, einer Gassenausrufung - hat der Mensch ein
nrrisches Gefhl der Selbstausdehnung und kann gar nicht wieder recht
zu seiner vorigen kleinen Zusammenfaltung kommen, wie Regenschirme
nach dem Gebrauch ausgespannt dastehen.
		-- Jean Paul
%
Wenn ein Ehemann oder Vater mit dem Tadel bei kleinen
un[ab]nderlichen Unannehmlichkeiten herausfhrt, der, wie er selber
wei, zu nichts ntzt: so ist diese Explosion nur die kleinere eines
Fluchs, der auch nicht helfen, nur erleichtern soll.
		-- Jean Paul
%
Die Mnner haben im Zorn mehr Mitleid, die Weiber vor- und nachher.
Habt ihr je eine Frau mitten im Zorne einhalten sehen?
		-- Jean Paul
%
Seltsam ist's, da die nied(ern) Menschen noch desto mehr Tugenden
erwarten, je hher der Stand ist, und da sie sich ber die
Ausschweifungen eines Frsten etc. wundern, anstatt sie
vorauszusetzen. Gerade im nied(ern) Stande sollte man sich ber alles
Schlechte verwundern.
		-- Jean Paul
%
Am leichtesten lernst du einen Menschen kennen, wenn du ihn tadelst,
oder - da der andere Weg offner steht - wenigstens in geringerem
Grade, wenn du ihn lobst.
		-- Jean Paul
%
Kein groer Philologe hat ein poetisches oder philosophisches
Meisterstck geschaffen; man ist nur froh, wenn er seine Sprache halb
so gut schreibt, als er die fremde versteht.
		-- Jean Paul
%
Man ist dem andern, den man tadelt, hnlicher und dem, den man lobt,
unhnlicher, als man glaubt.
		-- Jean Paul
%
Stets rechnet und berechnet der Mensch in seine Gegenwart die Zukunft
hinein. Nach dem lngsten Tage sprt er nicht die halbe Freude, als er
nach dem krzesten fhlt, weil dort die Zukunft die Verkrzungen der
Tage, hier die Verlngerungen ansagt.
		-- Jean Paul
%
Es ist der grte Irrtum, zu lebhafte Menschen (wie Messerschmidt) fr
unbefangen und wahrhaft zu halten.
		-- Jean Paul
%
Eine Sache vermgen die Weiber nicht, dieselbe Drohung 12mal
hintereinander zu erfllen.
		-- Jean Paul
%
Den allerwenigsten Menschen ist beizubringen, da Bcher, die viele
andere nicht verstehen, von ihnen gleichfalls unverstanden bleiben.
		-- Jean Paul
%
"Da mein Sohn immer fleiig, rechne ich ihm gar nicht an bei der
Berechnung seiner Vorzge - ein anderer Vater wrde, wenn der Sohn
sich zum Flei bekehrte, die Bekehrung unter die grten Vorzge
setzen." So nehmen stets die Menschen in die Rechnung der Vorzge
nicht einen alten langen Wert hinein, sondern erst von diesem datieren
sie die Rechnung.
		-- Jean Paul
%
Von Feinden Vorwrfe hren, lehrt und bekehrt und wirkt nicht; aber
wohl von Freunden. Ein Mann wie Emanuel kann jahrelang die hrtesten
Vorwrfe seiner Feinde erfahren, sie knnen nicht auf ihn wirken, da
er sie verachtet und vernichtet. Aber dieselbe Rede eines
gleichgestimmten Freundes griffe anders an.
		-- Jean Paul
%
Zwei Menschen begleiten einander im Finstern gegen die
Gespensterfurcht; aber eigentlich das geheime Gefhl nicht, da einer
dem andern gegen d(ie) Geist(er) beistehen knnte, sondern dies, da
die Gegenwart eines Menschen die Phantasie hindert, ihre Gespenster
auszuweben und zu lebhaft auszumalen.
		-- Jean Paul
%
In der ganzen Gelehrtenhistorie noch kein Beispiel, da in einem
Streite - z.B. Leibniz und Clarke - einer sich von dem andern fr
widerlegt erklrt htte, nicht einmal zur Hlfte widerlegt.
		-- Jean Paul
%
In Rcksicht der Geschlechtsnden scheint auch der offenste Mensch ein
Heuchler zu sein; aber blo weil er verbirgt, was alle verbergen,
sogar das Erlaubte, und weil jeder weniger sinnlich scheinen mu, als
er ist.
		-- Jean Paul
%
Derselbe Mann, der mich besucht, zeigt sich ganz anders, als wenn ich
ihn besuche. Beide Verhltnisse geben erst den Durchschnitt seines
Charakters. Ja wieder anders zeigt er sich im Begegnen auf der Reise,
wo er weder Gast noch Wirt ist, sondern nur Erdbrger.
		-- Jean Paul
%
Es ist weit mehr Heuchelei in der Welt, als man glaubt und als selber
die Heuchler glauben; denn sie halten nicht andere fr Heuchler.
		-- Jean Paul
%
Zweimal lgen die Menschen, so oft sie sagen: ich habe ber soundso
viel verloren, das zweite Mal: ich habe weit unter 100 fl.
eingenommen. berall ist bei ber, unter, nahe, weit und an gerade
das Gegenteil zu verstehen. Nur die gerade Zahl wrde das Richtige
sein.
		-- Jean Paul
%
Das bertreiben liebender Worte macht in der Ehe gar nicht das
bertreiben tadelnder gut, sondern dieses berma vernichtet die
Wirkung des andern; von allen Aufwallungen lassen nur die zornigen den
dickern Bodensatz.
		-- Jean Paul
%
Das erste, wornach ein Mensch bei irgendeinem Unfall sucht - sei er
durch Tiere, Materien oder Menschen geschehen -, ist ein lebend(es)
freies Wesen, dem er etwas davon schuld geben kann, um sich dann zu
rchen.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen geben auf den oben herab bellenden Hund acht, nicht auf
den unten.
		-- Jean Paul
%
Von der Glut eines jungen Autors - zumal mitten in seinen Schpfungen
- hat gar kein Groer in seinem abmattenden und abgematteten Leben nur
einen Begriff; und jeder frchtet sich doch vor der krftigen
Erscheinung.
		-- Jean Paul
%
Der Vernderliche macht und findet Vernderliche gegen sich selber.
		-- Jean Paul
%
Wenn ein Jngling den Taufnamen der Geliebten nicht wei, Zeichen, da
er sie noch nicht recht liebt.
		-- Jean Paul
%
Gerade in kleinen Stdten wird der gute bescheidene Mensch am
stolzesten, weil er doch niemand hat, womit er sich vergleichen will.
		-- Jean Paul
%
Um berall geliebt zu werden, schone man nur die schwachen Seiten
d(er) Menschen; die starken schonen hlfe nichts und wre sogar
unrecht, im Falle diese bse sind.
		-- Jean Paul
%
Man wrde jedem seine Eigenheiten gern hingehen lassen, wenn er sie
nur nicht zugleich zu seinen Vorzgen adelte; erst dann fngt der
Tadel an.
		-- Jean Paul
%
Die strksten und gefhrl(ichsten) Streitigkeiten in der Ehe sind in
den ersten Jahren - teils ber Kindererziehung, teils, weil die ersten
hohen Foderungen der Liebe sich noch nicht ins Gleichgewicht mit dem
Alltglichen gesetzt haben -; spter werden die Strme kleiner und
verschwinden endlich in Ruhe oder in Gleichgltigkeit.
		-- Jean Paul
%
Man sollte glauben, da ein Leser mit solcher Teilnahme die strksten
Liebereden zweier Liebenden aufnimmt, es mss' ihm ebenso bei dem
Anhren hnlicher in der Wirklichkeit sein; er msse gar vor
Entzckung nicht zu bleiben wissen, wenn er hinter einer Laube den
wahrsten Feuerstrom der Liebe anhrt, oder wenn endlich der Liebende
zum Kusse gelangt. Inzwischen wird er so wenig warm davon, da er sich
blo erkltet. Aber der Unterschied ist: nicht bei der gehrten,
sondern nur bei der gelesenen Liebe kann er sich zum Liebhaber machen
und das Mdchen zur Geliebten. Daher kann eine gedruckte Liane
1000 Albanos beglcken - so ein gedruckter Werther 1000 Lotten.
		-- Jean Paul
%
Zur sinnlichen Liebe ist bei den meisten leicht zu gelangen; aber
schwer bei wenigen ist die rechte zu erwerben.
		-- Jean Paul
%
Wie wenig knnt ihr euch auf die moralische Kraft und Fortwirkung auch
der strksten Empfindungen verlassen, wenn ihr die Entzckungen des
Wiedersehens und neuen Wiederliebens nach einer Abwesenheit
zusammenhaltet gegen den nchsten Frost und Zank der Gegenwart.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen denken sich, um den andern zu etwas zu berreden, nur in
dessen uere Lage mit ihrer Seele hinein, aber nicht in dessen innere
oder Seele; daher kein Begreifen und kein Einwirken.
		-- Jean Paul
%
Nur Reisen verwandelt das Spiebrgerliche und Kleinstdtische in
unserer Brust in etwas Weltbrgerliches und Grostdtisches.
		-- Jean Paul
%
Nur Reisen ist Leben, wie umgekehrt das Leben Reisen ist.
		-- Jean Paul
%
Eine Religion nach der anderen lscht aus, aber der religise Sinn,
der sie alle schuf, kann der Menschheit nicht gettet werden.
		-- Jean Paul
%
Das Unglck der Erde war bisher, da zwei den Krieg beschlossen und
Millionen ihn ausfhrten und ausstanden, indes es besser, wenn auch
nicht gut gewesen wre, das Millionen beschlossen htten und zwei
gestritten.
		-- Jean Paul
%
Im lngsten Frieden spricht der Mensch nicht so viel Unsinn und
Unwahrheit als im krzesten Kriege.
		-- Jean Paul (Friedenspredigt)
%
Nichts ist gefhrlicher als zwei Menschen auszushnen; sie zu
entzweien ist viel sicherer und leichter.
		-- Jean Paul
%
Wenn einem Schriftsteller andere bedeutende Leute recht ihren Wert zu
zeigen suchen und des seinigen gar nicht erwhnen; so glaub er nicht,
da sie ihn nicht achten, sondern umgekehrt glaub er, da sie aus
Achtung fr ihn, die seinige fr sich zu erwerben trachten.
		-- Jean Paul
%
Man sollte nur die Gegenmeinungen des andern nicht entgegengesetzt den
eignen betrachten, sondern als Meinungen fr sich: so wrde man sie
ebenso leicht dulden, als man allen Aberglauben der Wilden und der
Kirchengeschichte vergibt.
		-- Jean Paul
%
Dem Aberglauben wachsen die Federn, der Zufall mag ihm dienen 
oder schaden.
		-- Jean Paul (Leben Quintus Fixlein)
%
Der Aberglaube ist das ungeheure, fast hilflose Gefhl, womit der
stille Geist gleichsam in der wilden Riesenmhle des Weltalls betubt
steht und einsam.
		-- Jean Paul (Vorschule der sthetik)
%
Der so genannte Aberglaube verdient als Frucht und Nahrung des 
romantischen Geistes eine eigne Heraushebung.
		-- Jean Paul (Vorschule der sthetik)
%
Der Krper ist der Panzer und Krass der Seele. Nun, so werde 
dieser vorerst zu Stahl gehrtet, geglht und gekltet.
		-- Jean Paul (Levana)
%
Krperliche Abhrtung ist, da der Krper der Ankerplatz des Mutes 
ist, schon geistig ntig.
		-- Jean Paul (Levana)
%
Nur in den Minuten des Wiedersehens und der Trennung wissen es die
Menschen, welche Flle der Liebe ihr Busen verbarg, und nur darin
wagen sie es, der Liebe eine zitternde Zunge und ein berflieenden
Auge zu geben.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen verraten ihre Absichten nie leichter und strker, als
wenn sie sie verfehlen.
		-- Jean Paul (Titan)
%
Der Adel kann uns in allem bertreffen, nur nicht in der Mehrheit.
		-- Jean Paul, Dmmerungen fr Deutschland 
%
